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"Business Improvement District": Es geht nur gemeinsam

Die Große Schmiedestraße könnte von einem sogenannten Business Improvement District (BID) profitieren. Hier herrscht häufig Leerstand (Foto: tp)
bc. Stade. Business Improvement Districts (BID) - auch eine Idee für Stade? Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD) mitsamt ihrer Rathaus-eigenen Wirtschaftsschaftsförderung sprechen sich dafür aus. Wohlwissend, dass die Anfangsinitiative nur von Immobilieneigentümern selbst ausgehen kann.
„Richtig gemacht, gibt es Eigentümern und Einzelhändlern Instrumente an die Hand, ihr Quartier gemeinsam voranzubringen“, erklärt Nieber. Nur eine attraktive Innenstadt könne im Wettbewerb mit dem Onlinehandel überleben. Eine Stadtverwaltung sei dazu allein nicht in der Lage, so Nieber.
Zwar werden in BIDs Investitionen erforderlich sein, doch durch die gemeinschaftlichen Aktivitäten seien diese oft effizienter. Bislang gebe es kaum eine Möglichkeit, diejenigen ins Boot zu holen, die zwar davon profitieren, dass die öffentliche Hand und die Nachbarn investieren, aber selbst nicht bereit waren, ihren Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten, argumentiert Nieber.
Auch in Stade gibt es in der Innenstadt immer weniger Einzelhändler, denen gleichzeitig die Gewerbeimmobilie gehört. Oft stehen undurchsichtige Fonds oder andere Gesellschaften hinter den Gebäuden. Alleine schon die Suche nach einem Ansprechpartner ist dabei extrem ermüdend. Nieber: „Mit einem BID-Gesetz wäre es leichter, einen finanziellen Beitrag von Trittbrettfahrern zu erhalten.“
Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Weihnachtsbeleuchtung in Stade, die 2014 auf Initiative der Standortgemeinschaft „Aktuelles Stade“ installiert wurde. Bei Weitem nicht alle Unternehmen in der Stader Innenstadt beteiligten sich an der Finanzierung. Erfahrungsgemäß ist es meist schwer, von großen Filialisten Geld zu bekommen. Bei der Weihnachtsbeleuchtung gab die Stadt für jeden privat aufgebrachten Euro einen Euro aus öffentlichen Mitteln dazu.
Auch bei einem BID-Gesetz müsse die Stadt mit im Boot sein, findet Wolfgang Drusell, Vorsitzender von „Aktuelles Stade“: „Die Kräfte müssen gebündelt werden.“ Drusell, selbst Geschäftsführer eines Reisebüros und Immobilienbesitzer in der Hökerstraße, kann sich ganz persönlich kleine BID-Quartiere in Stade vorstellen. Nicht unbedingt in der Hökerstraße, sondern zunächst entlang der Großen Schmiedestraße, die häufig von Leerstand gebeutelt ist, und an der Kehdinger Straße - die Verbindung von „Kaufland“ zum Fischmarkt. Ralf Trabandt („Eisen Trabandt“), Vize-Präsident der IHK Stade, war anfangs ein Skeptiker von BIDs. Mittlerweile hat sich seine Meinung gedreht. „In Stade passt der freiwillige Ansatz aufgrund der Struktur nicht überall. Ein Zwangsbeitrag wäre vielleicht gar nicht schlecht.“ BIDs seien aber kein Allheilmittel.
Wie berichtet, bereitet die Verwaltung derzeit die Gründung eines City-Managements vor, in dessen Zug später ein Stadtmarketing installiert werden soll. Beide Säulen, Stadtmarketing und BID, könnten hervorragend miteinander verknüpft werden, so Stades Wirtschaftsförderer Thomas Friedrichs. Die Zielformulierungen von Stadt und Wirtschaft seien sich sehr ähnlich.
Mit einem BID-Gesetz habe man endlich die Möglichkeit, Eigentümer direkt anzusprechen. Die Mieten seien immerhin hoch genug, sagt Kaufmann Günter Duderstadt, Seniorchef von „Foto Schattke“ am Pferdemarkt. Genug Geld sollte vorhanden sein.
Kein Eigentümer könne daran interessiert sein, dass Innenstädte veröden, so Markus Pfeffer, BID-Manager aus Gießen: „Wenn sein Laden leer steht, bekommt der Eigentümer gar nichts.“




Der Weg zu einem BID


(bc). Um ein Business Improvement District (BID) zu gründen, muss ein Aufgabenträger - das kann ein externes Büro oder die lokale Werbegemeinschaft sein - einen Antrag stellen. Zuvor sollten sich Initiatoren, bestenfalls ein Mix aus Eigentümern und Händlern, die die gleichen Ziele verfolgen, zusammenschließen, um sich in einem Lenkungsausschuss auf ein Maßnahmen- und Finanzierungskonzept zu verständigen und das BID-Gebiet abzugrenzen. Um den Antrag zu stellen, müssen mindestens 15 Prozent der Grundeigentümer grünes Licht signalisieren. Damit ein BID offiziell eingerichtet wird, dürfen nicht mehr als ein Drittel der Immobilienbesitzer widersprechen. Das Budget eines BID darf maximal zehn Prozent der Gesamtsumme der Einheitswerte des Gebiets betragen. Ein BID wird für maximal fünf Jahre eingerichtet, es kann Folge-BIDs geben.
Beispiel Tibarg in Hamburg-Niendorf: Dieses BID gibt es bereits seit zehn Jahren. Es hat mit einem Hebesatz von 8,6 Prozent und 36 beteiligten Eigentümern ein Budget von 1,75 Mio. Euro für fünf Jahre zur Verfügung. Damit wurde in der 600 Meter langen Fußgängerzone u.a. ein Marktplatz umgestaltet, ein Spielplatz angelegt, ein Brunnen gebaut und die Weihnachtsbeleuchtung angeschafft. Die Maßnahmen brachten den gewünschten Erfolg. Die Passanten-Frequenz erhöhte sich, ebenso die Mietnachfragen und das Mietniveau.