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Parkhaus in Stade: Kommt doch die Billig-Lösung?

Im Inneren hat der Abriss des Parkhauses bereits begonnen (Foto: bc)
bc. Stade. Wie wird das neue Parkhaus am Altstadtring aussehen? Eine Frage, die jeden Bürger in Stade interessieren dürfte - gerade weil in diesen Tagen das alte Parkhaus abgerissen wird. Im Stadtentwicklungsausschuss vor drei Wochen gab die Politik das Signal, den Wunsch der Stadtverwaltung erfüllen zu wollen, bis zu 800.000 Euro mehr auszugeben, um eine optisch anspruchsvollere Fassade mit einem hohen Klinkeranteil und einer filigranen Holzoptik zu bauen. Nach fraktionsinternen Beratungen stellt sich die allgemeine Stimmungslage jedoch ein wenig anders dar. Das WOCHENBLATT hat nachgefragt.

Die SPD - die Partei, der Bürgermeisterin Silvia Nieber angehört - ist nahezu geschlossen gegen zusätzliche Ausgaben. Die Grünen und auch die Wählergemeinschaft (WG) opponierten ohnehin von vornherein gegen die Pläne, dass die Stadt die Parkpalette in Eigenregie baut. Die CDU zeigt sich noch uneins. Stimmt die Politik dementsprechend ab, zeichnet sich doch eine Mehrheit für die Parkhaus-Minimallösung ab. Ohne hübsche Fassade.

Wie berichtet, hat die Stadt das Parkhaus-Projekt von der Firma Matrix übernommen. Der Investor des benachbarten Einkaufszentrums hatte relativ schmucklose Entwürfe in die Planungen eingebracht: wenig Klinker, viel Metall. Stadtbaurat Lars Kolk bezeichnet den Entwurf als „Vogelkäfig“, mit dem die Bürger dann mindestens 50 Jahre leben müssten.

Bislang hat die Stadt 8,4 Mio. Euro für den Abriss und Neubau des Parkhauses im Haushalt eingeplant. Der Betrag könnte sich aber auch ohne hochwertigere Fassade noch erhöhen, wenn nämlich statt einer Betonfahrbahn beständigerer, nicht so wartungsintensiver Gussasphalt eingebaut wird. Auch das ist geplant.

Eigentümer und Betreiber des Parkhauses wird die Stadt sein. Der Rat hat jedoch einen Prüfauftrag erteilt, ob das Parkhaus mit den rund 500 Stellplätzen später wieder verkauft werden kann.

Am Montagabend fand eine interne, nicht-öffentliche tagende Ratsversammlung statt (nach Redaktionsschluss), in der allen Politikern die städtische Lösung noch einmal vorgestellt werden sollte. Ca. 25 von 41 Ratsleuten waren anwesend. Das WOCHENBLATT hat davor mit den Fraktionsvorsitzenden gesprochen.

Im Kern missfällt vielen Politikern die Salami-Taktik der Stadt: Scheibchenweise erhöhen sich die Kosten. Einige sprechen schon von der Stader „Elbphilharmonie“ - ein Synonym für Steuergeld-Grab.

Auch wenn der Politik immer klar gewesen sein dürfte, dass die 8,4 Mio. Euro nicht das Ende der Fahnenstange sind, sträuben sie sich jetzt offensichtlich, noch mehr Geld für ein Fassaden-Facelift auszugeben. „Für eine hübschere Fassade bezahlt kein Käufer mehr Geld“, sagt etwa WG-Fraktionschef Hans-Jürgen Nicolai mit Blick auf einen möglichen Verkauf.

In die gleiche Richtung geht auch die Überlegung der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Barbara Zurek: Falls das Parkhaus immer teurer werde, müsste ein potenzieller Käufer später höhere Parkgebühren nehmen, um sein Investment zu refinanzieren. Vorausgesetzt die Stadt verkauft nicht mit Verlust. Zurek ist sich aber auch der städtebaulichen Bedeutung des Parkhauses mitten in der Altstadt bewusst: „Als Politik haben wir eine große Verantwortung, dort etwas Vernünftiges zu bauen.“

CDU-Fraktionschefin Kristina Kilian-Klinge dazu: „Die Altstadt ist ein Pfund, mit dem Stade wuchern kann. Die Fassade muss ins Stadtbild passen. Aber die Mehrkosten sollten sich in einem angemessenen Rahmen bewegen.“

Nach WOCHENBLATT-Informationen will die Stadt nun drei Ausschreibungsvarianten vorbereiten: die Sparversion, die teure Alternative mit Holzoptik (ca. 780.000 Euro) und eine Lösung mit Metall-Lamellen, die irgendwo in der Mitte liegt. In der Ratssitzung am 20. Juni soll eine Entscheidung fallen.

Die Zeit drängt. Schließlich ist vertraglich geregelt, dass das Parkhaus rechtzeitig zur Eröffnung des neuen Einkaufszentrums Ende 2017 fertig sein muss.