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Rechenakrobatik aus Hannover: Kultusministerium hält Unterrichtsversorgung für ausreichend

Gerade jetzt zur Grippezeit muss Unterricht ausfallen, wenn es nicht genügend Vertretungslehrer gibt
(jd). Zu den Aufgaben einer Zeitung gehört es, schwierige Sachverhalte mit einfachen Worten darzulegen. Das hat das WOCHENBLATT auch beim Thema Unterrichtsversorgung getan: Vor zwei Wochen wurde erläutert, warum selbst eine Versorgungsquote von 100 Prozent nicht genügt, um das schulische Angebot auf einem akzeptablen Niveau zu halten. Dazu kam vom niedersächsischen Kultusministerium prompt eine Stellungnahme. Die ist aber nicht gerade hilfreich, das komplexe Thema verständlicher zu machen. Verklausuliert wird argumentiert, warum schon ein Wert von weit weniger als 100 Prozent ausreichend sei, um die Pflichtstunden zu erfüllen: Die Rede ist von Stundenpools, flexiblen Lehrereinsätzen und Budgets. Auch die vielgepriesenen schuleigenen Vertretungskonze
pte werden angeführt.
Von diesen Konzepten hält Kai Seefried, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, herzlich wenig: "Das stellt keine langfristige Problemlösung dar: Die Stunden, die Lehrer jetzt zusätzlich ableisten, werden in den Folgejahren fehlen." Auch habe dieses Konzept zur Folge, dass Lehrkräfte oft in Fächern unterrichten, die sie nicht studiert haben. Seefried hält die Argumentation des Ministeriums für Rechenakrobatik: "Wenn kein Pflichtunterricht nach Stundentafel ausfällt, dann fallen AGs und Förderstunden aus."

Diejenigen, die am besten wissen müssen, ob die Schulen mit der derzeitigen Unterrichtsversorgung von 99,5 Prozent wirklich so gut dastehen, sind die Lehrer. Von denen erhielt das WOCHENBLATT stets die gleiche Auskunft: Eine Quote von kanpp 100 Prozent siehe auf dem Papier gut aus, doch im schulischen Alltag gebe es nun mal Ausfälle etwa durch Krankheit, Klassenfahrten oder Fortbildungen. Das werde aber vom Ministerium nicht berücksichtigt.

Gern verweist Ministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) immer wieder auf den Pool von rund 600 Vertretungslehrkräften, die bei Bedarf - wenn etwa ein Lehrer länger krank ist - bei der Landesschulbehörde angefordert werden können. Das sei nur Schönfärberei, so ein Schul-Praktiker: "Die meisten Feuerwehrkräfte auf dieser Liste sind Karteileichen." De Facto stünde davon kaum jemand zur Verfügung. Viele würden längst in anderen Bundesländern arbeiten.

Über eine besondere "Beruhigungspille" der Ministerin ärgert sich Petra Wiedenroth vom Verband der Elternräte der Gymnasien: "Frau Heiligenstadt hat stolz verkündet, dass im laufenden Schuljahr 1.800 Lehrerstellen ausgeschrieben worden seien. Dabei wird aber verschwiegen, dass fast 1.200 Lehrer in Pension gehen und 400 Stellen gar nicht besetzt werden konnten." Unterm Strich werde es im ganzen Land nur 200 Lehrer mehr geben. "Alle Rechenexempel aus dem Ministerium sollen letztlich nur die schlechte Unterrichtsversorgung vertuschen", so Wiedenroth.