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"Das Bedauern kommt nicht rüber"

Szene vom Prozess-Auftakt: Der Angeklagte betritt mit seinen beiden Anwälten der Gerichtssaal

Sittensen-Prozess: Anwalt kritisiert späte Reue des Angeklagten (80) / Polizisten im Zeugenstand

tp. Stade. Unter eingeschränkten Bedingungen hat die 2. Große Stramkammer des Landgerichts Stade am vergangenen Mittwoch den Totschlag-Prozess gegen den Rentner* (80) aus Sittensen fortgesetzt, der im Dezember 2010 bei einem Bandenüberfall einen jugendlichen Räuber (16) auf der Flucht erschossen hatte (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach). Es sagten drei Polizisten aus Rotenburg aus.

Die Gerichtsverhandlung war aufgrund des angeschlagenen psychischen und körperlichen Zustands des Angeklagten von der Kammer auf vier Stunden begrenzt worden. Der vom Gericht beauftragte Psychiater Dr. Harald Schmidt war anwesend.

Laut Gerichtssprecherin Petra Baars ließ sich ein Familienangehöriger des Getöteten über seinen Anwalt zu dem Fall ein. Er äußerte seine Enttäuschung darüber, dass der Angeklagte sein Bedauern über die Geschehnisse erst zum Prozessauftakt Ende April geäußert habe. Dem Statement, so Baars, hätten sich weitere Nebenkläger-Vertreter angeschlossen. Baars: "Das Bedauern kommt bei ihnen nicht rüber."

Anhand der Berichte der Polizisten auf dem Zeugenstand und diverser Tatort-Fotos versuchte die Kammer sich ein Bild vom Ort des Geschehens zu machen. Unter anderem geht es um zwei auf dem Anwesen des Rentners gefundene Waffen.

Die Tatwaffe, mit der der Angeklagte auf die Räuberbande schoss und durch die der 16-Jährige zu Tode kam, fand die Polizei mit leerem Magazin im Schlafzimmer des Rentners. Zudem geht es um eine Gaspistole, die die Räuber bei sich getragen haben sollen. Diese Waffe wurde erst eine Woche nach der Tatnacht auf dem Grundstück des Angeklagten gefunden. Dieses Detail ist wichtig, da der 80-Jährige erst geschossen haben will, als er einen Schuss aus dieser Waffe gehört habe. Seine Anwälte gehen von Notwehr aus.

• Der Prozess am Mittwoch, 14. Mai, um 9.15 Uhr fortgesetzt. Es werden weitere Polizisten angehört.