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Forderung nach Freiheit im Stader Nachtleben

Übergabe der Unterschriftenliste (v. li.): Sophie Hagebölling (Wirtschaftsförderung), Wirtin Sabrina Klapper, Guido Scheven (Bauaufsicht), Bürgermeisterin Silvia Nieber und Wirt Dominik Klapper Fotos: tp
 
Zu laut? Das "Klapperino" steht bei einigen Nachbarn wegen angeblicher Lärmbeschwerden in der Kritik

1.144 Unterschriften: Petition des "Klapperino" hat formale Schwächen / Stadt nimmt Anregung auf

tp. Stade. Guter Dinge starteten die Wirts-Eheleute Sabrina und Dominik Klapper vor rund  einem Jahr in der Ex-Havana Bar in der Birnbaum-Passage in Stade ihren Gastronomiebetrieb „Klapperino“ mit breitem Musik- und Getränkeangebot und Tanzmöglichkeit für Nachtschwärmer. Doch Beschwerden aus der Wohnumgebung, insbesondere von Nachbarn aus dem Haus, dämpften rasch die Euphorie.

Das veranlasste die Klappers zu einer Online-Petition, in denen sie mit Unterstützern für mehr Freizügigkeit für die Gastronomie in der Altstadt baten. „Mehr Leben in unserer Stader Innenstadt - Stade will feiern und tanzen“: Diese Forderung unterzeichneten insgesamt 1.144 Bürger.

Die Stimmenliste wurde nun an Bürgermeisterin Silvia Nieber in Begleitung von Guido Scheven, Leiter Bauaufsicht, und Sophie Hagebölling von der Wirtschaftsförderung übergeben.

Verwaltungs-Chefin Nieber begrüßte das demokratische Engagement des Gastronomen-Paares und der teilnehmenden Bürger, verwies aber auf die begrenzte Verwertbarkeit der Unterschriftensammlung wegen formaler Schwächen. Für einen Einwohnerantrag, mit dem Bürger einer Gemeinde den Rat verpflichten, sich mit einer bestimmten Angelegenheit in einer öffentlichen Sitzung zu befassen, seien 1.500 Stimmen erforderlich. Diese müssten zudem schriftlich anstatt elektronisch sowie mit vollständigem Namen und der Adresse vorliegen.

"Wir können die Aktion jedoch als 'Anregung' oder 'Beschwerde' werten", so Nieber mit Verweis auf das niedersächsische Kommunalverfassungsgesetzt. Demnach soll das Anliegen der Klappers in einer kommenden politischen Sitzung auf die Tagesordnung genommen werden.

Im Kern gehe es darum, die aus den 1980er Jahren stammende Gastwirtschaftskonzession, die Vorbetreiber für ein Speiserestaurant, das um spätestens 22.30 Uhr schloss, zu einem Bar-Betrieb mit verlängerten Öffnungszeiten zu ändern, erklärte Guido Scheven den beiden Pächtern. Dazu müssen die neuen Betreiber jedoch noch einige Hürden nehmen, insbesondere hohe Brandschutzbestimmungen erfüllen und gegebenenfalls durch weitere Maßnahmen die Schall-Emissionen noch stärker einschränken. Die Klappers tun nach eigenem Bekunden schon viel dafür, haben den Lautstärkepegel der Musikanlage verringert und einen Security-Dienst engagiert, der Gäste vor der Tür mahnt, sich leise zu verhalten.

Die Bar hat ihre Räume in einem Gewölbekeller. Noch ist unklar, auf welchen Wegen der Schall durch das historische Gemäuer in die darüber liegenden Wohnungen dringt. Ein entsprechendes Schallgutachten, das der Eigentümer der Bar in Auftrag gegeben hat, werde derzeit von der Verwaltung geprüft, so Guido Scheven.

Er signalisierte die Bereitschaft der Stadtverwaltung, im Rahmen eines Nutzungsänderungsantrages "den geduldeten Zustand zu legitimisieren". Silvia Nieber ergänzt: "Uns ist klar, dass davon Ihre Existenz abhängt."
Um Rechtsstreitigkeiten von langer Hand zu vermeiden, riet Sophie Hagebölling dem Ehepaar Klapper, dessen Location gut ins neue Stadtmarketingkonzept passe, zur offenen Kommunikation mit potenziellen Betroffenen: "Holen Sie alle Nachbarn ins Boot."

Doch hier scheint es Probleme zu geben: Nach Dominik Klappers Angaben sei niemand seiner Einladung zu einer Anwohnerversammlung gefolgt. Er will nun einen zweiten Versuch starten.