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Einkaufszentrum Himmelpforten: Planung auf der Kippe

Der geplante Combi-Lebensmittel-Vollsortimenter in einer Architektenskizze (Foto: Architekt Bernd Mügge)
 
Matthias Adler (Expansionsleiter Bünting)

Artenschutz contra Mega-Nahversorgungsprojekt: noch keine Ausnahmegenehmigung vom Landkreis

tp. Himmelpforten. Als schwer überwindbare Schneise durchtrennt die von Lastwagen und Pkw stark frequentierte Bundesstraße B73 die Gemeinde Himmelpforten, wo die Bünting-Gruppe einen Combi-Lebensmittelmarkt, Aldi-Discounter und Fachmarkt ansiedeln will. Kopfschütteln verursacht bei dem Investor daher ein Vorschlag der Naturschutzbehörde des Landkreises Stade, den Mega-Nahversorgungskomplex beiderseits der B73 zu realisieren und somit das Projekt faktisch zu zerschlagen. Bünting-Expansionsleiter Matthias Adler und Bürgermeister Bernd Reimers sehen das seit mehreren Jahren geplante Vorhaben akut gefährdet.

Zum Schutz des in dem Planungsgebiet „Zwischen Bundesstraße B73 und Mühlenstraße“ liegenden Steinmetz-Wäldchens, das Lebensraum von Eulen und Fledermäusen ist, fordert der Landkreis, einen Teil des Einkaufszentrums jenseits der Bundesstraße zu verlagern. Als Ausweichflächen stünden laut Reimers rein theoretisch das kleine Gelände des Ex-Kutscher's Hotel und ein Kirchengrundstück zur Verfügung. „Doch das ist in der Praxis nicht umsetzbar“, sagt Reimers, denn die Kirche wolle das Grundstück nicht verkaufen, sondern dort ein Gemeinschaftszentrum errichten. Zudem drohe auf der Bundesstraße mit schon jetzt 18.000 Fahrzeugen pro Tag „ein Verkehrschaos“.

Als wirtschaftlich unpraktikabel bewertet Reimers die darüber hinaus gehende Forderung des Landkreises auf den Verzicht einiger Fachmärkte. Die zudem verlangte Verlegung von Kundenparkplätzen in eine Tiefgarage hätten Gemeinde und Investor bereits vor Monaten abgelehnt.

Auch Bünting-Expansionsleiter Matthias Adler hält die Teilung des Einkaufszentrums für „nicht praktikabel“. Die Auslagerung einiger Geschäfte auf die andere Straßenseite der B73 sei Kunden und Vertragspartnern nicht zumutbar und laufe der Idee des Verbundeinkaufes, bei dem Kunden mehrere Läden von einem Parkplatz aus erreichen, zuwider. Mit Hilfe eines Anwaltes wolle Bünting zunächst versuchen, das Problem „auf argumentativem Wege“ zu lösen und noch einmal den Landkreis um einen Gesprächstermin bitten. Sollten die Bemühungen scheitern, so Adler, „könnte die Konsequenz sein, dass wir das Vorhaben nicht weiter verfolgen“.

Allmählich wird die Zeit knapp. Denn Ende 2017 verstreicht der zwischen der Gemeinde und Bünting vereinbarte Planungszeitraum.

Zumindest für Skeptikerin Ursula Männich-Polenz, Grüne im Gemeinderat, wäre das Ende des Markt-Projektes kein Verlust. Im Rahmen der Auslegung des B-Planes hatte sie gemeinsam mit dem Naturschutzverband NABU und Fledermausschützern vom Verein „Oeflag“ kritisch zu den aus ihrer Sicht überdimensionierten Plänen Stellung genommen. Männich-Polenz richtet sich nicht nur aus Umweltschutzgründen gegen den Flächenverbrauch und die Markt-Konzentration. Sie befürwortet stattdessen ein dezentrales Versorgungskonzept mit vielen kleinen Lebensmittelgeschäften in der Samtgemeinde. Sollte der Landkreis dem Mega-Vorhaben doch noch stattgeben, will Männich-Polenz gemeinsam mit einem Umweltverband klagen.

4.300 Quadratmeter Verkaufsfläche

• Hier die Eckdaten für das von Bünting geplante Einkaufszentrum: Verkaufsfläche: insgesamt 4.300 Quadratmeter, davon Combi-Verbrauchermarkt (1.600 Quadratmeter) zzgl. Backshop mit Café (150 Quadratmeter), Blumenshop (100 Quadratmeter), Aldi-Markt (1.000 Quadratmeter), Rossmann-Drogerie (800 Quadratmeter), Fachmarkt (650 Quadratmeter) sowie ein Großparkplatz mit 240 Einstellplätzen. Zudem ist Verkehrskonzept zur Erschließung des Objektes erforderlich. Langfristig ist ein Kreisel geplant.