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"Bürger im Dienst": Stadt Stade will ehrenamtliches Personal aufstocken

Marlies von Pothen am Fischmarkt
 
Seit einem Jahrzehnt engagierte Bürgerin im Dienst: Marlies von Pothen am Stader Fischmarkt (Foto: tp)

Marlies von Poten: "Wir haben viel zur Sicherheit beigetragen"

tp. Stade.Die Politik im neuen Stader Rat will die ehrenamtlichen Ordnungshüter „Bürger im Dienst“ (siehe Infokasten) stärken. Auf Betreiben der Christdemokraten brachte der Ausschuss für Sicherheit jetzt eine Finanzspritze für das Projekt auf den Weg, das schon einzuschlafen drohte.

Die im Haushaltsentwurf 2017 vorgesehenen 11.000 Euro sollen auf 15.000 Euro erhöht werden. Noch mit einem Sperrvermerk versehen sind zusätzliche 15.000 Euro. Der Betrag soll fließen, sobald die Stadt das nötige ehrenamtliche Personal gefunden hat.

Das könnte schwierig werden, denn als die SPD/Grünen-Mehrheit im alten Rat die Mittel um 50 Prozent reduzierte, warfen viele der blau uniformierten, mit Handy, Fotoapparat, und Erste-Hilfe-Päckchen ausgerüsteten Freizeit-Sheriffs beleidigt und frustriert das Handtuch.

Eine "Frau der ersten Stunde" ist Marlies von Pothen (57), die vor einem Jahrzehnt bei der Polizei einen Lehrgang zur Konfliktbewältigung und Kommunikation absolvierte und seitdem bei Rundgängen - vornehmlich abends von 17 bis 23 Uhr - in Begleitung eines Kollegen die Innenstadt zwischen Bahnhof und "Kaufland" durchkämmt und das Ordnungsamt oder die Polizei über Besonderheiten informiert.

"Ich tue das nicht fürs Geld", sagt von Pothen mit Blick auf die schmale Aufwandsentschädigung von sieben Euro pro Stunde. Vielmehr wolle sie zur "gefühlten Sicherheit" beitragen, was ihr nach eigener Schätzung gelungen ist. Die Mutter von drei erwachsenden Kindern bringt pöbelnde Jugendliche, die rauchend und Alkohol trinkend in der Bahnhofshalle rumlungern, zur Räson, begleitet Frauen durchs dunkle und schmutzige Treppenhaus der Parkpalette und meldet den Stadtwerken defekte Straßenlaternen. Busfahrer seien dankbar, wenn sie Falsch-Parken an den Haltestellen verhindere, so von Pothen. Verkäuferinnen in der City seien nach Feierabend - gerade in der dunklen Jahreszeit - froh über die Präsenz der "blauen Cops", berichtet von Pothen, die selbst im Büro einer Immobilienverwaltung arbeitet.

Nicht zuletzt habe sie mit einem ehrenamtlichen Kollegen verhindert, dass sich eine suizidgefährdete, psychisch kranke Frau am Bahnhof auf die Gleise stürzte.
In die weiteren politischen Beratungen über die Bürger im Dienst sollen Ratschläge des Kriminalpräventionsrates und Erkenntnisse der Bürgerbefragung zum Thema Sicherheit einfließen.

"Kultur des Hinsehens"

Die "Bürger im Dienst" starteten im Jahr 2007 als Pilotversuch "Freiwilliger Ordnungs- und Streifendienst" des niedersächsischen Innenministeriums. Nach erfolgreicher Pilotphase wurde 2009 die Fortführung des Programmes in Stade beschlossen. Die Bürger im Dienst bestreifen das Bahnhofsumfeld sowie Straßen, Plätze und Parks im Innenstadtkern. Dabei stehen Sie ihren Mitbürgern als Ansprechpartner zur Verfügung und erteilen Auskünfte an Touristen.

Ziel ist es, durch ihre Präsenz das subjektive Sicherheitsgefühl zu steigern und eine "Kultur des Hinsehens" zu fördern. Mit hoheitlichen Befugnissen sind die Freiwilligen nicht ausgestattet. Sie verfügen über die sogenannten "Jedermann-Rechte", und greifen in schwierigen Situationen auf die Unterstützung der Polizei zurück.