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"Strabs": Sinneswandel bei Stader SPD-Chef?

Schölischer wundern sich über Kai Holm

Da rieben sich viele Schölischer verwundert die Augen. Nachdem sich Stades SPD-Fraktionschef Kai Holm bereits im WOCHENBLATT dafür einsetzte, dass eine Sanierung mit der folgerichtigen Anwendung der Straßenausbau-Beitragssatzung (Strabs) am Sandweg (zwischen Harsefelder Straße und Timm-Kröger-Straße) sinnlos sei, bezog er nun auch in der BILD-Zeitung Stellung. Inklusive eines Fotos, auf dem er neben einem Schild der Interessengemeinschaft (IG) Schölischer Straße steht. Auf dem Schild ist zu lesen: „Straße saniert. Bürger ruiniert! Heute wir. Morgen ihr!“ Solche Plakate hängen mittlerweile im gesamten Stadtgebiet. Sie symbolisieren den Kampf der IG gegen die Satzung auf kommunaler Ebene. Die IG fordert die Abschaffung der Strabs in ganz Niedersachsen.
Ob sich Kai Holm dieser Symbolkraft bewusst war und ob ihm klar war, wie die Schölischer reagieren werden, wenn sie ihn mit einem ihrer Plakate in den Boulevardmedien sehen, darf bezweifelt werden. "Es fühlt sich wie ein Schlag ins Gesicht an", sagte einer der IG-Mitglieder unserer Redaktion. "Eine Unverschämtheit."
Als eine der wenigen Kommunen in Niedersachsen zeigte sich bisher Stade den Argumenten und Lösungsansätzen der Strabs-Gegner wenig aufgeschlossen. Schließlich hat der Stader Rat die Satzung ausdrücklich beibehalten. Eine treibende Kraft dabei war Kai Holm, der sich nun mit einem dieser Protestschilder ablichten ließ. Einem Schild, das gegen die Satzung und auch gegen die Position der SPD protestiert. Oder gibt es jetzt den von vielen Schölischern erhofften Sinneswandel bei den Sozialdemokraten?
Moment mal!
Wohl kaum. Holm hat bei der jüngsten Kandidatennominierung für die anstehende Bürgermeisterwahl die Arbeit Silvia Niebers in den höchsten Tönen gelobt. Und Nieber prägt den Satz: "Mit mir wird es eine Abschaffung der Satzung nicht geben."
Kai Holm bestätigt auf WOCHENBLATT-Nachfrage: "Nein, einen Sinneswandel gibt es bei mir nicht. Ich mache mir das Schild ja nicht zu eigen, nur weil ich auf dem Foto bin. Meine Position ist klar: Ich bin nicht für eine Abschaffung der Strabs. Ich bin gegen die Sanierung des Sandweges."
Über einen Sinneswandel hätten sich die Schölischer und auch viele weitere betroffene Anwohner in Stade sicherlich mehr gefreut. Ob es eine Unverschämtheit ist, sich als führender SPD-Kopf mit diesem Schild fotografieren zu lassen, sei dahingestellt. Mindestens aber ist es unglücklich. Björn Carstens