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Zuviel Nitrat im Grundwasser: Auch Landkreise Stade und Harburg betroffen

Die Graphik zeigt die Mess-Stationen, an denen im Landkreis Stade (rot umrandet) erhöhte Nitratwerte (rot) festgestellt wurden (Foto: NLWKN)
 
Die Karte zeigt die Standorte, an denen im Landkreis Harburg erhöhte Nitratwerte (rot) im Grundwasser gemessen wurden, Z.B. im Bereich Stelle, Buchholz und Rosengarten (Foto: NLWKN)
lt. Landkreis. Erhöhte Nitratbelastung im Grundwasser durch Düngemittel auf den Äckern der Region. Laut Medienberichten liegt die Konzentration des Salzes Nitrat in immer mehr Grundwasservorkommen über den EU-weit gültigen Grenzwerten von 50 Milligramm pro Liter. In Niedersachsen überschreiten die Nitratwerte die EU-Vorgaben offenbar sogar auf mehr als 60 Prozent der Fläche. Auch in den Landkreisen Stade und Harburg hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) an einigen Stellen erhöhte Nitratwerte festgestellt.
Doch was bedeutet das konkret für die Verbraucher? Wichtig zu wissen: Das Trinkwasser ist nicht betroffen.

Im Landkreis Stade hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) an insgesamt fünf von 17 Mess-Stationen erhöhte Nitratwerte gemessen. Die Mess-Stellen liegen auf der Geest und in Buxtehude, insbesondere dort, wo es viel Landwirtschaft gibt und Nitrat über Düngemittel - unter anderem Gülle - in den Boden gelangt.
Bis auf eine Mess-Stelle sind die Nitratwerte ab 2009 aber nicht mehr angestiegen, sondern teilweise sogar gefallen, so Herma Heyken vom NLWKN.

Im Landkreis Harburg hat der NLWKN an insgesamt sieben von 37 Mess-Stationen erhöhte Nitratwerte gemessen. Die Mess-Stellen liegen unter anderem im Bereich Buchholz, Rosengarten und Stelle. Sieben Mess-Stellen weisen einen signifikant steigenden Nitratwert auf, an sechs Standorten wurde ein signifikant fallender Wert gemessen, so Herma Heyken.

In Gebieten mit erhöhten Nitratgehalten würden Landwirte intensiv beraten, um die Düngung zu optimieren und zu reduzieren.
Damit die Nitratbelastung künftig weiter eingedämmt werden könne, würden außerdem Grundwasser schonende Bewirtschaftsungsweisen finanziell gefördert. Positiv wirke sich zudem aus, dass nach Hackfrüchten (z.B. Kartoffeln, Zuckerrüben oder Mais) im Herbst keine Gülle mehr auf den Feldern ausgebracht werden dürfe, so Heyken.

Wichtig zu wissen: "Unser Trinkwasser ist nicht betroffen, wir haben keine Probleme mit einer zu hohen Nitratbelastung", sagt Fred Carl, Geschäftsführer des Trinkwasserverbandes Stader Land. Das gleiche gilt laut Geschäftsführer Uwe Paschke auch für das Trinkwasser der Wasserbeschaffungsverbände Harburg und Elbmarsch.
Fred Carl weist darauf hin, dass die erhöhten Werte im sogenannten oberflächennahen Grundwasser gemessen wurden, nicht aber im Wasser, das von den Brunnen aus ca. 40 bis 60 Metern Tiefe in die Wasserwerke und dann in die Haushalte gefördert werde.
Grundsätzlich sollte man das Problem aber nicht verharmlosen und die Nitratbelastung im Auge behalten, so Carl.

"Nitrat darf nicht verteufelt werden", sagt Johann Knabbe, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Stade. Dieser Stoff sei die Lebensgrundlage Nummer eins für Pflanzen. Ohne eine entsprechende Düngung müssten die Verbraucher auf volle Gemüseregale verzichten.
Die Landwirte arbeiten daran, die Nitratüberschüsse zu reduzieren, ohne Nitrat würde eine Pflanze aber verhungern, so Knabbe weiter. Er weist darauf hin, dass Nitrat zum Leben dazu gehöre und sich beispielsweise in Salaten eine um ein Vielfaches höhere Konzentrationen befände als in unserem Trinkwasser. So enthalte ein frischer Salat, der unter Glas oder Folie angebaut wurde, bis zu 5.000 Milligramm Nitrat pro Kilogramm.

• Übrigens: Nitrat selbst ist in den Größenordnungen der Grenzwerte vollkommen ungiftig. Gefahr besteht aber für Säuglinge, Schwangere und Menschen mit entarteter Darmflora durch die mögliche Bildung von Nitrit im Körper. Nitrit ist an der Bildung der als krebserregend geltenden Nitrosamine beteiligt.
Wer sich gesund ernähren möchte, sollte darauf achten, nicht zuviel Nitrat zu sich zu nehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine tägliche Menge von nicht mehr als 3,65 Milligramm Nitrat pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Gewicht von 70 Kilo sind das 255 Milligramm Nitrat.
Um die Nitrataufnahme zu verringern, sollten Verbraucher Gemüse der Saison sowie Produkte aus ökologischem Anbau kaufen. Die äußeren Blätter sowie die Blattstiele von nitratreichem Gemüse wie Salat oder Spinat sollten entfernt werden. Blanchieren oder kochen verringert den Nitratgehalt von Gemüse um 30 bis 50 Prozent. Nitratreiches Gemüse sollte am besten im Kühlschrank gelagert und nicht erneut erwärmt werden.

• Mit Landwirten aus dem Landkreis Stade können Bürger beim Stader Wochenmarkt am Samstag, 21. Januar, ins Gespräch kommen. Sie informieren unter anderem über die konventionelle Landwirtschaft und stehen außerdem Rede und Antwort zum Thema Düngung und Nitratbelastung in der Region.