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"Der richtige Platz ist der Ratssaal"

"Die Intarsie gehört in den historischen Ratssaal", sagt Kunstfreund Dieter Kunze
 
Die Intarsie zierte drei Jahrzehnte den Ratssaal (Foto: Stadtarchiv Stade)

Kunstfreund Dieter Kunze (74) kritisiert Demontage einer kostbaren Intarsie aus dem Rathaus

tp. Stade. Irritation hat die Demontage eines Kunstwerkes im Rathaus von Stade ausgelöst. Bei Umbauten im historischen Ratssaal ließ die Verwaltungsspitze die aus sechs Holztafeln bestehende, 9,80 Meter breite und 2,35 Meter hohe Intarsie des Künstlers Hans Georg Müller (89) von der Wand nehmen und lagerte sie auf dem Dachboden des Rathauses ein. Kunstfreund Dieter Kunze (74) kritisiert die aus seiner Sicht eigenhändige Maßnahme der Verwaltung.
Die kostbare Einlegearbeit besteht aus 80 Holzarten und zeigt die Silhouette der Stadt Stade. Hans Georg Müller, Enkel des berühmten Worpsweder Künstlerpaares Heinrich und Martha Vogeler, fertigte die Intarsie vor 30 Jahren im Auftrag der Stadtsparkasse Stade (heute Sparkasse Stade-Altes Land). Das Geldinstitut stellte sie der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung. Bis zum Sommer zierte das Panorama, das neben Traditionellem wie den Altstadtkirchen, einen Geestrücken und das Alte Land auch Modernes wie Dow und Strommasten zeigt, die Stirnwand des Ratssaals. Doch bei der ersten Ratssitzung nach der Sommerpause war der Blickfang verschwunden.
Die Stadt nennt Platzgründe für den Schritt. Es wurde eine Fläche für Beamer-Projektionen geschaffen. Zudem hält man die Ansicht für nicht mehr zeitgemäß. Die abgebildeten Saline und das Kernkraftwerk sind Geschichte.
Enttäuscht ist Dieter Kunze. Der Vize-Vorsitzende des Stader Kunstvereins war langjähriges Mitglied des Gestaltungsbeirats der Stadt und zugewähltes Mitglied im Kulturausschuss. Er machte mit der Rettung des vom Abriss bedrohten Reliefs des Altländer Künstlers Richard Eggers in Bützfleth von sich reden. Kunze meint: „Es ist nicht in Ordnung, wenn die Verwaltung einfach die Intarsienwand abbaut, ohne die Politiker zu befragen.“ Aus seiner Sicht ist der Ratssaal „der einzig richtige Platz für das Kunstwerk“.
Die Stadt hat andere Pläne: Die Verwaltung diskutiere verschiedene öffentlichkeitswirksame Anbringungsorte für die „sehr geschätzte qualitätvolle Arbeit“, sagt Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms. Als Ausstellungsort wurden Schulen ins Auge gefasst.
„Der renovierte Saal war eine Überraschung. Und die Intarsie wurde von einigen Fraktionsmitgliedern vermisst“, sagt SPD-Fraktionschef Kai Holm. „Wenn sich ein repräsentativer Ort an Schulen fände, würde ich das begrüßen.“
„Dass die Intarsie abgenommen wurde, hat bei einigen Mitgliedern der CDU zu Kritik geführt. Andere begrüßen das neue Erscheinungsbild des Ratssaales. Wir gehen davon aus, dass uns die Verwaltung vor einer weiteren Verwendung der Intarsie informiert“, so CDU-Fraktionsvorsitzende Kristina Kilian-Klinge
Reinhard Elfring, Grünen-Fraktionsvorsitzender: „Die Sanierung war zwar mit dem Rat abgestimmt, über den Abbau der und Verbleib Intarsie war aber nicht gesprochen worden.“ Er ist für die Wiederanbringung des „erhaltenswerten Zeitdokuments“ an geeigneter Stelle. Im Verhältnis zur Gestaltung des Rathauses empfand er die Intarsie jedoch als Stilbruch.