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Bürgermeisterwahl in Stade: So tickt der "nette" Herr Hartlef

So wie hier im Rahmen der Ortskernsanierung kennen ihn die Bützflether: Sönke Hartlef werden gute Chancen eingeräumt, im nächsten Jahr Sylvia Niebers Stuhl im Rathaus einnehmen zu können (Foto: archiv)
Ein Jahr vor der Bürgermeister-Wahl in Stade: WOCHENBLATT-Interview mit dem CDU-Kandidaten Sönke Hartlef, Herausforderer von Sylvia Nieber (SPD)

(bc). Seit gut einer Woche steht fest: Bützfleths Bürgermeister Sönke Hartlef (55, CDU) fordert die Amtsinhaberin Sylvia Nieber (SPD) bei der Stader Bürgermeisterwahl im Mai 2019 heraus. Das WOCHENBLATT hat mit dem CDU-Kandidaten Hartlef, der bislang mehr durch seine moderaten und durchaus höflichen Umgangsformen, weniger für knallharten Wahlkampf in Erscheinung getreten ist, rund ein Jahr vor der Wahl gesprochen. So tickt der "nette" Herr Hartlef!

WOCHENBLATT: Seit zehn Jahren sind Sie erfolgreicher Bürgermeister der Ortschaft Bützfleth. Mussten Sie lange überredet werden, das Ehrenamt mit dem hauptamtlichen Posten eines Verwaltungschefs eintauschen zu wollen?

Sönke Hartlef: Es musste mich niemand überreden, als es jetzt um die Frage ging, für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters zu kandidieren. Nebenberuflich engagiere ich mich bereits seit vielen Jahren in unserer und für unsere Stadt. Es ist eine große Ehre für mich – aber auch eine große Herausforderung, der ich mich gerne stellen möchte.

WOCHENBLATT: Was hat Ihre Familie zur Kandidatur gesagt?

Von meiner Familie erhalte ich die volle Unterstützung. Das ehrenamtliche, zeitintensive Engagement in vielen Bereichen ist schon lange ein fester Bestandteil unseres Lebens.

WOCHENBLATT: Was wollen Sie besser machen als die Amtsinhaberin?

Die Bürgermeisterin bzw. der Bürgermeister dieser Stadt ist Verwaltungschef(in) aber auch der Vertreter(in) aller Interessen der Bürgerinnen und Bürger. Dieser zweite Teil ist mir in der Vergangenheit zu kurz gekommen. Absolute Bürgernähe schafft Vertrauen und ist mir sehr wichtig.

WOCHENBLATT: Wenn Sie sich selbst beschreiben müssten in drei Wörtern, welche Eigenschaften bringt der Kandidat Hartlef mit?

Bürgernah, diplomatisch, pragmatisch.

WOCHENBLATT: Als Bützflether Bürger und umso mehr als Bürgermeister hat man eine besondere Beziehung zur Industrie: Beschreiben Sie Ihr Verhältnis zu den Unternehmen auf Bützflethersand.

Zu den Werksleitungen der Bützflether Industriebetriebe habe ich als Ortsbürgermeister ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis. Dem Dow-Bürgerberatergremium gehöre ich seit vielen Jahren an. Trotz vorbildlich hoher Sicherheitsstandards gilt es dennoch wachsam zu sein und im Sinne eines nachbarschaftlichen Miteinanders stets auf Missstände hinzuweisen. Wirtschaftlich sehe ich natürlich 2.000 attraktive direkte und viele indirekte Arbeitsplätze, die seit über vier Jahrzehnten zum Wohlergehen unserer Stadt beigetragen haben.

WOCHENBLATT: Die dort geplante Müllverbrennungsanlage stinkt vielen Bürgern im wahrsten Sinne des Wortes. Können Sie Hoffnung machen, dass die Bürger von diesem "Müllmeiler" verschont werden?

Für das Genehmigungsverfahren der Ersatzbrennstoffanlage habe ich kein Verständnis. Außer dem Betreiber will diese Anlage niemand und sie hat mit der ursprünglichen innovativen Idee von vor über zehn Jahren nichts gemeinsam. Persönlich hoffe ich, dass die Gerichte die Inbetriebnahme der Anlage noch stoppen.

WOCHENBLATT: In Sachen Strabs haben Sie sich ja schon positioniert. Sie wollen versuchen, die Straßenausbau-Beitragssatzung abzuschaffen. Müssen Sie Ihre Parteikollegen nun noch von dieser Position überzeugen? Bisher war die CDU in Stade für eine Beibehaltung der Strabs.

Ich halte die Strabs weiterhin für unsozial und nicht ausgewogen. Bei Straßen, die von allen genutzt werden können, sollte ähnlich wie bei anderen staatlichen Einrichtungen, das Solidarprinzip gelten. Die Kommunalpolitische Vereinigung der CDU fordert, den § 6 des Niedersächsischen Kommunalabgabengesetzes, der den Kommunen die Möglichkeit gibt solche Beiträge zu erheben, zu streichen. Ausgleichszahlungen des Landes sollen diese Lücke schließen.

WOCHENBLATT: Der Stader Haushaltsplan ist derart proppevoll, die Finanzsituation extrem angespannt: Müssen Sie als gelernter Kaufmann nicht die Befürchtung haben, falls Sie gewählt werden, die angeschobenen Projekte nur managen zu können anstatt selbst zu gestalten, da das Geld fehlt.

Da ich die entscheidenden Projekte im Stader Rat in den letzten sieben Jahren mit verabschiedet habe, freue ich mich auf deren Umsetzung. Auch in angespannten Finanzlagen muss der Bürgermeister gestalten – gefragt sind dann kreative und innovative Lösungen, die den Haushalt so wenig wie möglich belasten

WOCHENBLATT: Ein großes Thema in Stade ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum: Was können Sie dazu beitragen, dass dies schneller gelingen kann als derzeit?

Dass es dafür keine einfachen Lösungen gibt, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Nachverdichtung, wo es möglich und gewollt ist, wäre ein gangbarer Weg. Auch weitere Modellprojekte, ähnlich dem in Riensförde, kann ich mir vorstellen.

WOCHENBLATT: Sie haben sich sehr in der Flüchtlingshilfe engagiert, meines Wissens nach auch selbst Asylbewerber bei sich zu Hause aufgenommen: Wie läuft die Integration in Stade? Gut oder noch Luft nach oben?

Die städtische Abteilung Soziale Hilfen und Integration leistet hervorragende Arbeit bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Ohne die großartige ehrenamtliche Unterstützung in unserer Stadt wäre es allerdings nicht zu bewerkstelligen gewesen.
Die Integration insbesondere durch Sprachkurse voranzutreiben, war mir als Bützflether Ortsbürgermeister besonders wichtig und alternativlos. Dass in diesem Bereich in der Vergangenheit einiges schiefgelaufen ist, zeigt die Tatsache, dass es Mitbürger(innen) gibt, die seit Jahrzehnten unter uns leben, aber unsere Sprache nicht sprechen.

WOCHENBLATT: Was entgegnen Sie Ihren Kritikern, Sie hätten keine Verwaltungserfahrung, um ein Rathaus mit mehreren hundert Mitarbeitern leiten zu können?

Ich bin seit 2010 Ortsbürgermeister und habe in dieser Funktion und auch als Ratsherr praktisch täglich mit der Stadtverwaltung zu tun. Glauben Sie mir, durch diese jahrelange Arbeit kann ich mir ein gutes Bild über die Arbeit im Rathaus machen und sehe, wo es Optimierungsbedarf gibt.

WOCHENBLATT: Sie gelten als Mann der leisen, moderaten und sachlichen Töne: Können Sie auch anders?

Ich überzeuge durch Argumente. Lautstärke spielt da keine Rolle, denn wer laut ist, hat nicht automatisch Recht. Führungskraft und Teamfähigkeit sind für mich kein Widerspruch.

WOCHENBLATT: Wie wird Ihr Wahlkampf aussehen? Wie wollen Sie sich in Stade bekannter machen?

Durch meine Aufgaben als Erster Stellvertretender Bürgermeister der Hansestadt Stade bin ich vielen Bürgerinnen und Bürgern bekannt. Außerdem nehme ich gerne an Veranstaltungen aller Art in unserer Stadt teil. Trotzdem wartet ein intensiver Wahlkampf, mit vielen Besuchen bei Vereinen, Verbänden, Institutionen, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürgern auf mich, auf den ich mich sehr freue.