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Obdachlose in Stade ziehen später um

Altbau (li.) und Neubau (Mitte) an der Bundesstraße (re.)
 
Begrenzter Platz für Obdachlose: Der Neubau an der B73 verfügt über elf Doppelzimmer

Erster Stadtrat Dirk Kraska fordert Gesamtkonzept / Oliver Kellmer (SPD): "Unsinnigen Leerstand vermeiden"

tp. Stade. Der für dieses Frühjahr angekündigte Umzug der Obdachlosen vom Fredenbecker Weg in Stade in die Neubauten an der "Bei der Bundesstraße 200" verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Das gab jetzt der Erste Stadtrat Dirk Kraska bekannt. Zuerst solle ein Gesamtkonzept zur Unterbringung der Wohnungslosen her. Denn es zeichnen sich Probleme ab: Am neuen, ursprünglich für Flüchtlinge vorgesehenen Standort B73 ist der Platz knapp. In den Räten der angrenzenden Ortschaften Wiepenkathen und Haddorf gibt es finanzielle Bedenken.

Die Mehrheit des Stader Rates hat sich für die Nutzung der Flachdach-Neubauten als Obdachlosenwohnungen sowie optional den Ausbau des benachbarten Altbaus und in einem möglichen weiteren Neubau auf dem Gelände (B73/"Alte Abdeckerei") ausgesprochen. Parallel begleiten die Mitglieder des von dem Stader SPD-Sozialpolitker Oliver Kellmer initiierten "Runden Tischs der Obdachlosenhilfe" die Planungen.

Einigkeit bestehe laut Kellmer in den Ortsräten Wiepenkathen und Haddorf darüber, dass der Bezug der Neubauten umgesetzt werden könne. Politiker der Ortsräte stünden jedoch aus Kostengründen weiteren Bauprojekte auf dem Areal skeptisch gegenüber. In Haddorf habe man zudem auf die "schwierige verkehrliche Situation hingewiesen". Das Grundstück liegt weit abgelegen von der Stadt an der viel befahrenen Bundesstraße. "Nicht optimal", findet Kellmer. Immerhin sei der Neubau "eine Verbesserung als kurzfristige Lösung in der Not".

Nach Kellmers Meinung soll die Umsiedlung auf freiwilliger Basis durchgeführt werden. Ohnehin könnten "nicht alle Betroffenen umziehen", sagt er mit Blick auf den begrenzten Wohnraum für in dem Neubau mit elf Doppelzimmern. Demnach müssten die Hälfte der rund 50 überwiegend männlichen Bewohner in den Nachkriegsbaracken am Fredenbecker Weg bleiben. Er verlangt trotzdem eine schnelle Umsetzung, da es "unsinnig" wäre, die neuen Räume leerstehen zu lassen.

Es gibt weiter viel zu tun: Kellmer beklagt einen Mangel an Wohnraum für obdachlose Frauen. Weiter will er sich für eine kürzere Verweildauer der Obdachlosen in den städtischen Unterkünften auf maximal ein Jahr einsetzen. Die Stadt solle Mittel für wohnungspolitische Maßnahmen bereitstellen. Mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag, z. B. in Kooperation mit dem Herbergsverein, könnte die Integration auf dem ersten Wohnungsmarkt künftig schneller gelingen.
Kellmer: "Jeder Mensch hat ein Recht auf eine eigene und bezahlbare Wohnung. Dies müssen wir sicherstellen!"

Weiter wolle sich der "Runde Tisch" das Problem der „Makel-Adressen“ lösen. Bewohner des Fredenbecker Wegs geben an, aufgrund ihrer Adresse von Vermietern abgelehnt zu werden. Als Lösung schlägt er die Ausweitung der von der Stadt schon erfolgreich betriebenen dezentralen Unterbringung von Obdachlosen in diversen, auf das Stadtgebiet verteilten Wohnungen vor.

• Der Runde Tisch tagt wieder am Donnerstag, 23. März.