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Endstation Notunterkunft am Fredenbecker Weg in Stade

Joachim Kruse (44): Seine Obdachlosen-Laufbahn begann, als er 18 Jahre alt war
 
Sebastian Maron vor seiner Behelfswohnung

„U25-Sanktion“: Immer mehr junge Erwachsene stranden in städtischer Obdachlosenunterkunft / SPD-Fraktion gründet „Runden Tisch“

tp. Stade. Vier junge Leute im Alter zwischen 18 und 32 Jahren gerieten am frühen Freitagmorgen in höchste Gefahr, als sie im leerstehenden „Hertie“-Parkhaus in Stade übernachteten und ein Feuer ausbrach (das WOCHENBLATT berichtete). Der Fall vergegenwärtigt die Not junger Menschen, die in der kalten Jahreszeit eine Parkhaus-Ruine als Schlafplatz wählen müssen. Der SPD-Sozialpolitiker Oliver Kellmer, der sich um die Belange Obdachloser kümmert, kritisiert die aus der Warte vieler Betroffener oft unübersichtlichen Zuständigkeiten von Ämtern und Institutionen bei der Obdachlosenunterstützung und kündigt Hilfe an: Ein runder Tisch steht kurz vor der Gründung.

Gut ein Viertel der etwa 100 von der Stadt Stade registrierten und betreuten Obachlosen seien junge Erwachsene unter 25 Jahren, sagt Ratsherr Kellmer. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die unter „Hartz IV“ eingeführten sogenannten „U25-Sanktionen“ der Behörden, die auf Pflichtverstöße von Klienten dieser Altersgruppe mit der Streichung von Arbeitslosengeld und Mietzuschuss reagieren können.

Diese „zwei Schritte in Nichts“ liegen auch hinter Sebastian Maron (25), der seit einem Dreivierteljahr in der städtischen Notunterunft am Fredenbecker Weg wohnt und sagt: „Hier ist Endstation.“ Das enge, ärmlich möblierte Zimmer teilt er sich mit seiner Freundin (23). Ihre Geschichten ähneln sich: schwierige Familienverhältnisse, Schulprobleme, abgebrochene Ausbildung, Geldnot, Mietsäumnis, Wohnungsverlust. Ein Umzug ist schwierig. Wer den Fredenbecker Weg als Adresse angibt, habe bei Vermietern schlechte Karten, sagt Sebastian Maron. Die Folge: Aus der Not- wird eine Dauerlösung. Einige bleiben Jahrzehnte am Fredenbecker Weg.

Mitte Januar soll auf Initiative der Stader SPD ein „Runder Tisch der Obdachlosenhilfe“ gegründet werden. Neben Politikern sind u.a. das Amtsgericht, der Herbergsverein, die Polizei, das Jobcenter, der Landkreis und der Verein für Sozialmedizin dabei. Auf der Agenda stehen Unterstützung bei Räumungsklagen, Beratung bei Alkohol- und anderen Suchtkrankheiten und die Verbesserung des Wohnstandards am Fredenbecker Weg.

„Es kann jeden treffen“

„Obdachlosigkeit kann jeden treffen“, sagt Joachim Kruse (44), der mit vier Katzen am Fredenbecker Weg lebt. Nach eigenen Angaben war er trotz drei ausgeübter Berufe - Elektriker, Koch und Gas-/Wasser-Installateur - seit seiner Jugend immer wieder wohnungslos. Weitere Fälle:
• Nach einer Scheidung landete der gebürtige Kosovo-Albaner B. S. (21), Produktionshelfer und Vater einer Tochter, am Fredenbecker Weg.
• In die U25-Sanktionsfalle tappte ein alleinstehender junger Mann (25), der seit Montag am Fredenbecker Weg wohnt.
• Seit einer Trennung im Jahr 2012 lebt Chris (41) am Fredenbecker Weg - nach 2002 sein zweiter Aufenthalt in der Notunterkunft. Der ehemalige Handwerker hat zwei Kinder.

Hohe Dunkelziffer

Gerade bei jungen Obdachlosen geht SPD-Ratsherr Oliver Kellmer von einer hohen Dunkelziffer aus: Diese würden häufig bei Freunden und Bekannten Unterschlupf finden, seien de facto aber wohnungslos.

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