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Studenten-Stütze aus der Stader Stadtkasse

Der Hansecampus in Stade schwächelt ein wenig (Foto: archiv)
bc. Stade. Die Hansestadt Stade ist stolz auf ihren Hochschulstandort. Seit 2006 wurden am Hansecampus, einem Ableger der Privaten Hochschule Göttingen (PFH), mehr als 500 Bachelor- und Master-Studierende ausgebildet. Doch jetzt befindet sich die private Hochschule am Scheideweg. Es gibt offenbar zu wenige Studenten, die sich das teure Studium leisten können oder wollen. Immerhin fallen monatlich 700 Euro Studiengebühr an. Vor allem dem Studiengang „General Management“ (Betriebswirtschaftslehre) fehlen Studenten, um ihn dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Um den Campus zu sichern, wollen Politik und Verwaltung jetzt tief ins Steuersäckel greifen. 650.000 Euro öffentliche Mittel sollen in den nächsten fünf Jahren fließen, um Studenten mit einem Stipendienprogramm bei der Finanzierung ihres Studienplatzes unter die Arme zu greifen. Zusätzlich sollen möglichst zwei neue halbe Professoren-Stellen geschaffen werden. Die Politik gab im Finanzausschuss bereits mehrheitlich grünes Licht für die Pläne. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

SPD-Mann Oliver Kellmer votierte gegen den geplanten Zuschuss aus der Stadtkasse: „Aus meiner Sicht ist nicht hinreichend gesucht worden, private Zustifter zu finden. Es ist keine Aufgabe der Stadt, Stipendien zu finanzieren.“ Es gebe in Stade immerhin eine breite industrielle Basis und zahlreiche Mittelständler, die ein Interesse haben dürften, gut ausgebildete Fachkräfte aus der Region für die Region zu gewinnen.

Reinhard Elfring (Grüne) wurde noch deutlicher: „Ich warte noch auf ein Perspektivpapier der Hochschule. Die 650.000 Euro sind nicht zielführend eingesetzt.“ Für ihn ist der Campus ein „potemkinsches Dorf“.

Das ist geplant: Für ein Stipendien-Programm will die Stadt jährlich 30.000 Euro zur Verfügung stellen. Das Programm soll zunächst auf fünf Jahre begrenzt und an das bestehende Deutschland-Stipendium gekoppelt werden, das sich auf 300 Euro pro Monat beläuft. Bei diesem Betrag übernimmt die Stadt 150 Euro, die andere Hälfte trägt der Bund. So können bis zu 16 Studierende davon profitieren.

An der Hochschule21 in Buxtehude läuft es übrigens anders: Dort übernimmt die Klindworth-Stiftung als privater Zustifter den Betrag, den in Stade nun die Stadt zu bezahlen gedenkt.

Zur Erklärung: Bei der PFH handelt es sich um eine private Hochschule, die auf Studiengebühren angewiesen ist. Viele Unternehmen übernehmen für ihre Studierenden die Gebühren, allerdings nicht alle. Das Programm der Stadt richtet sich in erster Linie an die Studenten, die keinen Arbeitgeber haben, der ihre Gebühren und den Lebensunterhalt finanzieren kann. Die Politik legt Wert darauf, dass die Studierenden mit Stipendium auch in Stade wohnen. Karsten Behr von der CDU: „Wenn wir das Geld geben, muss es ein Präsenz-Studium sein.“

Carsten Brokelmann (Wählergemeinschaft), der selbst Vorlesungen an der PFH hält, weiß, dass die Studierendenzahlen zwar zu wünschen übrig lassen, er aber von vielen Jugendlichen gehört hat, die großes Interesse an dualen Studiengängen haben. „Wenn wir den Versuch jetzt nicht wagen, ist das der Anfang vom Ende des Campus“, so Brokelmann. Bernd Käthner (SPD) dazu: „Jetzt aufgeben, ist keine Alternative.“

Stades Wirtschaftsförderer Thomas Friedrichs liegt der Hansecampus am Herzen: „Er ist Europas größter CFK-Studienstandort. Unternehmen verpflichten Studierende bereits aus dem Studium heraus.“ Friedrichs gibt aber auch zu: „Wir haben es nicht geschafft, die PFH in alle Köpfe zu verankern.“ Insbesondere dem Studiengang BWL fehle ein Gesicht.

Deswegen möchte die Stadt zusätzlich noch 100.000 Euro jährlich in den nächsten fünf Jahren für - idealerweise - zwei halbe Stiftungsprofessorenstellen schaffen - verbunden mit Präsenz-Zeiten in Stade. Ziel ist es, die Stellen mit Personen aus der regionalen Wirtschaft zu besetzen, die in der Praxis verankert sind und ihren Wohnsitz in Stade oder der näheren Umgebung haben. Fachkräfte vor Ort zu gewinnen und vor Ort zu halten, ist das angepeilte Ziel.


Kommentar


Höchstens eine kurzfristige Lösung


Die Frage muss gestattet sein: Landauf, landab beklagen sich Firmen über den fortschreitenden Fachkräftemangel. Auch und vor allem im Bereich der Nachfolge-Regelung haben viele mittelständische Betriebe große Probleme. Warum finden sich dann nicht genügend Unternehmen mit Stader Lokalkolorit, die es schaffen, den Studienstandort im Stadtteil Ottenbeck dauerhaft zu sichern? So soll der private Hansecampus jetzt mit Steuergeld gerettet werden.
Das kann höchstens eine kurzfristige Lösung sein. In der Nachbarstadt Buxtehude gibt es die Klindworth-Stiftung als privaten Zustifter - und in Stade? Dieser Studienstandort ist nicht nur für Stade wichtig, sondern für den gesamten Elbe-Weser-Raum, und ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen den Fachkräftemangel auf dem Land. Björn Carstens