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Zukunftsangst bei Landwirten

Fürchten um ihre Zukunft auf dem (v. li.): Mette (8), Gesche (11), Anja (44), Hauke (45) und Thamo (9) Dreyer aus Stade
Stade: Landvolk |

5.354 Hektar im Landkreis vom Moorschutzprogramm betroffen / "Moorbauern" bangen um ihre Flächen


sum. Kreis Stade. Die Landwirte Hauke Dreyer (45) und Dirk Balthasar (55) aus Stade haben Angst vor den Auswirkungen der neuen Moorschutzpläne des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Sie befürchten - über kurz oder lang - den Verlust ihrer landwirtschaftlichen Flächen. Sie und alle betroffenen Landwirte im Landkreis Stade fragen sich: „Wo bleibt unsere Planungssicherheit?"

Hauke Dreyer betreibt vor den Toren Stades auf 140 Hektar einen reinen Milchviehbetrieb mit 400 Tieren. Der Hof seines Nachbarn Dirk Balthasar umfasst 80 Hektar und insgesamt 220 Tiere. Auf den Moorflächen bauen sie das Grünfutter für ihre Tiere an. "Wir brauchen die von unseren Vorfahren in jahrhundertelanger harter Arbeit kultivierten Ländereien," erklärt Dirk Balthasar: "Die Kühe wollen schließlich Gras fressen und kein Torfmoos."

Im April 2013 berichtete das WOCHENBLATT bereits über die geplante Streichung von Vorranggebieten für den Torfabbau aus dem Landesraumordnungsprogramm (LROP), damit diese Bereiche als wichtige Speicher des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) unter Schutz gestellt werden können. Der neue Entwurf sieht in Niedersachsen insgesamt 102.000 Hektar als Moor-Entwicklungsgebiete vor. Für die Umsetzung dieser Pläne stehen dem Land rund 35 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zur Verfügung.

Laut Auskunft des Landvolks Stade wären im Landkreis Stade 5.354 Hektar in 26 Gebieten vom Moorschutzprogramm betroffen. „Von diesen Flächen werden 70 Prozent landwirtschaftlich genutzt“, erklärt Agraringenieur Jan Hauschildt vom Landvolk. Er und Kreislandwirt Johann Knabbe sind sich sicher: "Werden in den Vorranggebieten zur Moorvernässung zukünftig Gräben geschlossen, sind zwangsweise auch die benachbarten Flächen der Landwirte betroffen." Eine vernünftige Bewirtschaftung wäre nicht mehr möglich, was zu einem Wertverlust der Flächen führen würde. Darüber hinaus hätten die Landwirte mit Betrieben in Vorranggebieten mit erhöhten Auflagen beispielsweise bei der Errichtung eines Stalls zu rechnen. Jan Hauschildt ist überzeugt: „Es wird vermehrt zur Ablehnung von Bauanträgen aus moorschutzrechtlichen Gründen kommen.“

Zwar hat Agrarminister Christian Meyer zwischenzeitlich auf die Proteste mehrerer tausend Bauern aus Niedersachsen reagiert und zugesichert, im LROP klarzustellen, dass die Landwirte ihre Flächen wie bisher bewirtschaften und sie zu einer Vernässung nicht gezwungen werden könnten. Doch diesen Aussagen trauen die Landwirte nicht. Sie gehen weiterhin davon aus, dass sie Dank der Vernässungspläne früher oder später ihre Flächen wieder an das Moor verlieren werden.