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"Wie ein guter Hirtenhund": TV-Ärztin Dr. Anne Fleck im WOCHENBLATT-Interview

Bei Dr. Anne Fleck steht der "Mensch im Zentrum" (Foto: Justyna Krzyzanowska)
lt. Stade. Dr. Anne Fleck (45) ist eine von drei NDR-"Ernährungsdocs" und als TV-Ärztin und Autorin zahlreicher Bestseller zum Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit inzwischen deutschlandweit bekannt. Voraussichtlich im Januar startet die vierte Staffel von "Die Ernährungsdocs" im NDR (montags, 21 Uhr).
Was sich hinter der "Doc Fleck Methode" verbirgt und wie Eltern es schaffen, dass ihre Kinder nicht ständig nach Süßem betteln erzählt die Internistin und Ernährungsmedizinerin vor ihrem Besuch in Stade (siehe untern) im WOCHENBLATT-Interview:

Frau Fleck, können Sie unseren Lesern ihre "Doc Fleck-Methode" in einfachen Worten erklären?
"Die von mir entwickelte Methode ist eine Symbiose von Diagnostik und Therapie der modernen Medizin einerseits, innovativer Präventiv- und Ernährungsmedizin und Naturheilverfahren andererseits. Für mich spielen die Zuwendung zum Einzelnen, intensives Zuhören und Zeit für den hilfesuchenden Menschen eine wichtige Rolle. Im Zentrum meiner Methode steht der Mensch, der heute durch den Wildwuchs an Angeboten zum "Gesundbleiben“ häufig verunsichert ist."

Was unterschiedet die Methode von herkömmlichen Diäten und warum ist sie Ihrer Meinung nach erfolgsversprechender als andere Methoden?
"Meine Methode ist eben keine Diät! Es geht nicht darum, ein paar Kilos weg zu hexen, um schlanke Silhouetten oder Kalorienzählen. Es geht um die ganzheitliche Gesundheit jedes Einzelnen und das Feingespür, bereits die ersten krankmachenden Veränderungen in punkto Gewicht und Lebensstil wie ein guter Hirtenhund aufzuspüren und gezielt, aber ohne übertriebenen Perfektionismus entgegenzusteuern. Im Fokus steht insbesondere die Darmgesundheit. Man vermutet eine gestörte Darmflora als wesentliche Ursache für Übergewicht, Asthma, Arthritis und Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Weil meine Methode auch Lebensstilfaktoren wie Schlaf und Verhalten einbindet, ist eine sehr umfassende Gesundheitsverbesserung möglich."

Wie lassen sich schwere Krankheiten durch die Ernährung beeinflussen?
"Ernährung kann heilen. Die Betonung liegt auf kann. Selbstverständlich gibt es Krankheiten, die nur dank moderner Medikation wirklich heilbar sind. Hervorragend beeinflussbar sind aber z.B. Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wie Sodbrennen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, nicht-alkoholische Fettleber, Stoffwechselerkrankungen wie Insulinresistenz oder Diabetes mellitus. Über die Jahre habe ich immer mehr auch exotische Krankheiten wie die Hauterkrankung Rosazea behandelt sowie chronische Harnwegsinfekte, Akne, Schuppenflechte oder Entzündungen der Schilddrüse."

Kann es sinnvoll sein, auf bestimmte Dinge ganz zu verzichten, z.B. Zucker, Fleisch oder Milchprodukte?
"Die alte Regel nach dem großen Arzt Paracelsus gilt noch immer: "Es ist Gift in allem, allein die Dosis macht das Gift". Es ist aber auf jeden Fall sinnvoll, den Zucker zu reduzieren und auf künstliche Süßstoffe komplett zu verzichten, da sie den Geschmacksnerv auf "süß" programmieren. Fleisch und Milchprodukte empfehlen sich nur in moderatem Umfang zu verzehren. Es ist klüger, mehr pflanzliche Eiweiße in den Alltag zu integrieren, z.B. auf Nüsse, Mandeln und Hülsenfrüchte zu setzen, und Fleisch nur einmal pro Woche zu essen, aus nachhaltiger Produktion vom Hersteller des Vertrauens.

Welchen Tipp haben Sie für Eltern, deren Kinder am liebsten ständig Süßes essen möchten?
"Ich war selbst ein Kind, das Süßigkeiten liebte. Die Strategie meiner Eltern hat sich aber bewährt: mein Geschmacksnerv wurde auf "Genuss und Gesund" programmiert, indem ich regelmäßig liebevoll zubereitetes Essen ausschließlich aus natürlichen Lebensmitteln ohne Zusatzstoffe oder Süßungsmittel bekam. Als Kind durfte ich außerdem immer beim Einkauf mit auswählen.
Mein Rat: Lasst doch die Kinder mal öfters in der Küche mitmachen, z.B. Teller dekorieren. So fühlt man sich als Kind in den Auswahlprozess des Essens eingebunden und ist dann eher für gesunde Sachen zu begeistern. Süßigkeiten sollten nicht tabu sein. Man sollte aber immer wieder einen selbstgemachten Kuchen oder Nachtisch mit etwas natürlichem Obst als gesündere Süßware anbieten."

Was kochen Sie am liebsten für sich privat? Was ist Ihr Lieblingsgericht?
"Da ich ein ausgesprochener Genussmensch bin, fällt es mir sehr schwer, mich auf ein Lieblingsgericht zu begrenzen. Besonders mag ich meine Avocado-Erbsensuppe mit Minze. Oder ein schönes Stück Fisch mit frischem, gegartem Gemüse oder Linsen (wie z.b. der Wolfsbarsch mit Belugalinsen). Auch im Hochsommer liebe ich eine lang gekochte Hühnersuppe mit viel Ingwer, Chili und Knoblauch. Zu meinem Doc-Fleck-Frühstück mit vielen Omega-3-Fettsäuren gönne ich mir aber auch immer einen schönen Kaffee. Der Mensch braucht Rituale."

• Wie berichtet, kommt Dr. Anne Fleck anlässlich des runden Firmengeburtstags des Reformhaus von Glahn in Stade, Pferdemarkt 16 (Tel. 04141 - 2133, www.reformhaus-von-glahn.de) am Donnerstag, 23. November, 19.30 Uhr, ins Metropol, Klarenstrecker Damm 8, in Stade. Dort gibt die TV-Ärztin Ernährungstipps und erklärt den Zusammenhang von Essen und vielen chronischen Krankheiten. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 13 Euro und an der Abendkasse 15 Euro. Einlass ist bereits ab 18.30 Uhr.
Im Stader Reformhaus können sich Interessierte auch jederzeit zum Thema Ernährung beraten lassen.