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Moment mal: Kopfsteinpflaster und Barrierefreiheit - wie passt das zusammen?

Wie passt Kopfsteinpflaster in einer Altstadt mit einer barrierefreien Stadt zusammen? Zunächst einmal gar nicht, wie viele Menschen mit Gehbehinderungen, Rollatoren und Rollstühlen immer wieder in Stade feststellen müssen.
Dabei wurden doch extra vor Jahren sogenannte Fahrwege durch die Innenstadt mit speziellen Pflasterungen angelegt. Allerdings sind die regelmäßig belegt, sei es durch Außengastronomie, Marktstände oder parkende Autos. Die CDU-Fraktion im Stadtrat möchte diesen Konflikt nun lösen und hat per Antrag und dank der Unterstützung anderer Parteien der Verwaltung einen konkreten Auftrag erteilt, Abhilfe zu schaffen.
Leicht gesagt, schwer umsetzbar! Die Aufgabe klingt nach der berühmten Quadratur des Kreises, die man dem Rathaus da gestellt hat. Fast schon eine unlösbare Aufgabe im Spannungsfeld zwischen beengter historischer Altstadt und einer attraktiven und lebendigen, aber auch barrierearmen City.
Es wird immer Zielkonflikte geben. Nimmt die Bürgermeisterin den Restaurants die Möglichkeit, ihre Tische nach draußen zu stellen, klagen viele Bürger, die Stadt sei leblos, ja gar tot. Die typische Schlafstadt, die Stade eigentlich nicht mehr sein will.
Ähnlich verhält sich die Situation bei diversen Veranstaltungen in der Stadt, bei denen auch die Fahrwege zugestellt sind. Eben weil die Innenstadt architektonisch nichts anderes zulässt. Diese Events sind aber ausdrücklich erwünscht und vor allem für die Geschäftswelt außerordentlich wichtig, die durch den zunehmenden Online-Handel ohnehin schon stark zu kämpfen hat.
Irgendwie bekommt man beides nur schwer unter einen Hut: eine lebendige City und die vollständige Barrierefreiheit. Auf keinen Fall darf der Antrag der CDU dazu führen, dass man ernsthaft darüber nachdenkt, die historische Altstadt - das große Plus Stades - baulich erneut so umzugestalten, dass irgendwann die Gefahr besteht, den einzigartigen Charme zu verlieren. Genau das will die CDU aber auch gar nicht.
Deswegen kann es vermutlich nur darauf hinauslaufen, dass hier statt erneuter baulicher Maßnahmen der gesunde Menschenverstand zum Tragen kommt. Beide Seiten müssen Einschränkungen hinnehmen. Sowohl die Geschäfte und Gastronomen, die eventuell nicht den kompletten Fahrweg zustellen, als auch die Gehbehinderten, die sich dann nicht überall komplett problemlos bewegen können. Es geht nur mit einem verträglichen Miteinander. Das ist übrigens kein Widerspruch zur viel gepredigten Inklusion, sondern fördert die Akzeptanz selbiger.
Björn Carstens