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"Unmenschliche Abräumaktion"

Nur Blumen sind auf den Kissenstein-Gräbern erlaubt: Engel und Sternchen werden von der Stadt entfernt

"Klar Schiff" auf Gräbern: Hinterbliebene kritisiert Aktion der Stadt als "herzlos und unwürdig"

tp. Stade. "Ich war von der unmenschlichen, plötzlichen Abräumaktion schockiert", klagt Liane Nix (66) aus Stade, nachdem die Stadtverwaltung auf dem Stader Geestberg-Friedhof "klar Schiff" machte: In vielen Fällen wohl unangemeldet, räumten Friedhofsgärtner der Kommunalen Betriebe Stade (KBS) von einem Feld mit rund 100 Schlichtgräbern sämtliche Dekorationen ab und lagerten die Ziergegenstände in Kisten neben dem Friedhofsbüro. Über die radikal anmutende Maßnahme hatte sich in dem WOCHENBLATT-Artikel "Deko-Kahlschlag auf Gräbern" bereits Claudia Büttner (50) beschwert.

"Frau Büttner spricht mir aus der Seele", sagt Liana Nix, deren verstorbene Tochter (44†) auf dem Areal mit pflegeleichten halbanonymen Einzelgrabstätten einschließlich flachem Grabstein (Kissenstein) im vergangenen Jahr ihre letzte Ruhestätte fand.

"Auch von unserem Kissenstein wurde Deko abgeräumt", berichtet Liane Nix mit Trauer und Wut in der Stimme. Ihre Enkelkinder (13 und 17) hatten einen kleinen Engel auf das Grabmal ihrer toten Mutter gelegt. Die Figur landete in der Kiste am Betriebsgebäude des Friedhofes. Dort fanden andere Angehörige haufenweise Schmuckartikel wie Blumenstäbe, Herzen, Armbänder, eingerahmte Bilder, oder Individuelles wie Flugzeugminiaturen. Zwei getöpferte Ton-Vögel, die vom Grab von Claudia Büttners Schwiegermutter Helga Büttner (†77) verschwanden, tauchten gar nicht wieder auf.

Die Stadt erklärte die Maßnahme mit Bestimmungen aus der Friedhofssatzung und verwies auf den verhältnismäßig günstigen Preis der von Rasen umgebenen Gräber, die von städtischen Arbeitern maschinell gepflegt werden und von Angehörigen nur mit einer Blumenvase geschmückt werden dürfen.

"Liegen auf den Grabstellen Verstorbene zweiter Klasse?", fragt Liane Nix. "Ich glaubte immer, vor Gott seien alle Menschen gleich. Auf dem Friedhof trifft dies wohl nicht zu." An den verantwortlichen Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms gerichtet, sagt Liane Nix: "Was dort geschah, ist herzlos und unwürdig. Ich bitte Sie, die Friedhofssatzung zu überdenken." Liane Nix ist nicht zuletzt aus ästhetischen Gründen für eine Lockerung der Bestimmung: "Denn nach der Abräumaktion hat das Gebiet Ähnlichkeit mit einem Soldatenfriedhof."

Zudem empfindet Liane Nix die Haltung der Stadt als inkonsequent und zeigt auf einige teurere Einzelgräber, "die teilweise so verwildert sind, dass man den Grabstein nicht mehr sieht".