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Von stadtgeschichtlichem Wert

"Die Stadt muss für den Schutz und die Pflege des Baudenkmals sorgen": Historiker Robert Gahde vor Haus an der Hökerstraße 40, das abgerissen werden soll

Abriss-Pläne: Historiker mahnt Verwaltung zu verantwortungsvollem Umgang mit Denkmal

tp. Stade. Über dem Bürgerhaus an der Hökerstraße 40 in der Altstadt von Stade kreist wohl schon bald die Abrissbirne. Nachdem das WOCHENBLATT berichtete, dass die Stadt den Abriss- und Neubauplänen des Hausbesitzers Ergün Yildiz aus Stade aller Wahrscheinlichkeit nach stattgeben wird, mahnt der Historiker Robert Gahde (44) jetzt die Verwaltung zum behutsamen Umgang mit dem baulichen Erbe.
Investor Yildiz hatte ein Gutachten vorgelegt, nach dem das alte Bürgerhaus sowie das kleine Nachbargebäude unter anderem wegen Schwächen in der Statik nicht mehr wirtschaftlich zu unterhalten sind. Bei Härtefällen wie diesen darf die Stadtverwaltung den Abriss eines Baudenkmals bewilligen. Robert Gahde spricht von einem " interessengeleiteten Gutachten". Er appelliert an die Stadt, alle Möglichkeiten auszuloten, das Gebäude zu erhalten.
Gahde, der in Stade lebt und im Staatsarchiv arbeitet, erklärt den aus seiner Sicht hohen Wert des Gebäudes: Es stammt aus der Wiederaufbauphase nach dem großen Stadtbrand im Mai 1659. Untersuchungen hätten ergeben, dass - neben wiederverwendetem älteren Holz - manche Balken im Sommer 1659 geschlagen wurden
Bauherr war der Glaser David Schröder, später gehörte das Haus dem Juristen Johann Knippenberg, der ab 1697 in der Schwedenzeit, während der dänischen Besatzung und in den ersten hannoverschen Jahren bis zu seinem Tod 1717 Stader Bürgermeister war. "Wir haben es also mit einem Wohnhaus der Oberschicht zu tun", so Gahde.
Ab etwa 1840 war das Haus lange im Besitz von Textilkaufleuten. Im späten 19. Jahrhundert wurde die Fassade im damaligen Zeitgeschmack des Historismus mit einer neuen, an den Barock angelehnten Putzfassade versehen. Die Jahreszahl 1893 im Giebel erinnert daran. In den 1950er Jahren wurde im Obergeschoss ein Schaufenster eingebaut. "Zwar wurde die Fassade verändert, doch das Gebäude selbst mit seiner historischen Bau- und Raumstruktur, dem rückwärtigen Fachwerkgiebel mit seinen barocken Vorkragungen und altem Ziermauerwerk blieb weitgehend erhalten", erklärt Gahde.
"Das Haus hat somit einen großen geschichtlichen Aussagewert", betont Gahde. Und: "Die Stadt Stade hat als Untere Denkmalschutzbehörde die gesetzliche Aufgabe, für den Schutz und die Pflege des Denkmals zu sorgen."
Der Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung bei der Stadt Stade, Nils Jacobs, hingegen geht von einem Abriss im Herbst aus. Der Nachweis der Unwirtschaftlichkeit des Gebäudes sei - in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalschutz - eindeutig erbracht worden. Bei der Stadt würde man jetzt Wert darauf legen, dass nach dem Abriss gleich der Neubau erfolgt und in der Häuserzeile keine "Zahnlücke" klaffe, so Jacobs.
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