Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Ausschuss bringt Umzug der Obdachlosen in Stade auf den Weg

Marode Nachkriegsbauten am Fredenbecker Weg (Foto: tp/SPD Stade (Reidies))

SPD-Ratsherr Hermann Müller: "Die Hütten sind marode"/ Grüne: "Schaffung von Elends-Orten"

tp. Stade. Für viele Bewohner der städtischen Obdachlosenunterkünfte ist dies wohl der letzte Winter in den mit primitiven Bolleröfen ausgestatteten Nachkriegsbaracken am Fredenbecker Weg in Stade. Der zuständige Ausschuss für Feuerwehr, Sicherheit und Verkehr brachte auf seiner Sitzung am Mittwochabend den seit Längerem von den Sozialdemokraten geforderten und von der Stadt mit geplanten Umzug an die Bundesstraße 73 auf den Weg. Auf Antrag der SPD-Fraktion beauftragte das Gremium mit großer Mehrheit die Stadtverwaltung mit der Umsiedlung, für den es jedoch noch keinen festen Zeitrahmen gibt.

"Die Hütten sind marode", brachte SPD-Ratsherr Hermann Müller die Lage am Fredenbecker Weg auf den Punkt. Die Unterkünfte aus den 1950er beziehungsweise 1970er Jahren, in denen insgesamt durchschnittlich 50 Personen - vor allem Männer - untergebracht sind, sollen abgerissen werden.

Der im SPD-Antrag gestellten Bedingung, die Zuweisung in die Neubauten möglichst unter Einverständnis der betroffenen Bewohner durchzuführen, könne die Stadtverwaltung nur begrenzt stattgeben, gab der Erste Stadtrat Dirk Kraska zu verstehen. Der Abbruch beginne konsequent mit den ältesten Gebäuden.

Schwierigkeiten scheinen programmiert, denn eine kleinere Gruppe der Bewohner am Fredenbecker Weg hat sich offenbar mit den dürftigen Wohnverhältnissen arrangiert und sich seit Jahrzehnten in den Baracken eingerichtet.

Kraska betonte erneut, dass der vorgesehene Umzug der Obdachlosen am Fredenbecker Weg nichts mit den Neubauaktivitäten im benachbarten Wohnviertel Heidesiedlung Riensförde zu tun habe. Zwischen den Siedlern und den Barackenbewohnern gebe es "keine Störungen".

Noch nicht gelöst ist das zu erwartende Platzproblem am neuen Standort. "Wir kriegen dort nicht alle 50 Personen unter", warnte SPD-Mann Müller. In den ursprünglich für Asylbewerber errichteten schlichten Flachdachbungalows an der B73, Hausnummer 200, stehen lediglich elf kleine Appartements für je zwei Personen zur Verfügung. Entsprechend dem Auftrag des Ausschusses an die Verwaltung, wird die Stadt nun die Zustand eines auf der Fläche stehenden Altgebäudes für weitere Unterbringung überprüfen. Immerhin habe das Haus kürzlich eine neue Heizung bekommen, so Kraska. Weiteren Wohnraum für Menschen in Not steht in diversen, über das Stadtgebiet verteilten städtischen Wohnungen bereit.

Eine komplett dezentrale Lösung wäre dem Grünen im Ausschuss, Tobias Archut, am liebsten. Mit der der Obdachlosen-Umsiedlung in die Einfachbehausungen an der Bundesstraße schaffe die Stadt nur einen neuen "gesellschaftlichen Elends-Ort". Archut stimmte als Einziger gegen das Konzept.