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Opas OP-Tisch und eine Fäkalpumpe: Blick in Stades verwaistes Katastrophenlazarett

Der technische Mitarbeiter Thomas Wilkens-Severin (re.) mit Ausschussmitgliedern in der Küche des Klinik-Bunkers
 
Ungenutzt: das OP aus Nachkriegsbeständen des Bundes

Ein Meter Stahlbeton gegen Artilleriegeschosse

tp. Stade-Wiepenkathen. Luftangriffe oder Naturkatastrophen will kein Mensch erleben - doch wohin mit Kranken und Verletzten, wenn durch höhere Gewalt Kliniken und Arztpraxen unbenutzbar sind? Für den Ernstfall hält der Landkreis Stade in der Stader Ortschaft Wiepenkathen ein Notkrankenhaus bereit. Kürzlich nahmen Fachpolitiker des Landkreises vor der Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz und Ordnungsangelegenheiten gemeinsam mit Chef-Dezernentin Nicole Streitz das versteckte Katastrophenlazarett in Augenschein.

Das unterirdische, mit einer einen Meter dicken Stahlbetondecke und 75 Zentimetern Mineralgemisch gegen Artilleriegeschosse gesicherte Bunkerkrankenhaus mit 3.000 Quadratmetern Nutzfläche wurde nie in Betrieb genommen. Der Bund errichtete die "Maulwurf-Klinik" - noch unter dem Eindruck des Kalten Krieges - von 1988 bis 1990. Nachdem sich die Weltsicherheitslage entspannt hatte, wurde die Einrichtung auf dem Gelände der feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) an den Landkreis Stade übergeben.

Das Notkrankenhaus wird von dem technischen Mitarbeiter Thomas Wilkens-Severin und seinen Kollegen betriebsbereit gehalten und gelegentlich für Feuerwehrübungen und als Unterkunft für Ehrenamtliche genutzt.

Alles in allem ist in der Anlage die Zeit stehengeblieben. Das museale Flair des Notkrankenhauses wird durch die schon zur Zeit der Ausstattung vor vier Jahrzehnten betagten medizinischen Geräte verstärkt: "Opas OP-Tisch", Zahnarztstuhl und gynäkologischer Stuhl sowie die verblieben 60 von ursprünglich 400 Betten, die mit ihren dünnen Matratzen und den quietschenden Federn an "Knast-Pritschen" erinnern, stammen zum Teil aus den 1950er Jahren. Das Interieur könnte gut als Requisite für Endzeitfilme wie "The Day After" oder als Einrichtung von Sado-Maso-Studios dienen, wie Teilnehmer von Rundgängen, die Thomas Wilkens-Severin ab und zu anbietet, schon scherzhaft anmerkten.

Innerhalb von 14 Tagen könnte das Bunker-Krankenhaus nach Einschätzung von Wilkens-Severin in Vollbetrieb gehen. Zur energetischen Versorgung für ein Vierteljahr stehen in zwei Mega-Tanks insgesamt 91.000 Liter Heizöl zur Verfügung. Es gibt fünf OPs mit Vorbereitungsräumen und Intensivstation, Legionellen-sichere Duschen, einen sogenannten Autoklav zum Sterilisieren des Operationsbestecks, Riesen-Notstromaggregate, Schmutz- und Keimschleusen, ein Chefarzt-Büro, eine Krankenhausküche, einen eigenen Brunnen und eine Fäkalpumpe. Im Notfall können Exkremente und Abwasser per Handkurbel in die Kanalisation befördert werden.

Eine Lüftungszentrale hält das Klima bei rund 20 Grad und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit konstant - optimale Bedingungen zur schimmelfreien Lagerung nicht nur für Medizin-Utensilien. Auf Regalen stapeln sich Kartons voll mit Lebensmittelmarken und Bundeswehrwolldecken.

In einem Magazin archivieren die Elbe Kliniken Röntgenbilder ihrer Patienten.
Durch die dafür entrichtete jährliche Nutzungsgebühr trägt sich laut Dezernentin Streitz der Unterhalt des Notkrankenhauses.