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Weltkulturerbe: Wie soll es weitergehen?

Vom Land gab es die Empfehlung, dass sich das Alte Land doch jetzt einzeln ohne die anderen Holler-Kolonien bewerben soll. Der Verkehr in der Kulturlandschaft an der Unterelbe ist allerdings gerade ein großes Problem (Foto: archiv)
bc. Jork. Sollen die Gemeinde Jork und die Samtgemeinde Lühe weiter Geld in die Hand nehmen, um die Bewerbung des Alten Landes zum Weltkulturerbe der UNESCO voranzutreiben? Vor der Frage stehen die Politiker beider Kommunen. „Wir brauchen jetzt ein Bekenntnis der Politik“, sagt Jorks Kämmerer Matthias Riel, der Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Welterbe ist. Eine Grundsatz-Entscheidung sei auch vor dem Hintergrund einer neuen Bewerbungsstrategie notwendig.
Kommenden Mittwoch, 31. Mai, berät der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur der Gemeinde Jork über das Welterbe (18.15 Uhr, Alte Wache). Eine Woche später am Dienstag, 6. Juni, tagt der Kulturausschuss der Samtgemeinde Lühe (19 Uhr, Rathaussaal). Bei einem positiven Votum soll ab 2018 wieder Geld in die Haushaltspläne zu Gunsten der Bewerbung fließen.
Wie berichtet, hatte das Alte Land vor ein paar Jahren den Schritt verpasst, auf die deutsche Vorschlagsliste für das Welterbe zu kommen. Die Ansage damals lautete, dass das Alte Land trotzdem gute Chancen für eine Ernennung hätte, sofern sich die Region gemeinsam mit den Holler-Kolonien in Polen und den Niederlanden bewirbt. Nach einem Schreiben aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur vor einigen Monaten hört sich das allerdings anders an.
Darin hieß es: „Da sich die Möglichkeiten eines transnationalen seriellen Antrages derzeitig nicht abzeichnen, sollte entgegen der Empfehlungen des Kultusministerkonferenz-Fachbeirates aus 2014 ein eigenständiger universeller Wert des Altes Landes als eigenes Antragsverfahren für sich genommen herausgearbeitet werden.“ Diese „Insellösung“ sei neu und erfordere nun das neuerliche Bekenntnis zur Bewerbung - zumal sich die Zusammensetzung der Räte und damit möglicherweise auch das Stimmungsbild nach der jüngsten Kommunalwahl geändert haben könnte.
Für Kerstin Hintz, Vorsitzende des Welterbe-Vereins, ist das Welterbe nur ein Baustein in einem regionalen Entwicklungsprozess. „Der Kulturraum braucht eine Zukunftsvision - vor allem auch was den Verkehr angeht. Dafür ist ein Regionalmanagement notwendig. Wir müssen vernetzt denken“, so Hintz. Das Welterbe sei nur eine Vision. Die aktuelle Diskussion über ein Regionalmanagement für den Sondergebietsstatus des Obstbaus im Alten Land gebe dafür gerade die Steilvorlage. Auch dazu hören die Politiker in den öffentlichen Sitzungen einen Vortrag. Hintz: „Wir müssen wertschätzend mit unserem Kulturraum umgehen.“
Michael Eble (CDU), stellvertretender Kulturausschuss-Vorsitzender in Jork, möchte sich vor einer politischen Empfehlung ein breites Meinungsbild in der Bevölkerung und bei bestimmten Interessensvertretern einholen. Timo Gerke, Vorsitzender des Kulturausschusses in Lühe, hat noch keine Entscheidung für sich getroffen. Ihm ist aber wichtig: „Es macht nur Sinn, sich weiter zu bewerben, wenn auch die Chance besteht, Welterbe zu werden.“
Interessanter Fakt zum Schluss: Das Fagus-Werk, eine Fabrikanlage in der südniedersächsischen Kleinstadt Alfeld an der Leine, hat es 2011 auf die UNESCO-Liste geschafft, laut Kerstin Hintz lief die Bewerbung seit 1977. Das zeigt: Ein langer Atem ist gefragt.