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"Stade ist auf Wachstumskurs"

Seit 2011 führt Bürgermeisterin Silvia Nieber die Geschicke der Hansestadt Stade (Foto: archiv)
bc. Stade. Silvia Nieber (54) lenkt nun schon seit drei Jahren die Geschicke der Stadt Stade - als erste Bürgermeisterin überhaupt in deren Geschichte. Ihr Terminkalender ist pickepackevoll, ihre Ziele hoch gesteckt. Das Interview:

WOCHENBLATT: Hat Stade sein touristisches Potenzial als Hansestadt schon ausgeschöpft?

Silvia Nieber: Das touristische Angebot hat sich in den vergangenen Jahren wunderbar entwickelt. Die Bezeichnung Hansestadt hat dazu beigetragen. Ein Ende der Entwicklung ist aber noch lange nicht erreicht. Über eine Kooperation auf Städte-Ebene versucht die Tourismus GmbH derzeit neue Zielgruppen zu erreichen. Im Übernachtungstourismus fehlen uns für bestimmte Segmente Hotelangebote, die wir hoffentlich in den nächsten Jahren bedienen können.

WOCHENBLATT: Wieviel Tourismus verträgt die Stadt?

Nieber: Aus meiner Sicht belebt der Tourismus die Stadt. Einzelhandel und Gastronomie profitieren unmittelbar von den Gästen, letztlich aber auch die Bürgerinnen und Bürger, weil das Freizeitangebot vielfältiger ist, als es ohne Touristen wäre. Da verträgt Stade sicherlich noch einiges.

WOCHENBLATT: Dank der aktuellen Siedlungspolitik überschreitet die Stadt wahrscheinlich die magische Grenze von 50.000 Einwohnern: Sehen Sie noch mehr Wachstumsmöglichkeiten?

Nieber: Stade ist auf Wachstumskurs, sowohl bei den Einwohnerzahlen als auch in der Wirtschaft. Es kann aber nicht nur neue Baugebiete geben, sondern wir setzen auf Nachverdichtung in den vorhandenen Wohngebieten. Wir betrachten uns als das Wirtschaftszentrum im Elbe-Weser-Dreieck. Viele Unternehmen suchen nach Standorten, die mindestens 50.000 Einwohner haben und schließen dabei alle anderen mit weniger Einwohnern aus. Allerdings werden wir die 50.000 Einwohner nicht allein mit den Baugebieten in Riensförde und Heidesiedlung erreichen.

WOCHENBLATT: Wusste die Stadt von der Anlieferung irischen Hausmülls im Stader Seehafen?

Nieber: Der Seehafen Stade-Bützfleth ist ein Vielzweckhafen und dient dem Umschlag von Gütern aller Art. Er ist damit essentielle Infrastruktur für die Region und für den Industriestandort Stade: ohne Umschlag keine Entwicklung. Unter anderem schlägt Hafenbetreiber Buss mit Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg auf dem Seeweg gebrachte und zu Ballen abgepackte Abfälle um. Die Stadt ist über solche Vorgänge nur in den Fällen informiert, in denen die Genehmigungsverfahren eine Beteiligung vorsehen.

WOCHENBLATT: Sie engagieren sich stark für Familienpolitik und eine Ausweitung der Betreuungsangebote: Wie passt die geplante Schließung der Kita Schölisch in diesen Zusammenhang?

Nieber: Grundsätzlich richten wir uns nach den zahlenmäßigen Bedarfen. In der Kita Schölisch waren über 20 Plätze unbelegt, als der Sanierungsbedarf von ca. 300.000 Euro für das Gebäude zuzüglich weiterer Investitionen für Wärmedämmung festgestellt wurde. Im Sinne einer sparsamen Haushaltsführung können wir keine Gelder verausgaben für Standorte, die nicht nachgefragt sind. Es wurden vielmehr Maßnahmen ergriffen, die eine Nutzung der Immobilie von maximal zwei bis drei Jahren ermöglichen. Festzuhalten bleibt, dass zurzeit 21 Kita-Plätze in Stade unbelegt sind und es lediglich zwei bis drei Anfragen auf der Warteliste gibt. Diese Eltern möchten ihre Kinder aber aus unterschiedlichen Gründen nicht in die Einrichtungen mit den freien Plätzen geben.

WOCHENBLATT: Befürchten Sie, dass das geplante Kohlekraftwerk der Dow negative Auswirkungen in Sachen Lebensqualität für die Stader Bürger haben könnte?

Nieber: Nein, das befürchte ich nicht. Seit Jahrzehnten lebt Stade gut mit der Entwicklung der Industrie- und Hafenzone an der Elbe, die auch mehrere Kraftwerkstandorte hat. Wo, wenn nicht am seeschifftiefen Wasser sollte ein modernes Kraftwerk entstehen? Hier wird ein exzellenter Wirkungsgrad mit der optimalen Dampfauskopplung in das Dow-Werk erreicht. Wohlstand und sichere Arbeitsplätze sind wesentliche Faktoren für Lebensqualität. Den Nachweis, dass der Standort für das Dow-Industriekraftwerk gut geeignet ist, hat die Hansestadt Stade im Bebauungsplanverfahren stichhaltig geführt.

WOCHENBLATT: Nennen Sie uns zum Schluss Ihren Lieblingsplatz in Stade sowie einen Ort in der Stadt, an dem Sie sich gar nicht gerne aufhalten.

Nieber: Ich halte mich in Stade überall gern auf. Es gibt keinen Lieblingsplatz und auch keinen Platz, den ich nicht mag.

WOCHENBLATT: Vielen Dank für das Gespräch.