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Zwei Dorf-Sheriffs am Ende der Welt: Spannende Fälle in Freiburg

Mit Handschellen und Kelle vor der Wache in Freiburg: die Dorf-Sheriffs Sören Schmidt (li.) und Heinz Hagedorn
 
In der gemütlich eingerichteten Dienststelle: Polizei-Oberkommissar Sören Schmidt (li.) und Hauptkommissar Heinz Hagedorn

193 Quadratkilometer Kehdingen sind das Revier von Heinz Hagedorn und Sören Schmidt

tp. Freiburg. Ein Ständer mit Polizei-Prospekten, Urlaubsbilder und ein Kalender hängen an den Wänden. Leselampe, Papphefter und ein Stempel-Karussell zieren den Schreibtisch in Eiche hell, nur ab und zu durchbrechen Funkgerät und Radio die ländliche Stille in der gemütlichen Amtsstube: Für die Polizei-Wache in Freiburg, durch die noch ein Hauch der 1970er Jahre weht, interessierte sich schon eine „Tatort“-Produktionsfirma. In dem charmant-hinterwäldlerischen Ambiente des historischen Backsteinbaus im Schatten der Dorfkirche verrichten Polizei-Hauptkommissar Heinz Hagedorn (54) und sein jüngerer Kollege, Oberkommissar Sören Schmidt (38), täglich ihren Dienst.

Es ist die abgeschiedenste Wache des Landkreises Stade. Das weitläufige Revier von Hagedorn und Schmidt umfasst 193 Quadratkilometer Nordkehdinger Marsch. Trotz der Beschaulichkeit, die das platte Land zwischen Kuhweiden, Wassergräben, Elbdeich und kleinen Dörfern „am Ende der Welt“ ausstrahlt, gibt es auch spannende Fälle zu lösen.

Familienvater Heinz Hagedorn, Bauernsohn aus der Nachbargemeinde Osten-Isensee, wurde in seinen 30 Dienstjahren in Freiburg schon zu vielen spektakulären Einsätzen gerufen: Vor einigen Jahren machte er mit seinem Kollegen durch geschickte Befragung der Bevölkerung einen jugendlichen Graffiti-Sprayer dingfest, der eine Spur der Sachbeschädigung bis in die Kreisstadt Stade zog. In trauriger Erinnerung blieb den beiden Polizisten ein Verkehrsunfall in Krummendeich, bei dem drei junge Menschen starben, als ihr Pkw mit einem Trecker kollidierte. In einer Scheune in Landesbrück ging ihnen ein psychisch kranker Gewalttäter ins Netz, nachdem er eine Frau und ihre Tochter in einem Wohnhaus überfiel und mit Hammerschlägen malträtierte. In Oederquart deckten die Schutzmänner eine illegale Marihuana-Plantage auf. Der dreiste Diebstahl der Sonntagskollekte in der Kirche blieb jedoch ungeklärt, bedauern Hagedorn und Schmidt.

Auch Tierrettungen gehören zum Handwerk der vielseitigen Ordnungshüter: Eine gestohlen geglaubte Ziege fanden sie in einem Stalll wieder - leise wimmernd und eingeklemmt zwischen Strohballen und Wand.

„Und oft sind wir die ersten Helfer am Einsatzort“, sagt Sören Schmidt, der seit 2009 in Freiburg stationiert ist und dort „das entspannte und persönliche Arbeiten nah an Land und Leuten“ schätzt.

In der Mini-Polizei-Inspektion im Erdgeschoss des „Bürgermeister-Jacob-Mügge-Haus“ bleiben nachts und an Wochenenden die Lichter aus, sodass den beiden Kehdinger Schutzmännern Schichtdienst weitgehend erspart und ihnen genügend Freizeit zur Erholung bleibt: Familienvater Sören Schmidt kümmert sich am liebsten um Haus und Garten in Stade. Heinz Hagedorn ist leidenschaftlicher Jäger, als Schütze fest im Nordkehdinger Gesellschaftsleben eingebunden und spricht mit Freunden und Bekannten Platt. Das Verbindliche seiner Heimatsprache sei ihm auch im Dienst viele Male zum Vorteil geraten: Mit einem vertraulichen „Bliev sinnig“ ließen sich schon manche Streithähne zähmen.