Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Deko-Kahlschlag auf dem Gottesacker

Claudia Büttner fand den Blumenstab vom Grab ihrer Mutter zwischen Dutzenden Deko-Gegenständen, die Friedhofsgärtner abgeräumt hatten

Ton-Vögel, Herzen, Blumenhalter und Co. abgeräumt: Trauernde geschockt / Satzung zu streng?

tp. Stade. "Ich war schockiert", sagt Claudia Büttner (50). Beim Besuch des Grabes ihrer Mutter auf dem städtischen Geestberg-Friedhof in Stade fiel sie kürzlich aus allen Wolken: Sämtliche Dekoration, mit der Hinterbliebene die letzte Ruhestätte der im vergangenen Jahr verstorbenen Helga Büttner (†77) verziert hatten, war verschwunden.

Betroffen von der nach Claudia Büttners Angaben unangemeldeten und aus ihrer Sicht zu radikalen Aktion der Friedhofsverwaltung war ein Feld mit mehr als 100 Gräbern, von denen laut Claudia Büttner zuvor gut ein Drittel individuell mit Keramik-Herzen, kleinen Metallkreuzen, Muscheln, Engeln, Kunststoffblumen, gerahmten Bildern und Co. dekoriert waren. Die Stadt beruft sich auf Verträge.

Auf Wunsch der Verstorbenen ließ die Familie Helga Büttners Leichnam nach ihrem Tod um August 2013 auf dem Feld mit halbanonymen Einzelgrabstätten einschließlich flachem Grabstein (Kissenstein) und 25 Jahre Rasenpflege beisetzen. Sowohl im Kaufvertrag als auch in der städtischen Friedhofssatzung ist als Schmuck der grasbewachsenen Gräber lediglich eine Vase mit Blumen erlaubt.

Doch weiterer Schmuck wurde offenbar über Jahre geduldet. Denn bei der Aufräum-Aktion trugen die Friedhofsgärtner der Kommunalen Betrieb Stade (KBS) mehrere Dutzend Deko-Gegenstände zusammen, die sie neben dem Friedhofsbüro deponierten. Dort fand Claudia Büttner auch ihren Blumenstab mit Pflanztopf wieder. Verschwunden sind Tonvögel, die eine Cousine für die Verstorbene getöpfert hatte. Eine weitere Hinterbliebene beschwerte sich über die Entfernung einer bronzenen Rose vom Grabstein.

"Die meisten Hinterbliebenen" hätten "verständnisvoll" auf das Abräumen der Gegenstände reagiert, sagt Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms. Er verweist auf das den Vertragsnehmern bekannte Ziel eines einheitlichen Erscheinungsbildes der Grabanlage und auf die von den Hinterbliebenen bewusst gewählte kostengünstige Bestattungsart (Urne 1.311 Euro, Erdbestattung 1.989 Euro). "Diese niedrigen Gebühren sind möglich, weil die gesamte Fläche gemäht und die Kissensteine maschinell gesäubert werden. Sämtliche Gegenstände stören den Ablauf und erhöhen die Kosten", so Schröder-Doms.

Aus Claudias Büttners Sicht ist die Deko-Sperre nicht mehr zeitgemäß. Sie appelliert an die Stadt, die Auflagen auch für Schlichtgräber zu lockern. Laut Stadtbaurat Schröder-Doms ist die Stadt dagegen: "Das wollen wir nicht."