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Containerburg für Seminare in Stade

Bei Gruppenbuchungen wird es derzeit eng in den Jugendherberge: Die vier Seminarräumen und der angrenzende kleinere Gruppenraum (oben re.) werden multifunktional - zum Speisen und für Lehrgänge - genutzt tp/Deutsches Jugendherbergswerk Stade/Rolf Brandt (Foto: tp/Deutsches Jugendherbergswerk Stade/Rolf Brandt)
 
Die Stader Jugendherberge

Nutzungskonflikt: Behelfsbehausung für 350.00 Euro soll Platznot in der Jugendherberge lindern

tp. Stade. Die Jugendherberge in Stade genießt einen guten Ruf - nicht nur bei Schulklassen. Immer öfter nutzen auch Erwachsenen-Gruppen die Herberge für Seminare. Doch das führt wegen Raumnot zu Nutzungskonflikten und Einnahmeeinbußen. Als Lösung führt Rolf Brandt, ehrenamtlicher Vorsitzender des Jugendherbergswerks in Stade, jetzt eine Container-Lösung ins Feld. Im Ausschusses für Kultur, Tourismus und Freizeit, der in der vergangenen Woche auf SPD-Antrag über das Thema beriet, stieß er mit seiner Idee auf offene Ohren.

Das Gebäude und das Grundstück gehören der Stadt, Betreiber ist per Vertrag das Jugendherbergswerk, dessen Vertreter Brandt nun den bereits im Jahr 2013 geäußerten Wunsch nach einer Expansion erneut öffentlich äußerte. Laut Rolf Brandt gibt es derzeit einen kleinen Gruppenraum und vier größere, multifunktionale Tagesräume, die auch als Speisesaal genutzt werden. Wenn sich jedoch eine größere Gruppe mit etwa 50 Personen für ein Tagesseminar anmeldet, muss die Jugendherberge einer weiteren Gruppe absagen, da für sie dann kein Speiseraum mehr zur Verfügung steht. Bei einer Seminarbelegung stünden deshalb teils mehr als die Hälfte der insgesamt 139 Betten leer. "Für 2018 stornierte eine Stammgruppe bereits 850 Übernachtungen", ergänzt Brandt. "Eine weitere Anfrage einer Gruppe für zwei Übernachtungen mit 55 Personen im kommenden März musste abgelehnt werden." Das laufe den Bestrebungen des Jugendherbergswerkes zuwider, die Gästezahl von jetzt 17.000 auf mehr als 20.000 pro Jahr zu steigern.

Nach Rolf Brandts Vision könnte eine neue oder gute gebrauchte Containerbehausung mit zwei Seminarräumen auf dem jetzigen, nur noch selten genutzten Volleyballfeld errichtet werden. Sein Vorhaben traf bei den Fraktionen und bei Bürgermeisterin Silvia Nieber insgesamt auf positive Resonanz. Im Ausschuss herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass die nahe der Altstadt gelegene Jugendherberge der Gastronomie und dem Einzelhandel in der City einen Gäste- und Kundenzulauf bringe.

Der Ausschuss empfahl, die auf 350.000 Euro geschätzte Investition in den Haushalt 2018 zu einstellen - allerdings mit einem Sperrvermerk. Geld soll erst freigegeben werden, wenn die Pläne konkreter sind.

Zum Vergleich: Ein Massivbau, von dem das Herbergswerk aus Kostengründen bereits vor Jahren Abschied nahm, würde nach Brandts Angaben mit etwa 750.000 Euro zu Buche schlagen. Das Jugendherbergswerk selbst könne wegen anderweitiger hoher Ausgaben nur Geld für die Innenausstattung beisteuern. Rund 350.000 Euro kostet nach Schätzungen die vom Herbergswerk gewünschte Containerburg zum Seminarbetrieb an der Stader Jugendherberge. Angesichts der vielen weiteren Haushaltsposten und der hohen Neuverschuldung wird es das Projekt schwer haben, die kritische Prüfung im Finanzausschuss zu überstehen.

Moment mal: Schlachthof oder Stadeum nutzen

Nicht nur für den Fall, dass der ohnehin nur einige Jahre haltbare Seminar-Container bei sparsamen Finanzpolitikern durchfällt, sollten preisgünstigere Alternativen geprüft werden, wie die Nutzung von Räumen im Kulturzentrum Alter Schlachthof, im Stadeum oder in der Seminarturnhalle. Diese Einrichtungen sind zu Fuß von der Jugendherberge aus erreichbar.
Thorsten Penz