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Bäume stören das "Schussfeld"

Auf dem Ravelin-Platz: Barbara Zurek (Grüne) stellt sich schützend vor die alten Bäume am Wall

Gestaltung Ravelin-Platz nach historischem Vorbild: Grüne und BUND befürchten radikale Baumfällung

tp. Stade. Am Platz Adolf Ravelin an den Wallanlagen in Stade kreischen in Kürze die Motorsägen. Die Stadtverwaltung lässt Dutzende grüne Riesen kappen, darunter mehrere sehr alte und stattliche Bäume. Die Grünen im Stadtrat um Fraktions-Chefin Barbara Zurek (52) und der Naturschutzbund BUND schlagen Alarm. Sie befürchten, dass die von der Verwaltungsspitze angeordnete Grünpflege über das nötige Maß hinausgehen könnte.

Hintergrund ist die Neugestaltung der seit vielen Jahren ungenutzten Fläche am Burggraben zu einem Freiluft-Veranstaltungsplatz. Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) wurde kürzlich das von einem ein Landschaftsarchitekturbüro ausgearbeitete Entwicklungskonzept für den Ravelin-Platz vorgestellt. Ein Ziel ist die Wiederherstellung der früher als Kanonenstellplätze genutzten Rampen und Wege auf dem Wall. Von der Ravelin-Bastion aus herrschte vor rund 200 Jahren freier Blick auf die Umgebung.

Nach Barbara Zureks Ansicht orientieren sich die Planer heute zu stark an dem geschichtlichen Vorbild. "Dieser historisierende Ansatz ignoriert auch 200 Jahre in der Stadtentwicklung", so die Grünen-Politikerin. Sie verweist auf den Nutzen der Bäume als natürlicher Lärm- und Sichtschutz zum Bahnhof. Sie appelliert an die Verwaltungsspitze, bei den "Pflegemaßnahmen" nicht zu radikal vorzugehen.

Bedenken äußert auch der Stader BUND: "Park oder Festung?", fragen die Umwelt-Aktivisten. Angesichts der großen Menge der zur Fällung markierten Bäume wittern sie einen drohenden "Kahlschlag". BUND-Vorstandmitglied Silke Hemke sagt: "Fällungen in diesem Ausmaß sind nach unserer Einschätzungen nicht zur Herrichtung eines Festplatzes notwendig. Im Gegenteil. Die Bäume bilden eine hervorragende Kulisse für Veranstaltungen." Und: "Wir wollen, dass die Wallanlagen ein Park bleiben und nicht wieder Festung werden mit möglichst freiem 'Schussfeld'“, so Hemke.

Der Stader Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms sichert ein "maßvolles" Vorgehen zu, wenngleich es zu einer deutlichen Veränderung des Geländes komme. Er habe Verständnis für die Position der Naturschützer, gibt aber zu bedenken, dass der Wall eine künstliche Anlage und kein Wald oder Biotop sei. Der Rückschnitt erfolge im Rahmen der normalen jährlichen Grünpflegemaßnahmen, die vorrangig kranke und morsche Bäume betreffe.

• Am Montagnachmittag trafen sich Politiker und Verwaltungsmitglieder zu einer Ortsbegehung. Mehr zum Thema lesen Sie in einem kommenden WOCHENBLATT.