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"Den Dow-Standort in Stade stärken"

Lars Kolk, Stader Stadtbaurat ab Januar 2016 (Foto: tp)
 
Amtsübergabe mit Gratulation Blumen: Lars Kolk und sein Vorgänger Kersten Schröder-Doms (li.) (Foto: tp)

WOCHENBLATT-Interview mit dem neuen Stadtbaurat Lars Kolk: "Innenstadt ist das Aushängeschild für Shopping und Tourismus" / "Kurze Wege" sind das Ziel

tp. Stade. Architekt und Stadtplaner Lars Kolk (43), bislang Chef-Planer der kreisfreien Stadt Emden, ist neuer Stadtbaurat in Stade. Mithilfe eines von der Stadt beauftragten Personaldienstleisters ("Headhunter") gelang die Besetzung der Stelle des aus Altersgründen ausgeschiedenen Stadtbaurates Kersten-Schröder Doms (67) im zweiten Anlauf. Welche Ziele verfolgt der neue Spitzenverwaltungsbeamte, der seinen Posten im Januar antritt? Lars Kolk im Interview mit dem WOCHENBLATT:
Wo liegen die Perspektiven der Stadt?
Lars Kolk: Die Stadtentwicklung sollte auf drei Säulen aufbauen. Erstens: Zuwanderung durch Schaffung weiterer Arbeitsplätze, Verbesserung der Verkehrsanbindung und Bestandspflege von Unternehmen. Zweitens: Integrierte Quartiersentwicklung durch Anpassung des Wohnraums an eine sich wandelnde Nachfrage wie mehr Ein- und Zwei-Personenhaushalte, energetische Sanierung, behutsame Nachverdichtung und Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Wohnungswirtschaft bei einer sozialverträglichen Umsetzung über Förderprogramme. Drittens: Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Schaffung einer attraktiven Betreuungslandschaft mit dem Ziel, insbesondere Mütter als qualifizierte Fachkräfte in den Arbeitsmarkt einzubinden.
WOCHENBLATT: Stade hat mit den Gewerbegebieten Stade-Süd und Steinkamp "grüne Wiesen" sowie wachsendes Gewerbe am Kreisel Freiburger Straße - wie beurteilen Sie die Entwicklung und Gewichtung im Verhältnis zu der um Kunden kämpfenden Innenstadtkaufmannschaft?
Kolk: Zu einer attraktiven Stadt gehört in Zeiten einer alternden Gesellschaft eine wohnortnahe Nahversorgung. Umgekehrt ist es zwingend erforderlich, die Innenstadt als Aushängeschild für Shopping und Tourismus vor Konkurrenz auf der „grünen Wiese" zu schützen. Stade hat die Entwicklung auf Grundlage eines Einzelhandelskonzepts bislang ausgewogen gesteuert.
WOCHENBLATT: Der Altstadtkern verliert zunehmend historische Bausubstanz: Jüngst wurde an der Hökerstraße ein ehemals denkmalgeschütztes Gebäude aus für einen Neubau abgerissen: Wie wichtig ist für Sie der Erhalt historischer Substanz für Stade?
Kolk: Unabhängig von diesem Einzelfall gilt, dass das historische Stadtbild maßgeblich zur hohen Attraktivität der City als Wohn-, Handels- und Erlebnisraum beiträgt und weitestgehend zu erhalten ist. Dies schließt Neubauten in Einzelfällen nicht aus. Ich befürworte eine moderne, regionaltypische Architektur, die sich in das Stadtbild einfügt.
WOCHENBLATT: Ihr Vorgänger Bewerber-Favorit wurde von der Bürgermeisterin abgelehnt - dem Vernehmen nach wegen seiner "Grünen" Vergangenheit. Wie beurteilen Sie das Bauprojekt Kohlekraftwerk des großen Arbeitgebers Dow? Nach eigener Bekundung ist ihnen Stade auch wegen der guten Luft als Wohnstandort sympathisch. Kraftwerks-Kritiker warnten vor Gesundheitsrisiken. Geraten Sie in einen Konflikt?
Kolk: Die rot-grüne Landesregierung hat auf der Ebene der Landesraumordnung den Zulässigkeitsmaßstab für Großkraftwerke verbindlich festgelegt; hiernach sind ausschließlich solche Kohlekraftwerke im Verbund mit Kraft-Wärme-Kopplung zulässig, die nicht als Grundlastkraftwerke betrieben werden, einen energetischen Gesamtwirkungsgrad von mindestens 55 Prozent aufweisen und zur Deckung industrieller Prozesse dienen. Alle Voraussetzungen werden meines Wissens seitens der Dow erfüllt. Ich halte es für ein fatales Signal für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen, wenn nach Belieben Rahmenbedingungen für die energieintensive Wirtschaft in die eine oder andere Richtung geändert werden. Im Sinne einer verlässlichen Standortpolitik unterstütze ich die Bürgermeisterin in ihrem Bemühen, den Standort von Dow in Stade zu erhalten und zu stärken.
WOCHENBLATT: Stade soll wachsen und errichtet das Neubaugebiet Riensförde. Wohin möchten Sie die Wohnentwicklung lenken?
Kolk: Ziel der Stadtentwicklungspolitik muss es sein, über arbeitsplatzbedingte Zuwanderung weiteren Zuzug zu generieren, um die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung zu kompensieren und eine Marke von 50.000 Einwohnern zu erreichen. Inwiefern hierzu weitere Baugebiete erforderlich werden, kann ich noch nicht beantworten. Gleichwohl muss der Weiterentwicklung eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden; hierzu zählt vor allem die Attraktivitätssteigerung des Wohnumfeldes unter Berücksichtigung einer alternden Gesellschaft und die behutsame Nachverdichtung, um dem Leitbild der „Stadt der kurzen Wege“ zu entsprechen. Voraussetzung für eine sozialverträgliche Wohnraumentwicklung ohne Anstieg der Mietpreise wird sein, weiterhin Fördermittel zu akquirieren.
WOCHENBLATT: Sie treten in die großen Fußstapfen des langjährigen Stadtbaurates Kersten Schröder-Doms. Was hat er richtig und gut gemacht, wo bieten Sie "frischen Wind"?
Kolk: Mein Vorgänger hat erkennbar sehr viel sehr gut gemacht. Frischen Wind gibt es immer bei Personalwechseln – wo und wie werden wir alle sehen…