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Leben mit künstlichem Darmausgang

Wann? 13.09.2016 19:00 Uhr

Wo? Elbe Klinikum, Bremervörder Straße 111, 21682 Stade DE
Martina Hagemeister (li.) und Silke Seidel
Stade: Elbe Klinikum |

Neue Selbsthilfegruppe für junge Stoma-Träger in Stade


sb. Stade. Wird mein Gegenüber sehen oder riechen, dass ich einen künstlichen Darmausgang habe? Was kann ich mit dem Beutel am Bauch überhaupt noch anziehen? Und wie sieht es mit einem Strandurlaub oder Sex aus? Diese und viele weitere Fragen stellen sich insbesondere jüngere Leute, die aufgrund einer schweren Erkrankung an Darm oder Blase vor der Entscheidung stehen, sich einen künstlichen Ausgang, ein sogenanntes Stoma, legen zu lassen. Für sie gibt es ab September eine Selbsthilfegruppe in Stade, die "Young Stoma" für Betroffene bis 55 Jahre.

Initiatorin der Gruppe ist Silke Seidel (45) aus Stade. Die Darmkrebs-Patientin hat seit rund einem Jahr einen künstlichen Darmausgang. "In der Reha-Klinik war ich sehr erstaunt, wie viele junge Stomaträger es gibt", sagt sie. Martina Hagemeister, Stoma- und Wundmanagerin am Elbe-Klinikum Stade, bestätigt diese Beobachtung. "Patienten mit einer chronischen Darmentzündung, dem Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, leiden oft schon seit der Pubertät an diesen Krankheiten", sagt sie. "Bei sehr starken Beschwerden besteht die Möglichkeit, entweder dauerhaft oder für eine bestimmte Zeit einen künstlichen Ausgang zu schaffen." Das eröffne den Patienten fast immer eine Rückkehr in ein relativ normales Leben. Denn Colitis- oder Crohn-Patienten haben bis zu 20 Mal am Tag Stuhlgang und können den Durchfall oft nur wenige Augenblicke halten. "Ausbildung und Beruf, ein Kinobesuch oder der Führerschein sind dann ein Ding der Unmöglichkeit", erklärt Hagemeister. "Ein Stoma kann deshalb auch Freiheit und Unabhängigkeit geben."

Für Silke Seidel war der künstliche Darmausgang eine Option auf Leben. "Als Krebspatientin hatte ich praktisch keine Alternative", sagt die alleinerziehende Mutter. Sie erinnert sich gut an das schreckliche Gefühl nach der Operation. "Der erste Blick unter die Bettdecke war alles andere als schön", sagt sie. Doch mit Hilfe der Ärzte und Stoma-Managerin Martina Hagemeister gelang es ihr mit der Zeit, die neue Situation zu meistern. Heute empfindet sie ihr Leben mit Stoma als normal. "Ich muss auf einige Dinge achten, zum Beispiel dass es bei Open-Air-Konzerten öffentliche Toiletten gibt", sagt sie. "Im Gegenzug habe ich keine Schmerzen mehr und kann endlich wieder essen, was ich will."

Um Erfahrungen auszutauschen und insbesondere jungen Patienten Mut zu machen und Hilfestellung zu geben, gründet Silke Seidel jetzt die Selbsthilfegruppe "Young Stoma". Das erste Treffen ist am Dienstag, 13. September, um 19 Uhr im Raum Oste des Elbe-Klinikums Stade. Nach einer Begrüßung wird es kurze Informationen von Stoma-Managerin Martina Hagemeister, Prof. Dr. Benno Stinner vom Elbe-Klinikum Stade sowie Ulrich Brachthäuser von "Kibis", der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen im Landkreis Stade, geben. Treffen für Patienten und deren Angehörige sind für einmal im Monat geplant. Weitere Infos bei "Kibis", Tel. 04141 - 38 56, oder bei "Young Stoma", Tel. 0176 - 29 07 15 10.