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Mehr Wohnraum für die Ärmsten

Die Zukunft der Stader Obdachlosenunterkünfte ist ungewiss. Die Stadt hegt vage Pläne, Neubauten für Asylanten zu errichten. Dort könnte auch Platz für die Barackenbewohner geschaffen werden

Kellmer: "Von Neubauplänen für Flüchtlinge könnten auch Obdachlose profitieren"

tp. Stade. Allerorten Kriege und Krisen - aufgrund der angespannten politischen Weltlage rüsten sich in ganz Deutschland Städte und Kommunen für einen erhöhten Zulauf von Asylbewerbern: Die Stadt Stade ist bereits an der Grenze ihrer Unterbringungskapazitäten. Die Verwaltung schließt daher künftig zentrale Unterbringung der ärmsten Gesellschaftsmitglieder nicht mehr aus.

In Kürze steigt die Politik in die Beratung über neuen Wohnraum für Flüchtlinge ein. Sozialpolitiker Oliver Kellmer bringt in diesem Zusammenhang nun auch die Verbesserung der Unterbringung der Obdachlosen in den städtischen Behelfsheimen am Fredenbecker Weg aufs Tapet: "Hier sollten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen."

In einem Sachstandsbericht auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses informierte Stades Erster Stadtrat Dirk Kraska die Lokalpolitiker über die sich zuspitzende Raumnot für Asylbewerber. Im Juli vergangenen Jahres lebten noch 145 Asylbewerber in Stade. Die Stadt musste damals 92 Menschen unterbringen, die übrigen kamen bei Familienangehörigen unter.

Die Zahl stieg auf aktuell 234 Asylbewerber, von denen die Stadt 181 unterbringen musste. Bis zum 31. Oktober wurden Stade 77 weitere Asylbewerber zugewiesen. Zusätzliche Flüchtlinge aus Syrien und Irak sind zu erwarten.
Da laut Kraska bereits jeder geeignete Wohnraum angemietet und sämtliche geeignete städtische Immobilien zur Verfügung gestellt wurden, müssen Politik und Verwaltung nun Alternativen prüfen.
Die Stadt verabschiedet sich offenbar zwangsläufig von ihrer bisherigen Linie, Asylbewerber aus Gründen einer besseren Integration dezentral auf kleinere, im Stadtgebiet liegende Immobilien zu verteilen. Die vorübergehende Unterbringung in Containern ist nicht mehr ausgeschlossen. Als langfristige Lösung steht ein Neubau zur Diskussion.

Oliver Kellmer hält es für einen "charmanten Ansatz", in diesem Zuge auch an die Obdachlosen in den ärmlichen Baracken am Fredenbecker Weg zu denken. Wie mehrfach berichtet, leben in dem primitiven Stadtrand-Quartier mehr als 50 Menschen, einige schon seit Jahrzehnten. "Von den Neubauplänen für Flüchtlinge könnten doch auch die Obdachlosen profitieren", so Kellmer. Entsprechende Anträge will er in den zuständigen Fachausschüssen stellen.

Dem Vernehmen nach plant die Stadt ohnehin eine Umsiedlung der Obdachlosen, da in der Nachbarschaft des Fredenbecker Weges das moderne Wohngebiet "Heidesiedlung Riensförde" entsteht.

Nicht nur die Wohnraumbeschaffung für Asylbewerber und Obdachlose stellt die Stadt vor finanzielle Herausforderungen. Es müssen mehr Deutschkurse für Asylbewerber finanziert werden. Möglicherweise wird die Stadt auch den Stab an Mitarbeitern erhöhen, die sich bei wöchentlichen Besuchen um die Flüchtlinge kümmern. Oliver Kellmer rechnet damit, dass ein Zusatzhaushalt nötig wird.