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Letzte Gülle-Lagune im Landkreis Stade

Vor einem Haufen aus Folien-Resten und Sand der abgerissenen Gülle-Lagune: Bürgermeister Johann Schlichtmann und Landwirt Bernd Hinrichs

Aus für offenes Dung-Bassin in Oldendorf / Neusiedler können aufatmen


tp. Oldendorf. Bauerndörfer werden zu modernen Wohnorten. Auch Oldendorf auf der Stader Geest ist mitten im Wandel. Mit der Neubautätigkeit halten städtische Lebensansprüche Einzug in die Dörfer, und typisch ländliche Gerüche nach Dung und Stall werden als Belästigung empfunden. In der Feldmark am Ortsrand machte Landwirt Bernd Hinrichs (61) jetzt die wohl letzte Gülle-Lagune im Landkreis Stade dicht. Bürgermeister Johann Schlichtmann begrüßt Hinrichs' Entscheidung, das offene, ganzjährig als Reservoir für Rinder-Fäkalien genutzte Bassin zu schließen. Denn ganz in der Nähe plant die Politik die Erweiterung des Wohngebietes Getreidesiedlung.

Landwirt Hinrichs ließ die 25 mal 25 Meter große Gülle-Lagune am Ortsausgang in Richtung Estorf vor 30 Jahren als Naturdünger-Reservoir errichten. Es war eine der letzten vom Landkreis Stade genehmigten Anlagen dieser Art. Mit einem Bau-Preis von seinerzeit 13.000 D-Mark sei sie eine günstige Alternative zu den stabileren, gut 70.000 D-Mark teuren, mit Abdeckplane verschlossenen Gülle-Silos aus Stahlbeton gewesen, erklärt Hinrichs. Die Anlage habe ihm über die Jahrzehnte gute Dienste erwiesen. Nach der Aufgabe seiner Landwirtschaft vor vier Jahren verpachtete er die umzäunte, 600 Kubikmeter Flüssigkeit fassende Jauche-Lagune gemeinsam mit Ländereien in der Gemarkung "Wunde" an Landwirt Cord Wilkens aus Mulsum.

Als nun die Behörden zur Instandhaltung den 10.000 Euro teuren Austausch der Kunststoff-Folien forderten, entschloss sich Hinrichs aus betriebswirtschaftlichen Gründen, das Becken samt umgebendem, zwei Meter hohem Erdwall abzureißen. Die Folien hatten Schaden genommen, als unbekannte Vandalen wiederholt Steine in den Jauche-Teich geworfen hatten.

Im Interesse der Siedler aus der Nachbarschaft war die Aufgabe der Anlage schon lange der Wunsch des Bürgermeisters Johann Schlichtmann, der nach eigenem Bekunden froh ist, "dass dieses Kapitel endlich geschlossen ist". Immer wieder hätten sich Bürger über Gestank aus der Gülle-Grube beschwert, berichtet der Bürgermeister, der jetzt erleichtert aufatmet.

Die planierte Fläche wird künftig als Acker genutzt. Bereits im kommenden Jahr soll gleich nebenan auf 2,85 Hektar das Neubaugebiet "Zum Eichacker" für 25 Einfamilienhäuser entstehen. Auch Bernd Hinrichs profitiert von der Entwicklung: Er hat die frühere landwirtschaftliche Nutzfläche zu Bauland-Konditionen an die Gemeinde verkauft.