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"Das zeugt nicht von Bürgernähe": Landkreis schafft Umweltkalender ab

Die Abfall-Infobroschüre (re.) ersetzt den Umweltkalender Foto:jd
jd. Stade. Er gehörte genauso zum Jahreswechsel wie Berliner, Böller und Bleigießen: Der Umweltkalender des Landkreises landete bislang immer in den Tagen um Silvester in den Briefkästen. Doch diesmal ist alles anders: Der bewährte Kalender wurde durch eine wesentliche dünnere Broschüre ersetzt, die jetzt "Abfall-Info" heißt. Das hat in den vergangenen Tagen gerade bei älteren Bürgern für reichlich Verwirrung gesorgt: Sie warteten vergeblich auf ihren Umweltkalender. Die neue Broschüre wird nämlich nicht mehr an die Haushalte verteilt.

"Wann erhalte ich endlich den Umweltkalender?" - Diese Frage richteten Anrufer auch ans WOCHENBLATT. Es waren überwiegend ältere Leser, die sich nach dem liebgewonnenen Kalender erkundigten. Das bunt bebilderte Druckwerk mit seinen Monatsblättern hing in vielen Küchen, war augenscheinlich sehr beliebt.

Doch in der neuen Abfall-Broschüre fehlt der Kalenderteil. "Es kann nicht originäre Aufgabe des Landkreises sein, einen Kalender herauszugeben", erklärt dazu der Leiter des Umweltamtes, Heiko Köhnlein. Er gehe davon aus, dass die Kalender bei vielen Haushalten ohnehin gleich im Altpapier landen, so Köhnlein: "Ich würde ihn mir jedenfalls nicht an die Wand hängen."

Köhnlein weist darauf hin, dass die Abfall-Broschüre im Internet zum Download bereit steht: „Es liegt nun einmal im Trend, solche Dienstleistungen online anzubieten."
Aber im Trend zu liegen, muss nicht immer bürgerfreundlich sein: Wer keinen Internet-Anschluss hat - und das sind überwiegend Senioren -, kann sich die gedruckte Version zwar in den Rathäusern abholen. Doch denjenigen, die nicht mehr so mobil sind und zudem auf dem Lande wohnen, hilft das wenig. Sie kommen nicht ohne weiteres an die Abfall-Infos wie etwa die Müllabfuhr-Termine heran.

Köhnlein räumt ein, diesen Personenkreis ein wenig außer Acht gelassen zu haben. Doch die Abschaffung des Kalenders sei eine Vorgabe der Verwaltungsspitze gewesen, so Köhnlein. Mit anderen Worten: Die Ansage stammt direkt von Landrat Michael Roesberg. Bei der Entscheidung dürfte auch die Kostenfrage eine Rolle gespielt haben: Im Vorjahr hat der Landkreis für die Herstellung und den Vertrieb des Kalenders 72.000 Euro ausgegeben. In diesem Jahr betragen die Kosten für die Broschüre nur 12.000 Euro.

Doch der Aspekt der Kostenersparnis zieht nicht bei allen als Argument: "Es zeugt nicht von Bürgernähe, wenn die Kreisverwaltung ein bewährtes Angebot einfach einstellt", sagt Heino Baumgarten, SPD-Fraktionschef im Kreistag. Den Kommunalpolitikern vor Ort sei massive Kritik zu Ohren gekommen. Die Bürger dürften zu Recht erwarten, dass "Serviceleistungen wie die Bekanntgabe der Abfuhrtermine barrierefrei zugänglich gemacht werden."

Baumgarten moniert außerdem, dass die Politik vorher nicht von der Verwaltung informiert wurde. So etwas dürfe sich nicht wiederholen, so Baumgarten in seinem Schreiben an Landrat Roesberg. DIe SPD fordert ihn auf, dafür Sorge zu tragen, dass Planungen dieser Art künftig in den zuständigen Fachausschüssen behandelt werden: "Es kann nicht sein, dass den Mitgliedern des Kreistages ein solches Thema erst über die Kritik der Bürger bekannt wird."