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Agathenburg: Gemeinderat bremst Investor aus

Am Mauerweg wollte eine Investorengruppe um den Architekten Tim Schulenburg bezahlbaren Wohnraum schaffen
lt. Agathenburg. Ein Investor möchte ein Projekt verwirklichen - und wirft schließlich das Handtuch, weil ihm von der Gemeinde zu viele Auflagen vorgegeben werden. Beispiele für solche Szenarien gibt es viele - vom geplanten Kletterpark in Horneburg über Pläne für das ehemalige Technik- und Verkehrsmuseum in Stade bis zu den abgebrannten Fachwerkbauten am Obstmarschenweg in Jork.
Auch Architekt Tim Schulenburg aus Buxtehude kann ein Lied von oftmals zu hohen Hürden singen, die Bauprojekte verhindern. Der jüngste Fall spielt in Agathenburg. Dort gibt es Bedarf an kleinen, bezahlbaren Wohnungen. Eine Investorengruppe um Schulenburg wollte deshalb auf Anfrage des Horneburger Bauamtes ein Mehrfamilienhaus in der Nachbarschaft des Agathenburger Schlosses bauen.

Doch daraus wird erst einmal nichts. Grund: Der Agathenburger Gemeinderat hat den neu aufgestellten Bebauungsplan, der auch für das entsprechende Grundstück gilt, immer weiter eingeschränkt. Unter anderem wurde die Firsthöhe für Gebäude auf zehn Meter festgesetzt. So sei ein zweigeschossiges Gebäude mit ausgebautem Dach und Fahrstuhl nicht mehr realisierbar, kritisiert Tim Schulenburg, der bereits rund 100 Stunden Arbeit in die Planungen investiert hat.

Gemeinde-Bürgermeister Gerd Allers sieht das anders. Da der Bezugspunkt für die Firsthöhe auf der Bundesstraße liege und das Gelände nach hinten abfalle, gebe es genügend Spielraum. In Stade gebe es zudem ähnliche Anlagen mit einer Firsthöhe von zehn Metern, so Allers, der hauptberuflich als Tiefbauchef im Stader Rathaus arbeitet.
„Was in Stade möglich ist, müsste doch auch in Agathenburg möglich sein“, sagt der Gemeinde-Bürgermeister. Der Bebauungsplan sei kein „k.o.-Kriterium“.
Allers stellt klar, dass der Rat Tim Schulenburg mit den Auflagen „nicht ärgern“ oder die Entstehung von günstigen Wohnungen verhindern wolle. Es gehe aber auch um den Schutz der Nachbarn, die unter einem „gewaltigen Baukörper“, wie er von der Investorengruppe geplant gewesen sei, leiden würden.
Allers weist darauf hin, dass der Bebauungsplan zwar vom Rat verabschiedet, aber noch nicht öffentlich ausgelegt wurde. Nach einer Auslegung haben die Bürger noch einmal die Möglichkeit, sich zu äußern und auch Einwände zu erheben. Womöglich müsse die Gemeinde den Plan erneut verändern. Bis potenzielle Bauherren auf dem insgesamt 1,8 Hektar großen Areal zwischen Mauerweg und Haupstraße ihre Vorhaben realisieren könnten, würde noch mindestens ein halbes Jahr ins Land ziehen.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie lang es dauern kann, bis beschlossene Bebauungspläne auch umgesetzt werden können, findet sich ebenfalls in Agathenburg. Der umstrittene B-Plan „Ortskern“, der im Frühjahr 2015 aufgestellt wurde, ist noch immer nicht rechtskräftig. „Wir sind in Verzug“, räumt Horneburgs Bauamtsleiter Roger Courtault ein. Der B-Plan müsse noch im Amtsblatt veröffentlicht werden, um Rechtskraft zu erlangen. Das solle aber noch im Februar passieren.
Wie berichtet, führten Festsetzungen im B-Plan „Ortskern“ zu Bürgerprotesten. Etliche Agathenburger, die im Dorfkern ein Haus oder ein Grundstück besitzen, wollten sich nicht damit abfinden, ihre Dächer künftig nur mit roten oder braunen Dachpfannen eindecken zu dürfen. Als widersinnig bezeichneten viele auch die Vorgabe, dass pro Haus nur eine Sat-Schüssel zulässig ist. Auch die Tatsache, dass die Höhe von Hecken auf 1,20 Meter reglementiert wurde, verärgerte so manchen.