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"Ein Perspektivwechsel ist dringend nötig"

Stellten den Schulatlas vor (v. li.): Dr. Bodo Stange, Jörg Orlemann und Lothar Geißler von der IHK

IHK Stade erstellt Schulatlas für die Region

lt. Stade. Die demographische Entwicklung in der Region und die damit einhergehenden Folgen für die Schullandschaft standen jetzt im Mittelpunkt bei der Jahrespressekonferenz der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade für den Elbe Weser-Raum.
Um die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und Diskussionen anzuregen, hat die IHK Stade jetzt als erste IHK bundesweit einen Schulatlas für den Elbe-Weser-Raum erstellt. In der Studie wurden die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die verschiedenen Schultypen simuliert und grafisch aufbereitet.
"Um Schulschließungen wird man nicht herumkommen", sagt Dr. Bodo Stange, Geschäftsführer des Bereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK. Besonders schlimm treffe es die Grundschulen. Etwa die Hälfte von ihnen werden in den kommenden Jahren in ihrem Bestand gefährdet sein, so Stange.
Ein echtes Auslaufmodell seien die Hauptschulen. Nur bei Zusammenschlüssen mit Realschulen zu Oberschulen könnten zahlreiche Standorte auch in der Fläche gehalten werden. Das gleiche gelte, wenn auch nicht ganz so dramatisch, für die Realschulen.
Einzig die Gymnasien in der Region verfügten auch künftig über ausreichend hohe Schülerzahlen und könnten optimistisch in die Zukunft blicken, so Stange. Er mahnte gleichwohl an, dass Oberschulen und Gesamtschulen mit gymnasialen Zweigen die Gymnasien "kannibalisieren" könnten.
Um möglichst viele Schulstandorte erhalten zu können, sei ein Perspektivwechsel nötig, sagt Stange. Schulen müssten nicht aus Sicht der Schulträger, also der Verwaltungen, sondern aus der Sicht ihrer Nutzer betrachtet werden.
Das könnte dazu führen, dass gegebenenfalls auch Landkreisgrenzen überwunden werden müssten. Zum Beispiel, wenn es zwei Schulen gebe, die zwar geographisch dicht zusammen, aber in unterschiedlichen Kreisen liegen. Landkreisübergreifend könnte versucht werden, wenigstens eine der beiden Schulen zu erhalten, bevor beide geschlossen würden, so Stange.
Es gelte außerdem, zukunftsorientierte Unterrichtsmodelle zu prüfen. Möglichkeiten virtueller Klassenzimmer, wie sie in Skandinavien bereits seit 50 Jahren gelebt werden, würden hier bislang völlig ausgeblendet, sagt der IHK-Experte.
Nur wenn die Lage vor Ort genau analysiert und die Bürger so früh wie möglich in die Diskussion eingebunden würden, könne ein wohnortnahes bestmögliches Schulangebot erhalten werden. "Jede Schule, die geschlossen wird, ist eine zuviel", so Stange.
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