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Ein weiterer freier Tag für Niedersachsen? Stimmen aus den Landkreisen Stade und Harburg

Einmal mehr die Füße hochlegen: Niedersachsen Arbeitnehmer dürfen sich auf einen zusätzlichen freien Tage freuen Foto: Fotolia/Robert Kneschke
 
Superintendent Dr. Thomas Kück
 
Wolfgang Werner
 
Volker Richter, Geschäftsführer der AOS
(jd/bc/kb). Niedersachsen wird einen zusätzlichen Feiertag erhalten. Das verkündete vor den Landtagswahlen im vergangenen Jahr Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Nun sieht es ganz danach aus, dass Weil sein Wahlversprechen noch in diesem Jahr einlösen wird. Schließlich ist die Einführung eines zehnten Feiertags auch im Koalitionsvertrag mit dem neuen Regierungspartner CDU vereinbart. Doch welcher Tag soll es nun werden? Die Koalitionäre in Hannover haben sich zwar auf eine „ergebnisoffene“ Diskussion verständigt, aber Weil macht keinen Hehl daraus, dass er den Reformationstag favorisiert.

Von wegen öffentliche Debatte, kritisierte die oppositionelle FDP vorgestern im Landtag: Weil habe im Vorfeld Geheimdiplomatie mit Vertretern der evangelischen Kirche betrieben, um den protestantischen Feiertag festzuzurren.
Warum müsse ausgerechnet ein religiöses Datum als Feiertag herhalten, fragt die FDP nun ketzerisch: Weils Idee, den Luther-Gedenktag zu einem Tag des interkonfessionellen Dialogs auszuweiten, um ihn dadurch als allgemeinen Feiertag zu legitimieren, sei anmaßend. Der Staat solle sich nicht in kirchliche Belange einmischen. Die FDP hatte zu dem Thema eine aktuelle Stunde im Landtag beantragt - mit dem Titel „Ein neuer Feiertag? Der Ministerpräsident und eine verkorkste Debatte.“

Aus Sicht der Opposition ist die Feiertags-Diskussion mit der Quasi-Vorfestlegung auf den 31. Oktober gründlich aus der Spur gelaufen: Neben der FDP, die ohnehin die Notwendigkeit eines weiteren arbeitsfreien Tages infrage stellt, sprachen sich auch die Grünen für einen Termin ohne religiösen Bezug aus. „Angesichts der Vielzahl an Religionen und Weltanschauungen in Niedersachsen ist der Reformationstag nicht angemessen“, so der Politiker Helge Limburg: „Diese Diskussion muss daher auf einen weltlichen Feiertag hinauslaufen“.

Bürger empfinden es ungerecht

„Die Bürger in Niedersachsen empfinden das als ungerecht“ Das sagt der niedersächsische CDU-Generalsekretär Kai Seefried in Hinblick auf die aktuelle Feiertags-Debatte im Land. Während die Menschen Bayern oder Baden-Württemberg an 13 bzw. zwölf Tagen pro Jahr arbeitsfrei hätten, seien es in Niedersachsen nur neun Tage. Gemeinsam mit dem Regierungspartner SPD wollen die Christdemokraten nun für mehr Gerechtigkeit sorgen: Noch im Februar ist ein Gesetzesentwurf über einen zusätzlichen Feiertag in Niedersachsen vorgesehen.

Dass es dabei voraussichtlich auf den Reformationstag hinausläuft, begeistert allerdings nicht jeden: Bedenken kommen von katholischer Seite und auch die jüdische Gemeinde übt Kritik - hat Luther in seinen Streitschriften doch oft antisemitische Töne angeschlagen. Andere wiederum halten es grundsätzlich für falsch, einen kirchlichen Gedenktag zum allgemeinen Feiertag zu erheben. Schließlich steige seit Jahren die Zahl der Nicht-Christen und Konfessionslosen, so die Kritiker.

Doch nach Seefrieds Einschätzung „wird es wohl auf den Reformationstag hinauslaufen“. Dieser Tag sei auch im Norden konsensfähig: In Mecklenburg-Pommern sei der 31. Oktober bereits Feiertag und in Hamburg sowie Schleswig-Holstein werde dieser Tag ebenfalls favorisiert. Seefried sieht auch in religiöser Hinsicht keine Probleme: Im Süden stelle schließlich auch niemand die vielen katholischen Feiertage in Frage.

Bemerkenswert ist dabei, dass die sonst so wirtschaftsnahe CDU die Bedenken aus den Reihen der Arbeitgeber beiseite wischt und die Folgekosten für die Unternehmen nicht als Argument gelten lässt. In dieser Woche hatte sich der Arbeitgeberverband Gesamtmetall in die Debatte eingemischt und sich für einen unbezahlten Feiertag ausgesprochen. Die Arbeitnehmer bekämen dann im betreffenden Monat entsprechend weniger Gehalt. Ein kurioser Vorschlag, bei dem selbst viele Arbeitgeber die Stirn runzeln.


Eine kleine Umfrage

Was sagen die Menschen in der Region? Das WOCHENBLATT hat nachgefragt und präsentiert ein kleines Meinungspotpourri.

Volker Richter, Geschäftsführer der Aluminium Oxid Stade (AOS): „Persönlich würde ich den Reformationstag als zusätzlichen Feiertag in Niedersachsen sehr begrüßen, weil dieser evangelische Gedenktag ein gutes Symbol und Anstoß zur immer wieder nötigen Reformation und Erneuerung sein würde. Außerdem ist das bestehende Süd-Nord Gefälle der Feiertage nicht begründbar. Bei der Diskussion über die wirtschaftlichen Aspekte halte ich das Thema Produktivität für entscheidender. Obwohl es in Bayern 13 Feiertage gibt, gehört das Land zu den wettbewerbsfähigsten Bundesländern Deutschlands.“

Lutz Feldtmann, Vorsitzender des DEHOGA-Kreisverbandes im Landkreis Stade: „Das ist ein zweischneidiges Schwert, weil es zum einen zusätzliche Einnahmen bedeuten könnte, es aber auch eine Erhöhung der Personalkosten bedeutet. Solange noch nicht feststeht, in welchen Zeitraum dieser Tag fällt, kann ich abschließend kein genaues Statement abgeben.“

Nele Dierksen, Geschäftsführerin Ringhotel Sellhorn in Hanstedt (Kreis Harburg): „Ich habe lange in Bayern gearbeitet und festgestellt, dass es für mehr Geselligkeit sorgt, wenn es öfter mal einen Feiertag gibt. Man geht am Abend vorher länger aus oder am Feiertag selbst essen. Als Gastronomin begrüße ich einen weiteren freien Tag daher sehr. Am liebsten wäre mir ein Termin im ersten Quartal - da ist es in den Hotels und Gaststätten noch eher ruhig und ein Feiertag könnte für zusätzliche Belebung sorgen.“

Dr. Thomas Kück, Superintendent des Kirchenkreises Stade, fände es gut, wenn der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen wird: „Er entspricht den wichtigen positiven Impulsen aus der Reformation, von denen wir als Gesellschaft heute profitieren: Freiheit und Nächstenliebe. Es geht nicht um die Verehrung Martin Luthers. Vielmehr hat sich die Evangelische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten mit ihrem Erbe immer auch kritisch auseinandergesetzt.“ Und: Leben sei mehr als Arbeit. Auch das sei ein wichtiger christlicher Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, so Kück.

Maria Schimmöller vom Harsefelder Leitungsteam der katholischen Pfarrei Mariä Himmelfahrt spricht sich gegen einen kirchlichen Feiertag aus. Ein konfessionell gebundener Feiertag könne zu Missverständnissen führen. Sie persönlich favorisiert den Jahrestag der Gründung Niedersachsens (1. November).

Manfred Thiel, Berufsschullehrer aus Hollenstedt (Kreis Harburg): „Wenn ein neuer Feiertag eingeführt werden soll, dann bin ich für den 8. Mai. Die Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs ist überkonfessionell. Da spielt dann die Religionszugehörigkeit keine Rolle.“

Siegfried Dalinger, Senior-Chef vom Edeka Frischecenter in Meckelfeld (Kreis Harburg): „Ich sehe einen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag absolut positiv. Im Einzelhandel werden die Öffnungszeiten immer weiter ausgedehnt - da gönne ich meinen Mitarbeitern einen weiteren freien Tag. Und auch ich persönlich freue mich über ein wenig mehr Freizeit. Welcher Tag es wird, wäre mir egal. Und auch aus geschäftlicher Sicht spielt das keine Rolle - weniger einkaufen werden die Leute deswegen nicht, ganz im Gegenteil.“

Nach Ansicht von Bernd Meinke, Vize-Rathauschef in Harsefeld, wäre der Reformationstag der passende Feiertag: „In Süddeutschland ist es schließlich auch ganz normal, dass dort die katholischen Feiertage begangen werden.“ Der Norden sei nun einmal mehrheitlich evangelisch. Die norddeutschen Bundesländer sollten sich einheitlich für den 31. Oktober entscheiden, so Meinke.

Renate Maas, Rentnerin aus Buchholz (Kreis Harburg): „Wir brauchen keinen neuen Feiertag. Anstatt sich darüber die Köpfe heiß zu reden, sollten die Koalitionspartner die wirklich wichtigen Probleme in Niedersachsen anpacken.“

„Ich finde es gut, dass der Reformationstag und der Buß- und Bettag wieder als Feiertage im Gespräch sind“, sagt Christian Berndt, Superintendent des Kirchenkreises Winsen.

Dirk Jäger, Superintendent des Kirchenkreises Hittfeld, plädiert für eine Verankerung des Reformationstages als gesetzlichen Feiertag. „Er böte beides: Das Erinnern an ein unsere Kultur prägendes historisches Erbe ebenso wie dessen zeitgemäße Übertragung in Gegenwart und Zukunft“, so Jäger.


Mit einem zusätzlichen Feiertag hat Wolfgang Werner, Geschäftsführer des Bauunternehmens Viebrock, aus Arbeitgebersicht keine Probleme: „Das wäre schon gerecht, wenn Niedersachsens Arbeitnehmer einen weiteren freien Tag bekämen.“ Für sein Unternehmen seien aber Feiertage, die an keine festen Wochentage gebunden und nicht bundeseinheitlich festgelegt sind, äußerst problematisch: „Wenn in dem einen Bundesland gearbeitet wird und in dem anderen nicht, kann das die Produktivität unheimlich ausbremsen.“ Ideal seien Feiertage, die an ein Wochenende gekoppelt sind, so Werner: „Der Karfreitag ist ein gutes Beispiel.“ Sein unkonventioneller Vorschlag: „Warum nicht irgendeinen Freitag nehmen und diesem Tag eine angemessene Bedeutung geben, damit daraus ein Feiertag wird?“

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