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Kreispolitiker drücken die Reset-Taste

Der Jugendhilfeausschuss hat sich einstimmig dafür entschieden, die Planungen auf Null zu setzen
bc. Stade. Der Seminarkindergarten in Stade ist deshalb eine besondere Einrichtung, weil er der einzige Kindergarten in Trägerschaft des Landkreises ist. Hier sind Kinder aus dem gesamten Kreisgebiet willkommen. Vielleicht erklärt sich daher die große Aufregung bei den Eltern und in der Politik, was eine mögliche Abgabe der Einrichtung an die evangelische Kirche angeht, so wie es die Landkreis-Verwaltung beabsichtigt. Jetzt hat die Politik im Jugendhilfeausschuss (JHA) am Montag wieder alle Planungen auf Null gestellt - einstimmig!

Eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung einer Elternvertreterin und des Personalrats soll die nächsten Schritte bis zum kommenden JHA am 11. Juni besprechen. Zudem sollen alle elf potenziellen Träger in Stade noch einmal angeschrieben werden, ob sie für eine Übernahme des Kindergartens zur Verfügung stünden - auch die Stadt Stade, die dem Landkreis eigentlich schon abgesagt hatte. Wenn schon keine Komplett-Übernahme sei eventuell eine Kooperation mit der Stadt möglich. Andere aussichtsreiche Kandidaten sind die AWO, das DRK und die Lebenshilfe.

Wie berichtet, gibt es große Personalbesetzung-Schwierigkeiten im Seminarkindergarten. Das Problem: Mit nur einer Regel- (25 Kinder) und einer Krippengruppe (15) ist er relativ klein. Bei personellen Ausfällen fehlt „Manövriermasse“. Im November 2014 erteilte der JHA dem Landkreis einen Prüfauftrag, ob der Kindergarten an einen freien Träger abgegeben werden könne.

Sozialdezernentin Susanne Brahmst machte Nägel mit Köpfen. Nach Gesprächen mit potenziellen Trägern kristallisierte sich der Kindertagesstättenverband der evangelischen Kirche als „bestmöglichster“ (O-Ton Brahmst) Übernahme-Kandidat heraus. Passend dazu fand bereits ein Elternabend statt, an dem eine Kirchen-Vertreterin teilnahm.

Weil mehrere Eltern den Plan mit einer konfessionellen Kita scharf kritisierten, gelangte die Debatte an die Öffentlichkeit und somit auch an die Ohren der Politiker. Denen ist das Handeln des Landkreises zu forsch.

„Ich bin reichlich verärgert, dass es so gelaufen ist. Es ist gut, dass die Eltern Krawall gemacht haben. Wir hatten lediglich einen Prüfauftrag erteilt. Mehr nicht“, sagte SPD-Abgeordneter Dr. Harald Stechmann. Es müsse ein offenes Verfahren geben. FWG-Mann Bodo Klages: „Man muss mit allen potenziellen Trägern sprechen.“

Im Gegensatz zu Brahmst sehen die Ausschuss-Mitglieder sehr wohl eine gravierende Änderung des pädagogischen Konzeptes auf die Kinder zukommen, falls ein kirchlicher Träger die Kita übernehmen werde. „Gebete, Lieder, die Vorbereitung der Feste. Das ist schon ein Unterschied“, sagte Ingrid Nau. Hans-Hermann Ott (CDU) ergänzte: „Entscheidend ist, die Eltern mitzunehmen.“

Susanne Brahmst wurde nicht müde zu betonen, dass eine Vorentscheidung zugunsten der Kirche nicht gefallen sei. Auf der anderen Seite hätte sie aber auch in der kommenden Sitzung des JHA im Juni einen unterschriftsreifen Vertrag vorlegen wollen: „Dann hätte der Ausschuss ja oder nein sagen können. Klar ist: Wir wollen den Kindergarten nicht verramschen.“

Offenbar ist die Elternschaft des Seminarkindergartens aber auch zwiegespalten. Während eine Mutter vortrug, dass mehrere Eltern dafür plädieren, dass der Landkreis den Kindergarten behalten sollte, haben laut Elternvertreterin Manuela Mahlke-Göhring viele Eltern keine Probleme mit der Kirche als einen möglichen Träger: „Hauptsache es kehrt wieder Ruhe ein.“

Die finale Entscheidung fällt der Kreis-Ausschuss Ende Juni.