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Wird der Notarzt verdrängt?

Der Stader Rettungsdienstleiter Thomas Waskow (re.) und Lehrrettungsassistent Matthias Block im Rettungswagen

Mehr Kompetenzen für die Retter: Bundesregierung schafft neuen Beruf "Notfallsanitäter"

tp. Stade. Die Regierung schafft einen neuen Beruf: Notfallsanitäter. Er ersetzt den Rettungsassistenten und darf künftig legal eingreifende Maßnahmen am Patienten wie das Anlegen von Venen-Kanülen und das Einführen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre ergreifen und Infusionen mit Medikamenten verabreichen. Skeptiker befürchten die schleichende Verdrängung des notarzttgestützten Rettungssystems.
Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), Kreisverband Stade, der ca. 80 Rettungsassistenten beschäftigt, sieht man die Novellierung des Berufsbildes von 1989 für überfällig. "Hintergrund ist der demographische Wandel", sagt der Stader DRK-Rettungsdienstleiter Thomas Waskow (43). Immer mehr Menschen werden immer älter. Folge: Die Anzahl der Notfalltransporte steigt stetig. Für die DRK-Retter schrillt jährlich rund 14.000 Mal der Alarmpieper zu medizinischen Notfalleinsätzen. Vor 15 Jahren waren es noch ca.10.000 Notfälle. Waskow und sein Kollege, Lehrrettungsassistent und Ausbildungsleiter Matthias Block (36), erwarten, dass die neue, in der Entwicklung befindliche Ausbildungsverordung Vertiefungen in mehreren Bereichen enthalten wird - von der Palliativ- über Intensivmedizin bis zur Geburtshilfe.
Angesichts der rasanten Entwicklung der Notfallmedizin sind die auch die Anforderungen an die Rettungsassistenten gestiegen. Aus den Krankentransporteuren der 70er Jahre wurde die rechte Hand des Notarztes. Doch invasiven Maßnahmen wie die Verabreichung von Medikamenten sind Rettungsassistenten derzeit nur im Rahmen der "Notfallkompetenz" möglich, etwa, wenn das Leben oder die Gesundheit der Patienten unmittelbar gefährdet sind, ein Arzt verständigt, aber noch nicht eingetroffen ist.
"Im neuen Beruf Notfallsanitäter ist dies künftig gesetzlich gedeckelt", sagt Matthias Block. Das habe besonders Vorteil für Patienten in abgelegenen Ecken des Landkreises wie Nordkehdingen, wo künftig oft langes Warten auf den Notarzt entfalle.
Skeptiker befürchten, der neue Beruf könnte den Ausstieg aus dem Notarztsystem und der Beginn des Paramedics-Systems nach amerikanischem Vorbild bedeuten: Dort fahren die Retter ohne Arzt zum Einsatz. Ihre Ausbildung dauert fünf Jahre.
Thomas Waskow rechnet in Zukunft eher mit einer Verstärkung der Notarztbesetzung im Landkreis Stade. Zudem fänden schon heute zwei Drittel der Notfalleinsatze ohne Notarzt statt, so Waskow.
• Das DRK im Kreis Stade will in den kommende Jahren sämtliche Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern fortbilden.
• Das DRK bildet schon jetzt seine Rettungsassistenten freiwillig drei Jahre aus.