Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Interview mit Stades Stadtbaurat: „Die Altstadt ist kein Disneyland“

Lars Kolk hat sein neues Büro im Rathaus bezogen
bc. Stade. Lars Kolk heißt der Neue im Stader Rathaus. Die Fußstapfen, in die er tritt, sind groß. Der 43-Jährige, der vorher als Stadtplaner in der Verwaltung in Emden gearbeitet hat, trat Anfang Januar die Nachfolge von Kersten Schröder-Doms an, der 27 Jahre als Stadtbaurat fungierte. Das Antrittsinterview:

WOCHENBLATT: Haben Sie sich schon in Stade eingelebt?

Lars Kolk: Ja. Meine Familie und ich haben zunächst eine Mietwohnung bezogen, schauen uns aber nach einem Haus um. Unsere zwei Kinder gehen hier schon in die Schule.

WOCHENBLATT: Reden wir über den Job: Viele große Bauprojekte stehen an, wie z.B. das neue Einkaufscenter in der Innenstadt. Glauben Sie an die planmäßige Eröffnung zum Weihnachtsgeschäft 2017?

Kolk: Ja. Ich werde regelmäßig das Gespräch mit den Akteuren suchen. Wenn es Probleme gibt, muss sofort die Frage gestellt werden: Hat das Auswirkungen auf den Zeitplan? Gut ist, dass jetzt die Vorbereitung zum Abriss angefangen hat.

WOCHENBLATT: Noch läuft alles geräuschlos ab. Das wird sich ändern.

Kolk: Klar, laut wird es noch früh genug. Das ist bei Großbaustellen so und auch auf der Kö in Düsseldorf nicht anders als in der Stader Altstadt.

WOCHENBLATT: Eine weitere große Aufgabe ist der Bau von neuen Flüchtlingsunterkünften. Wie gehen Sie die Aufgabe an?

Kolk: Bei dem Thema reagiere ich allergisch, wenn man es nur auf Flüchtlinge reduziert. Ich halte wenig von Übergangslösungen.

WOCHENBLATT: Sondern?

Kolk: Natürlich muss es pragmatische Lösungen geben, vor allem wenn es schnell gehen soll. Aber wir müssen auch langfristig denken. Es geht darum bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, gleichermaßen für Asylbewerber mit Bleibeperspektive, für Geringverdiener und Transferempfänger.

WOCHENBLATT: Wie wollen Sie das schaffen?

Kolk: Indem die Stadt mit der hiesigen Wohnbauwirtschaft gut zusammenarbeitet. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass die Stadt öfter als früher selbst als Bauherr in Erscheinung treten muss.

WOCHENBLATT: Die Altstadt ist ein Faustpfand für Stade. Wäre es nicht das Beste, eine Käseglocke über die Fachwerkhäuser zu stülpen?

Kolk: Bestimmt nicht, die Innenstadt darf kein Disneyland sein und eine Innenstadt war, ist und wird immer einem Wandel unterworfen sein. Ich befürworte eine regionale Architektur im modernen Gewand. In einer Altstadt muss gearbeitet, aber auch gewohnt werden, sie muss belebt sein und bleiben.

WOCHENBLATT: Stichwort Verkehr: Ihr Vorgänger trug den Spitznamen „Kreisel-Kersten“.

Kolk: Auch ich bin ein großer Verfechter von Kreisverkehren. Es wäre mir eine Ehre, wenn man mich irgendwann „Kreisel-Kolk“ nennt.

WOCHENBLATT: Eigentlich hatte sich die Politik schon für einen anderen Kandidaten als Stadtbaurat entschieden. Erst als sich Ihre Chefin, Frau Nieber, in letzter Minute gegen den Mann entschied, wurde ein Headhunter beauftragt und sie wurden „gefunden“. Als zweite Wahl fühlen Sie sich aber nicht?

Kolk: Nein, ich hatte die erste Stellenausschreibung in Stade auch gesehen, mich aber aufgrund der beruflichen Situation meiner Frau nicht beworben. Ein dreiviertel Jahr später hatte sich auch für meine Frau eine tolle Perspektive in Stade ergeben.

WOCHENBLATT: Wenn Sie mal Freizeit haben, treiben Sie Sport?

Kolk: Ich spiele Badminton, bin in Emden immer noch 1. Vorsitzender eines Badminton-Vereins.