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Mühlenteich in Fredenbeck "ein Modderloch"

Naturfreund Dr. Günter Kapper stört sich an der unschönen Optik des Teiches nach der Trockenlegung: "Ein Modderloch"
 
Eigentümerin Dörthe Neumann an der Wassermühle

Technischer Defekt: Historisches Gewässer trocken gefallen / Kostenfrage ungeklärt

tp. Fredenbeck. Naherholungsgebiet und Veranstaltungsort, Wohnraum und Museum: Die stillgelegte historische Wassermühle am Rand des Naturschutzgebietes Fredenbecker Mühlenbach wird vielfältig genutzt - und ist vor allem eins: Wahrzeichen mit Postkartencharakter. Nun ist die Idylle in Fredenbeck in Gefahr. Wegen eines technischen Defektes an der Stau-Vorrichtung, dem Wehr, haben die Eigentümer das Wasser des Mühlenteiches bereits im vergangenen Herbst abgelassen.

Deshalb schlagen jetzt Natur- und Heimatfreunde Alarm. Doch eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht, was an der offenen Kostenfrage und an den unterschiedlichen Interessen liegt, die es an der historischen Anlage in Fredenbeck zu bündeln gilt.

Der von alten Bäumen umgebene Teich steht zusammen mit der zu dem Anwesen gehörenden Kornmühle und der Ölmühle als Zeugnis vorindustrieller Siedlungs-, Wirtschafts- und Arbeitsform als Ensemble unter Denkmalschutz. Nach der Trockenlegung des künstlichen Gewässers, das früher dem Mühlenantrieb diente, ist Anwohner Dr. Günter Kapper (80), Veterinär im Ruhestand, in größter Sorge um die Tierwelt in dem aus seiner Sicht "klassischen Biotop". Der Naturkenner hat dort nach eigenem Bekunden seltene und geschützte Tiere wie den Eisvogel, Haubentaucher, Graureiher, Canada-Gänse, Schwäne, Muscheln und zahlreiche Fischarten beobachtet.

"Es wäre ein Jammer, wenn der Teich verkommt", sagt Kapper und blickt skeptisch auf die braune Senke, in der sich die verbliebenen gefrorenen Wasserlachen in der Wintersonne spiegeln. "Diese Modder-Loch" passe einfach nicht zu dem ansonsten gepflegten Ambiente der Wassermühle, auf die viele Dorfbewohner stolz seien. Wenngleich das Ensemble in Privateigentum befindet, sieht Dr. Kapper die Gemeinde mit in der Pflicht, die Zustände zum Besseren zu wenden.

So sehen das auch die Eigentümer, die Landwirts-Eheleute Dörthe (52) und Cord Neumann (54). "Jeder will das Schöne genießen, aber nichts dafür bezahlen", so Cord Neumann mit Blick auf die völlig offene Finanzierung der Reparatur, die er - nach Vorgesprächen mit einem Ingenieurbüro - auf einen sechsstelligen Euro-Betrag beziffert. Die Summe könne er aus eigener Tasche nicht zahlen.

Laut Cord Neumann ist das Wehr, über das der Teich in den Bach entwässert werden kann, unterspült. Die Statik halte der Belastung bei Starkregen im Herbst und Frühjahr nicht mehr Stand, sodass man sich zur Trockenlegung entschloss. Cord Neumann rechnet mit vielen Unwägbarkeiten bei der Sanierung, für die es noch keinen festen Plan gebe.

Dörthe Neumanns nennt außerdem familiäre Gründe für die unklare Situation. Ihr Vater Dirk Neumann (76†), Vor-Eigentümer der Anlage, verstarb Anfang Dezember nach schwerer Krankheit. Der frühere Berufs-Müller habe bisher Regie in der Mühle und dem kleinen Museum geführt.

Familie Neumann möchte mit der Gemeinde, dem Heimatverein, dem Verein Geestland-Touristik und weiteren Gruppen in Kontakt treten und an einem "runden Tisch" die künftige Nutzung und und die Kostenübernahme, auch aus Mitteln des Dankmalschutzes und von Stiftungen, diskutieren. Dabei werden auch die drohende Verschlickung des Teiches und die künftige Nutzung eines Spazierweges zwischen Mühle und Teich-Ufer Thema sein. Das Wegerecht der Gemeinde für den rund 150 Meter langen Pfad erlischt im kommenden Jahr. Der Gehweg, der über dem unterspülten Wehr entlang führt, ist derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Fredenbecks Bürgermeister Hans-Ulrich Schumacher gibt sich gesprächsbereit und verweist auf den touristische Nutzen der Anlage, die am Fischlehrpfad der Gemeinde Fredenbeck sowie an der Themenroute "Niedersächsischen Mühlenstraße" liegt und an Aktionstagen wie dem "Mühlentag" geöffnet ist. "Es ist ein Aushängeschild unserer Gemeinde, da gibt es keine zwei Meinungen." Schumacher stellt einen Finanzspritze aus dem Gemeinde-Etat für Denkmalzwecke in Aussicht, verlangt aber, dass die Neumanns ein Konzept vorlegen.