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Asbest-Erlaubnis bis Ende 2024

Asbestbehälter bei Dow. Der Faserstoff wird durch eine Materialschleuse ins Werk befördert. Menschen kommen nicht mit der giftigen Substanz in Berührung

Europaweite Ausnahmegenehmigung für Dow-Werk Stade: Vertrag unterzeichnet

tp. Stade. Für den Betriebsrat und die Werksleitung des Chemie-Riesen Dow ist es eine Erleichterung: Aller Voraussicht nach darf das Werk in Stade bis Ende 2024 das als stark krebserregend geltende und daher umstrittene Asbest in seiner Produktionsanlage benutzen. Ein entsprechender Vertrag über die Ausnahmeregelung zwischen dem Land Niedersachsen und der Dow ist kürzlich unterzeichnet worden. Der Kontrakt ist mit dem Bund und der Europäischen Union abgestimmt.

Doch abschließend haben Bürger und Umweltverbände die Möglichkeit, Einwendungen zu äußern. Dazu liegt der Entwurf des öffentlich-rechtlichen Vertrages bis Montag, 26. Januar, im neuen Stader Rathaus aus.

Wie berichtet, will die EU das auf dem Bau längst verbotene Asbest auch in der Industrie komplett abschaffen. Als europaweit letzter industrieller Asbest-Nutzer wurde Dow daher aufgefordert, den Faserstoff bis 2017 aus seinem Werk zu verbannen. Daraufhin schlug die Dow-Führungsetage Alarm und warnte vor einer Gefährdung des Standortes Stade mit seinen 1.200 Arbeitsplätzen.

Nach eigenen Angaben kann Dow Stade bei der Produktion des chemischen Grundstoffs Chlor bis auf Weiteres nicht auf Asbest verzichten. Es ist wichtiger Bestandteil der Chlor-Alkali-Anlage, in der aus Wasser und Salz unter hohem Stromverbrauch Natronlauge und Chlor gewonnen werden. Die aus Metall bestehenden Trennwände (Diaphragmen) der riesigen Elektrolyse-Zellen sind mit Asbeststaub beschichtet.

Im Juni 2014 startete Dow eine groß angelegte Kampagne zur Verlängerung der Ausnahmeregelung. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, sammelte der Dow-Betriebsrat im Rahmen einer Online-Petition rund 12.163 Unterschriften, die an die zuständige EU-Kommission übergeben wurden. Dabei wurde der Öffentlichkeit offenbar plausibel vermittelt, dass Asbest bei Dow nicht in die Umwelt dringt, sondern ausschließlich in hermetisch abgeriegelten Systemen Verwendung findet. Die verbrauchten Diaphragmen werden in einer werkseigenen Anlage verbrannt. Bei sämtlichen Arbeitsschritten kommen Menschen nicht mit dem Gift in Berührung. "Ich gehe davon aus, dass unsere Aktion Wirkung gezeigt hat", sagt ein Betriebsratsmitglied auf WOCHENBLATT-Nachfrage.

Zu dem Erfolg der Kampagne trug die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Tiemann aus Kutenholz bei, die sich bei Ministerpräsident Stefan Weil und Umweltminister Stefan Wenzel sowie beim Bund und der EU für die Fristverlängerung stark machte. Die Politikerin, die eng mit dem Dow-Betriebsrat zusammenarbeitet, zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden: Endlich habe das Dow-Werk die nötige Investitionssicherheit.
Dow Stade stellt die Chlor-Elekrolyse schrittweise auf asbestfreie Technik um. Die Umrüstung schlägt nach aktuellen Schätzungen mit einem knapp dreistelligen Millionenbetrag zu Buche.