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Triff den "Paradiesvögler" in Stade

Plausch beim Kaffee: Künstler Thorsten Brinkmann (re.) und Museumsdirektor Dr. Sebastian Moellers im Kunsthaus Fotos: tp

Alltagsgegenstände als Skulptur: Thorsten Brinkmann zeigt Ausstellung "Life is funny my deer" im Kunsthaus

tp. Stade. Bei seiner Anfahrt nach Stade sah er einen "wunderschönen Sperrmüllhaufen" am Straßenrand und wäre beinahe rechts rangefahren: Thorsten Brinkmann verwendet in seiner Kunst Alltagsgegenstände - auch Unrat - in verschiedenster Weise. Ausrangierte Blecheimer, Gardinenstangen, Schüsseln, Eierbecher, Kleidungsstücke und Kühlschränke gehen unerwartete, skurrile Verbindungen ein. Wie das aussieht, zeigt das Kunsthaus Stade, Wasser West, in einer in Deutschland bisher einmaligen Überblicksschau mit Arbeiten aus allen Werkphasen seines reichen Schaffens.

 "Die Ausstellung "Life is funny my deer", die bis Sonntag, 4. Februar, läuft, ist ein "Heimspiel" für den in Hamburg lebenden Künstler. Gezeigt werden mehr als 60 Arbeiten, die insbesondere die Beziehung zwischen Körper und Objekt zum Thema haben. "Darunter einige, die eigens für die Ausstellung im Kunsthaus gefertigt sind", sagt Kuratorin Luisa Pauline Fink mit Stolz. Der Titel sei programmatisch: "Es geht um den Spaß an der Kunst, um doppelsinnige 'Körper-Ding-Wesen' und um einen Dialog mit dem Publikum."

Der Chef der Museen Stade, Dr. Sebastian Möllers, erklärt den Anlass der Ausstellung in Stade: Vor genau 100 Jahren präsentierte Marcel Duchamp in New York ein fabrikneues, signiertes Pissoir als Ausstellungsexponat. Fountain (1917), so der Titel des Werkes, markiert die öffentliche Geburtsstunde des "Readymades". Die Erklärung eines industriell gefertigten Gebrauchsgegenstandes zur Kunst veränderte das künstlerische Schaffen nachhaltig und provozierte eine Auseinandersetzung, die bis heute anhält. Mit den Werken von Thorsten Brinkmann zeigt das Kunsthaus die Aktualität des Readymades im 21. Jahrhundert.

Thorsten Brinkmann arbeitet in verschiedenen Ateliers. Dort entstehen „Kurzschlüsse“ zwischen Dingen und dem Körper: Eine Zunge hängt an einer Gabel, ein Fuß ist mit einem Duschschlauch verbunden oder Finger einer rosafarbenen Hand sind durch wackelnde Würstchen ersetzt. Gelegentlich provozieren die Objekte erotische Assoziationen, etwa wenn ein beigefarbener Schaumstoffblock phallisch aufgerichtet so labil ist, dass er ins Schwanken gerät, oder durch Namen wie der "Paradiesvögler". Mit einfachen Mitteln realisiert Brinkmann Objekte sowie fotografisch oder filmisch umgesetzte Szenen, die ein humorvoll ironisches Bild unserer Zeit zeichnen.

Die Arbeiten des 1971 in Herne geborenen Künstlers wirken mitunter absurd und komisch. Im Kunstbetrieb sei dies durchaus eine Besonderheit, die Brinkmann selbst nüchtern kommentiert: „Ich habe vor, noch viele Jahre zu arbeiten, also tu' ich Dinge, die für mich selbst unterhaltsam sind“.