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Nach Gefahrgut-Zwischenfall auf dem Stader Güterbahnhof: "Rangieren nur im Industriegebiet"

Zu einem Tankkesselwagen, aus dem am Stader Güterbahnhof chemische Substanzen ausliefen, wurden am Donnerstagabend Feuerwehr und Polizei gerufen (Foto: Polizei Stade)
 
Dr. Henning Hoins

Initiativen-Gründer Dr. Henning Hoins beharrt auf alter Forderung

tp. Stade. Ein Leck an einem mit hochgiftigem Gefahrgut beladenem Tankkesselwagen rief am Donnerstag am Stader Güterbahnhof rund 100 Helfer von Polizei, Feuerwehr und einen Notfallmanager der Deutschen Bahn auf den Plan. Der Chemie-Zwischenfall gibt dem Initiator der früheren Bürgerinitiative „Pro Industriegleis“, Dr. Henning Hoins, Anlass, noch einmal an seine
alte Forderung zu erinnern: Rangierarbeiten mit riskanten Chemikalien sollen ausschließlich im Industriegebiet Brunshausen durchgeführt werden.

In der Nähe von Wohnhäusern im Ortsteil Campe war am Donnerstag gegen 22 Uhr eine geringe Menge der krebserregenden chemischen Substanz Epichlorhydrin, das u.a. zur Herstellung von Epoxidharz verwendet wird, ausgelaufen. Laut Polizei habe bei dieser geringen Menge keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden.
Der kaputte Kesselwagen wurde vom Güterzug abgetrennt und untersucht. Dabei stellte die Feuerwehr fest, dass eine beschädigte Dichtung an einem Deckel das Auslaufen des Gefahrguts verursacht hatte. Die Feuerwehr konnte den Fehler direkt beheben.

Ein aufmerksamer Lokführer hatte das Leck an dem Tankwagen, der beim Chemiekonzern Dow befüllt worden war, während einer Kontrolle bemerkt und sofort gemeldet. Daraufhin wurde die Bahnstrecke zwischen Horneburg und Stade für den Bahnverkehr gesperrt und ein Busersatzverkehr eingerichtet. Aus Sicherheitsgründen wurde auch der Bahnhof Stade abgeriegelt. Züge aus Richtung Cuxhaven kommend durften anschließend wieder bis Stade fahren.

Der Kesselwagen kam zu weiteren Untersuchungen zurück in das Stader Industriegebiet. Gegen 1.20 Uhr wurde der Bahnverkehr wieder aufgenommen.
Besonders unter den Anwohnern der Gleise in Campe habe Aufregung und Verunsicherung geherrscht, sagt Dr. Henning Hoins, der sich mit der von ihm gegründeten Bürgerinitiative für den Bau eines Industriegleises jahrelang dafür stark machte, dass gefährlichen Chemiegüter nicht mehr durch das Stadtgebiet rollen.

Anwohner wurden aufgefordert, die Fenster zu schließen. Daraufhin hätten die Nachbarn noch in den Nachtstunden über soziale Netzwerke im Internet ihre Ängste und Verunsicherung bekundet, so Hoins. Der Zwischenfall ging glimpflich aus, doch Hoins warnt weiter vor dem Risiko von Unfällen zwischen einem abgestellten Chemie-Waggon und etwa einer S-Bahn, einem Metronom-Pendlerzug oder einem Güterzug. Vor diesem Hintergrund fordert Hoins, wie bereits vor Jahren, dass die Langzüge der Bahn am Industriebahnhof in Brunshausen zusammengestellt und von dort aus zum Güterbahnhof in Maschen weitergeleitet werden sollten. Dadurch würde das stundenlange Abstellen der gefüllten Waggons in Wohnhausnähe entfallen und das Unfallrisiko deutlich minimiert.

Zwischenzeitlich haben das Land, die Deutsche Bahn und der Stadt Stade entsprechende Planungen im Zuge der künftigen Autobahntrasse A26 aufgenommen. Hoins mahnt zur Eile: Denn die Fertigstellung des stadtfernen Industriegleises hält er erst in zehn bis 15 Jahren für realistisch. Im Übrigen befürwortet er die Industrie in Bützfleth.