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Wohin mit dem Atommüll aus Stade?

Eine aktuelle, nur wenige Tage alte Luftbildaufnahme vom Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks am Elbufer in Bassenfleth (Foto: www.luftbild.fotograf.de)
bc. Stade. Der Abriss eines Atomkraftwerks ist eine Herkules-Aufgabe. In Stade arbeitet Betreiber EON seit Jahren daran, den Meiler am Elbufer in Bassenfleth zurückzubauen. Wobei eine Frage noch immer ungeklärt zu sein scheint. Wohin eigentlich mit dem radioaktiven Bauschutt? Es gibt offenbar keine Deponie in Deutschland mehr, die ihn haben will.

Zum Hintergrund: Bis Ende 2014 wurden bereits ca. 2.800 Tonnen an verschiedene Deponien in Niedersachsen und Sachsen abgegeben. „Wir erwarten, dass bis zum Rückbauende insgesamt ca. 5.000 Tonnen deponiert werden können, die die Werte der Strahlenschutzverordnung für die Freigabe zur Beseitigung unterschreiten“, sagt Eon-Sprecherin Almut Zyweck auf WOCHENBLATT-Anfrage.

Bleiben 2.200 Tonnen, die laut Zyweck bis zum Abtransport auf dem Gelände des Kernkraftwerks aufbewahrt werden müssen. „Zur Frage, auf welchen Deponien die noch verbleibenden Mengen entsorgt werden sollen, bitten wir um Verständnis, dass wir zu laufenden Gesprächen keine Auskunft erteilen“, so Zyweck.

Vor allem Anwohner von Deponien wehren sich immer wieder gegen das Abladen von belastetem Bauschutt - zuletzt in Sachsen, auch 2011 schon einmal im Heidekreis in Hillern. Dabei betont Eon, dass der Bauschutt - formal gesehen - als nicht mehr radioaktiv gelte, weil die Aktivität des Stoffs so gering sei. „In dem Zusammenhang von radioaktiv belastetem Material zu sprechen, ist schlicht irreführend“, sagt Zyweck. Ja, das Material trage Aktivität in sich, die aber um ein Vielfaches geringer sei als viele Dinge, die die Bürger tagtäglich umgeben, wie z.B. ein Granit-Bodenbelag, erläutert Zyweck.

Trotz eines nationalen Entsorgungskonzeptes für Atommüll, das die Bundesregierung kürzlich vorlegte, ist die Entsorgung des Bauschutts aus Stade nach wie vor unklar. Bereits im Februar dieses Jahres hatten die Grünen im Rahmen ihrer Landesdelegiertenkonferenz in Stade einen Antrag gestellt. Sie forderten die Bundesregierung auf, die EU-Richtlinie für die verantwortungsvolle und sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle vom 19. Juli 2011 rechtskonform umzusetzen. „Noch ist immer ist nichts beantwortet. Keiner will den Müll aus Stade“, sagt Grünen-Mitglied Angela Heinssen, seinerzeit eine der Antragstellerinnen.

Das nach mehr als 30 Jahren 2003 abgeschaltete Stader Atomkraftwerk versinnbildliche in besonderer Weise die fehlende Umsetzung der EU-Atommüll-Richtlinie durch die Bundesregierung. Offenbar haben Behörden und Betreiber nicht erkannt, dass der ihrer Ansicht nach harmlose Atommüll zu einem Problem bei der Entsorgung werden könnte.

Zum Hintergrund: Insgesamt muss der Eon-Konzern in Stade 330.000 Tonnen Schrott und Bauschutt entsorgen, davon 132.000 Tonnen aus dem nuklearen Bereich, die aber laut Eon überwiegend so unbedenklich sein sollen, dass sie wie konventioneller Bauschutt entsorgt werden können. Nur zwei bis drei Prozent des radioaktiven Abfalls aus der Gesamtmasse des Kontrollbereichs müssten zwischen- bzw. endgelagert werden.

- Derzeit arbeiten ca. 50 Eon-Kernkraft-Mitarbeiter am Rückbau des AKW in Stade und - abhängig von den Arbeiten - zwischen 150 und 250 Personen von Fremdfirmen. Zyweck: „Wir schätzen, dass wir den nuklearen Rückbau ca. 2017 beenden können. Danach schließt sich der konventionelle Abriss der Gebäude an, für den wir ca. eineinhalb bis zwei Jahre veranschlagen.“