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Bewohner des Altländer Viertels in Stade setzen auf Streitschlichter

Imam Youssef El-Zein engagiert sich im Viertel als Streitschlichter (Foto: tp)

Blitz-Umfrage im Multi-Kulti-Quartier: Polizeipräsenz könnte einschüchtern und verunsichern

tp. Stade. Mit verstärkter Polizeipräsenz will der frisch gebackene CDU-Ratsherr Nasir Rajput die gefühlte Sicherheit im Altländer Viertel in Stade erhöhen. Wie denken Bürger über den Vorstoß? Das WOCHENBLATT hörte sich in einer Blitzumfrage vor Ort um.

Unschlüssig ist Sona Zakaryan-Dawi, die 15 Jahre im Altländer Viertel wohnte und dort in Containern einen Second-Hand-Laden mit Änderungsschneiderei betreibt: „Ich denke, es ist falsch, die Polizeipräsenz all zu sehr zu verstärken.“ Polizei im Straßenbild könnte Anwohner verunsichern und schlimmstenfalls den Ruf der Gegend schädigen, überlegt die gebürtige Armenierin mit deutschem Pass.

Gelegentliche Polizeistreifen könnte das Sicherheitsgefühl der Viertelbewohner stärken und Einzelne zu Ordnung, Ruhe und Sauberkeit anhalten. Denn nach wie vor komme es zu Ruhestörungen durch laute MusikSona Zakaryan-Dawi beklagt zudem Wildmüll-Ablagerungen am Straßenrand und Diebstahl in ihrem Laden, in dem Kunden aus „mehr als 20 Nationen“ ein- und ausgehen. Doch wie könne das wiederum eine Polizeistreife verhindern, „die auf der Straße auf und ab fährt“?

Eine junge, aus Serbien stammende Mutter, die anonym bleiben will, sagt: „Ich würde mich bei stärkerer Polizeipräsenz sicherer fühlen. Sie habe schon beobachtet, dass Möbel aus den Fenstern flogen. Die jüngsten Ausschreitungen zwischen Libanesen und Kurden empfindet sie „als Katastrophe“.

Der aus dem Libanon stammende Youssef El-Zein, Oberhaupt (Imam) in der At-Tawbah-Moschee im Viertel, ist überzeugt: „Polizeipräsenz kann den Konflikt nicht lösen.“ Der im Viertel als Macher und Kümmerer bekannte Geistliche mit besonnener Wesensart setzt eher auf Gespräche im größeren Kreis. Bei einem Treffen mit Imam El-Zein legten die beiden betreffenden Familien schließlich auch ihren Streit bei.

Neben dem aus der libanesischen Hauptstadt Beirut stammenden Geistlichen nahm der neue Linken-Ratsherr Nusrettin Avci an der vorläufigen Schlichtung der Fehde teil. In der Moschee finden regelmäßig Vermittlungs- und Versöhnungsrunden statt.
El-Zein gibt zu Bedenken, dass Polizei in Uniform die aus Krisen- und Kriegsgebieten stammende Viertelbewohner verunsichern und einschüchtern würde.

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