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Wirbel um verwilderte Wiese im Neubaugebiet Mittelnkirchen

Über diese 1,2 Hektar große Brachfläche im Neubaugebiet Mittelnkirchen wird seit 15 Jahren diskutiert (Foto: lt)
lt. Mittelnkirchen. Gepflegte Vorgärten und von Obstbäumen eingerahmte Einfamilien- und Doppelhäuser - die Idylle in dem Neubaugebiet in Mittelnkirchen im Alten Land könnte perfekt sein. Wäre da nicht die rund 1,2 Hektar große Brachfläche, die jedem störend ins Auge springt, der durch den "Kirschhoff" fährt. Bereits seit 15 Jahren ist die verwilderte Wiese, die laut vieler Anwohner die Gegend "verschandelt", immer wieder Thema in der Gemeinde.
Auch bei der jüngsten Ratssitzung machten einige Anwohner ihrem Ärger Luft und forderten die Verwaltung auf, endlich eine Lösung für die Pflege der Fläche zu finden. Doch das ist laut Gemeindedirektor Kai Schulz gar nicht so einfach. Das Grundstück gehört nämlich mehreren Eigentümern, darunter auch Erbengemeinschaften. Die Gemeinde Mittelnkirchen besitzt 6,28 Prozent und fühle sich nicht in der Pflicht, die Pflege allein zu finanzieren. Immerhin haben Bauhof-Mitarbeiter vor Kurzem erst offene Schächte gesichert. Alle Parteien an einen Tisch zu bekommen, habe sich in der Vergangenheit immer wieder als schwierig erwiesen, so Schulz.
Bürgermeister Joachim Streckwaldt benannte das zweite große Problem: Die Wiese wird offensichtlich von vielen Anwohnern gerne zur Entsorgung von Gartenabfällen benutzt. Streckwaldt selbst habe es vor wenigen Tagen einen Jungen beobachtet, der eine ganze Schubkarre voller Grünabfall einfach auf der Fläche abkippte. Teilweise lägen auf dem Grundstück auch ganze Kirschlorbeerhecken und massenhaft Rasenschnitt.
"Das Problem ist also auch ein bisschen hausgemacht", so Streckwaldt. Vielen sei offenbar gar nicht klar, dass sie eine Ordnungswidrigkeit begehen, wenn sie ihren Gartenabfall illegal in der Landschaft entsorgen und damit womöglich ihre eigene Entwässerung blockieren.
Einig waren sich die Ratsmitglieder, dass endlich Bewegung in die Sache kommen müsse. Im kommenden Monat sei ein Treffen mit allen Parteien geplant, das von einem Steuerberater moderiert werden soll, so Schulz. Außerdem werde geprüft, ob die Fläche womöglich bebaut werden könnte.
Zunächst sollen Hauswurfsendungen verteilt werden, in denen die Anwohner noch einmal darauf hingewiesen werden, dass sie keine Abfälle auf dem Grundstück abladen dürfen. Womöglich könne die Gemeinde zudem kurzfristig veranlassen, dass die Wiese zumindest zweimal im Jahr gemäht werde.

Moment mal
Am Beispiel der verwilderten Brachfläche in Mittelnkirchen wird eines deutlich: meckern ist einfach, Lösungen finden ist mühsam und an einem Strang zu ziehen erst recht. Insbesondere, wenn es keinen eindeutigen Ansprechpartner gibt und sich keiner wirklich zuständig fühlt.
Ich kann die Anwohner verstehen, die genervt sind von der unschönen Fläche vor ihren Häusern. Und ich kann sogar nachvollziehen, dass einige sich denken: "Bevor ich mich weiter ärgere, zieh ich einen Vorteil für mich heraus und spare Platz in der Biotonne oder die Fahrt zur Abfallannahmestelle."
Doch wenn schon etwas Illegales machen - warum nicht lieber, um einen positiven Effekt für alle zu erzielen? Wie zum Beispiel eine bunte blühende Wiese vor der Haustür. Stichwort "Guerilla Gardening".
Lena Stehr