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SuedLink: Noch eine Variante

Auf der SuedLink-Trasse soll Windenenergie aus dem hohen Norden nach Bayern transportiert werden
(jd). Vorschlag aus Verden: Die geplante Windstrom-Trasse soll über Buxtehude und die Bundesstraße 3 führen.
Der Verlauf der geplanten Stromtrasse SuedLink, auf der ab dem Jahr 2022 Windstrom von der Nordsee nach Bayern transportiert werden soll, ist noch längst nicht festzementiert. Weil der zuständige Netzbetreiber Tennet stets erklärt, dass sich die Planungen noch in einem Frühstadium befinden, fühlen sich Kreis- und Kommunalpolitiker offenbar berufen, immer wieder neue Varianten ins Spiel zu bringen. Aus dem Landkreis Verden kommt jetzt der Vorschlag, die Trasse vom Alten Land entlang der A26 und B73 über Buxtehude zu führen. Hinter der Estestadt soll es parallel zur B3 über Mienenbüttel, Trelde und Handeloh bis nach Soltau gehen. Von dort würde der Korridor an der A7 Richtung Süden weitergeführt.
Diese Variante hat der Verdener CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt unlängst aus dem Hut gezaubert. Mattfeldt argumentiert, dass dieser Trassenverlauf "dem Planungsgrundsatz einer möglichsten kurzen und gestreckten Leitungsführung" entspreche. Laut dem CDU-Politiker soll diese Alternativ-Route bisher nicht ins Auge gefasst worden sein, weil ein Randbereich des Truppenübungsplatzes Bergen berührt würde.
Tennet räumt ein, dass bisher keine Prüfung dieser Variante erfolgt ist. Die Begründung: Auf einem Militärgelände dürfen auch keine Windräder stehen. Die Planer gingen davon aus, dass dieses Verbot analog auch für Strommasten gilt. Mattfeldt sprach nun aber im Verteidigungsministerium vor und erhielt die Auskunft, dass es seitens der Bundeswehr "keinen grundsätzlichen Widerstand" gegen die Stromtrasse gebe. Tennet ist jetzt von Mattfeldt aufgefordert worden, den von ihm empfohlenen Trassenverlauf entlang der B3 im Ministerium zwecks Prüfung einzureichen.
Bisher favorisiert Tennet eine Strecke quer durch den Landkreis Stade. Die SuedLink-Trasse soll bei Lühesand die Elbe queren und dann über Hollern-Twielenfleth und Dollern nach Bargstedt führen. Kurz hinter Ahlerstedt wird dann das Kreisgebiet verlassen. Diese Route ist aber längst nicht beschlossene Sache. Erst gegen Ende des Jahres soll der Trassenverlauf im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens verbindlich festgelegt werden werden.
In den Landkreisen Stade und Harburg ist die Reaktion auf die Plänen aus Verden kritisch bis verhalten: Die vorgeschlagene Trassenführung würde insbesondere die Stadt Buchholz und die Samtgemeinde Tostedt "massiv" treffen, bemängelt Harburgs Landrat Joachim Bordt. Die Strecke führe durch dicht besiedelte Gebiete. Der Kreis Harburg sei bislang nicht an den Planungen beteiligt worden, so Bordt. Er gibt zu bedenken, dass die Region schon jetzt durch ein dichtes Verkehrsnetz belastet sei. Ähnlich skeptisch ist der Stader Landrat Michael Roesberg: Tennet habe der Kreisverwaltung bislang keine Alternativen zur bisherigen Trasse genannt. "Spekulationen oder Wunschvorstellungen aus anderen Regionen kommentiere ich deshalb nicht", so Roesberg.

KOMMENTAR: Bitte nicht durch unseren Landkreis

Der Vorschlag aus Verden ist geradezu ein Paradebeispiel für das "Sankt-Florian-Prinzip": Die Vertreter der betroffenen Kommunen und Landkreise bekunden zwar, dass sie selbstverständlich nichts gegen die Mega-Stromtrasse haben, doch diese soll bitteschön nicht durch ihr Gebiet verlaufen. Und jeder hat natürlich gute Gründe, die er ins Feld führt. Käme die "Mattfeldt-Variante" zum Zuge, wären die Landkreise Rotenburg und Verden fein raus: Um ihr Gebiet würde die SuedLink-Leitung einen großen Bogen schlagen. Nun hat vor allem der Landkreis Harburg den "Schwarzen Peter". Dort müssen jetzt Argumente gesucht werden, warum die Stromtrasse besser anderswo entlangführen sollte.

Jörg Dammann