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"Wir lassen uns nicht instrumentalisieren"

Schüler bei der Kundgebung am Pferdemarkt

Groß-Demo gegen Klassenfahrten-Boykott in Stade / 500 Schüler aus dem Landkreis auf den Barrikaden

tp. Stade. Keine weitere Instrumentalisierung durch Politik und Lehrerschaft: Das forderten Schüler und deren Vertreter unisono auf der großen Demonstration für die Wiedereinführung der Klassenfahrten in Stade. An dem Protestzug durch die Kreisstadt nahmen am Dienstag rund 500 Schüler, überwiegend von den Gymnasien in Stade und Buxtehude, teil.

Auf der vom Stader Athenaeum organisierten Veranstaltung setzten sich Kinder und Jugendliche für die Wiedereinführung der Klassenfahrten ein, die, wie berichtet, bis 2018 an den Gymnasien in Niedersachsen gestrichen wurden. Hintergrund des Klassenfahrten-Ausfalls ist der Zoff zwischen Politik und Pädagogen über das neue Schulgesetz der rot-grünen Landesregierung, nach dem die Lehrer jetzt eine unbezahlte Stunde Mehrarbeit pro Woche leisten müssen. Sie setzten sich dagegen mit dem umstrittenen Klassenfahrten-Boykott zur Wehr.
Die Schüler empfinden es als ungerecht, in den Konflikt hineingezogen zu werden. Das ging aus Wortbeiträgen bei der Kundegebung am zentralen Pferdemarkt hervor.
Schülerin Van Nguyen aus dem Vorstand des Landesschülerrats sagte: "Ihr habt den Schülern den Krieg erklärt, glaubt nicht, dass wir uns nicht wehren!“ Ihrer Ansicht nach ist der Klassenfahrten-Boykott das einzige öffentlichkeitswirksame Druckmittel auf die Regierung, die Anhebung der Pflichtstundenzahl für Lehrer an Gymnasien auf 24,5 Stunden wieder abzuschaffen. Bekanntlich dürfen Lehrer als Beamte nicht streiken.

Zwischenzeitlich hat das Land den Lehrern einen Lohn- und Zeitausgleich für Klassenfahrten bewilligt. „Nun sollten die Lehrer auch den Schülern entgegenkommen", kommentierte der Chef des Landeselternrats, Stefan Bredehöft. Auch er verlangt die Wiedereinführung der Klassenfahrten. Bredehöft bringt in Teilen Verständnis für die Arbeit der Lehrer auf: "In der Sekundarstufe II ist die Arbeitsbelastung sehr hoch."
Gymnasiallehrer Wolfgang Ehlers, Vorsitzender des Bezirks-Personalrates Lüneburg, kritisierte: Der Koaliationsvertrag der rot-grünen Landesregierung enthalte kein Wort der Erhöhung der Arbeitszeit um eine Stunde. Er fragte provokant: "Wo sollen wir Lehrer einsparen? Am Unterricht? An Prüfungen? Da bleiben nur die Klassen- und Studienfahrten als rein freiwillige Leistungen übrig."
Als "Sauerei" empfinden die Demonstrationsteilnehmer Sean McKenna (16), der das Halepaghen-Gymnasium in Buxtehude besucht, und Niklas Röbke (18) von den Berufsbildenden Schulen in Stade das Aussetzen den Klassenfahrten: "Ein Urlaub mit Freunden und Lehrern fällt weg. Das soziale Leben leidet."