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Das Problem mit den Filialisten

Damit die Stadt an verkaufsoffenen Sonntagen so voll ist wie auf diesem Foto, braucht „Stade aktuell“ Geld, um die Aktion zu bewerben
 
Die Standortgemeinschaft „Stade aktuell“ um ihren Vorsitzenden Wolfgang Drusell (v.li.), Pressewart Jürgen Ulrich und Geschäftsführer Gerhard Hoffmann hat entschieden, in diesem Jahr voraussichtlich nur noch einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag zu veranstalten
bc. Stade. Eine lebendige Innenstadt, die Einheimische und Gäste zum Schauen und Shoppen anlockt: Das ist die Wunschvorstellung von Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber. Der Satz sollte aber auch für jeden Ladenbetreiber, Vermieter, Mitarbeiter, eigentlich jeden Stader Maxime sein.

Verkaufsoffene Sonntage sind eine Möglichkeit, den Umsatzmotor anzukurbeln. Die ehrenamtlich geführte Werbegemeinschaft „Stade aktuell“ organisiert diese Tage. Zuletzt hatten die Werber jedoch weniger Freude an ihrem Engagement. Grund: Nicht alle Geschäftsleute ziehen an einem Strang. Beim jüngsten verkaufsoffenen Sonntag im März öffneten rund 110 Läden und Gastronomen ihre Türen, aber nur ca. 70 beteiligten sich an der Werbekostenumlage. Knapp 40 entschieden sich, keinen Zuschuss zu geben.

„Das ist ein Problem“, sagt Wolfgang Drusell, Vorsitzender von „Stade aktuell“. Er kann die Unternehmen nicht verstehen, die der Solidargemeinschaft die kalte Schulter zeigen, trotzdem aber von deren Aktionen profitieren wollen, indem sie bei verkaufsoffenen Sonntagen Kasse machen.

Zur Erklärung: Mit der Umlage finanziert „Stade aktuell“ Marketingaktionen, schaltet Anzeigen, druckt Plakate für überregionale Werbung, lockt somit Menschen in die Altstadt. „Uns fehlten beim letzten Mal ca. 2.500 Euro von den Geschäften, die geöffnet, aber nicht bezahlt haben“, rechnet „Stade aktuell“-Geschäftsführer Gerhard Hoffmann vor.

Dabei handelt es sich im Vergleich zum möglichen Umsatz um relativ kleine Beträge. So zahlen Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern 59,90 Euro, Firmen bis zu zehn Angestellten 101,15 Euro, bis zu 20 Mitarbeitern 202,30 Euro und ab 21 Mitarbeitern sind es 333,20 Euro. „Wir verlangen nicht zu viel“, so Hoffmann.

Wie berichtet, ist die Verweigerungshaltung einiger Filial-Riesen kein reines Stader Problem. Auch in anderen Städten in der Region beteiligen sich Unternehmen wie H&M und C&A nicht an gemeinschaftlichen Aktionen von Gewerbevereinen. In Stade bezahlen u.a. auch Tchibo und Ulla Popken keinen Cent. Positiv-Beispiele sind dagegen die Drogerieketten Budnikowsky und Rossmann sowie das Modegeschäft New Yorker.

Was Gerhard Hoffmann mächtig aufregt ist die Arroganz, mit der einzelne Konzerne ihre Ablehnung rechtfertigen. Dem WOCHENBLATT liegt ein Schreiben der Stader C&A-Filialleitung vor. Darin heißt es: „Letztlich unterstützen wir das Gelingen einer solchen Sonderöffnung schon durch unsere Teilnahme, weil es den Kunden wichtig ist, dass gerade Großunternehmen mit ihrem breiten Sortiment auch an solchen Veranstaltungen teilnehmen.“ Ein von „Stade aktuell“ erbetenes persönliches Gespräch zur Klärung lehnt die Leitung ab. Hoffmann: „Die Geschäfte öffnen, weil sie Geld verdienen. Eine Beteiligung an den Werbekosten wäre nur fair.“

Jürgen Ulrich, Pressewart von „Stade aktuell“, ergänzt: „Gerade für die überörtliche Werbung sind mehr Werbekostenzuschüsse erforderlich.“

Die erste Konsequenz hat die Werbegemeinschaft bereits gezogen. In diesem Jahr wird es voraussichtlich nur noch einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag in Stade geben: im Oktober zum populären Shanty-Festival. In den vergangenen Jahren gab es immer vier Sonntage, in diesem Jahr wären es dann nur noch zwei. Wolfgang Drusell: „Der Zusammenhalt in der Innenstadt bröckelt. Ich appelliere an dieser Stelle nochmals an das Gemeinschaftsgefühl.“

Kommentar



Gemeinsam an einem Strang ziehen


Im Gegensatz zu den Zwangsabgaben für die Handelskammer können Einzelhändler den Gegenwert ihrer Werbekostenumlage auf Anhieb erkennen. „Stade aktuell“ lockt die Menschen mit verschiedenen Maßnahmen an verkaufsoffenen Sonntagen in die Innenstadt: alles potenzielle Käufer. Anders als in Hamburg, wo der Hausmeister nur das Licht im Einkaufszentrum anknipsen muss und die Leute herbeiströmen, erreichen die Geschäftsleute in Stade ihre Ziele nur, wenn sie gemeinsam an einem Strang ziehen. Kommunikation kann da helfen. Daher sollten große Filialisten, wie C&A einer ist, nicht grundsätzlich das Gespräch verweigern. Vielleicht lassen sich ja kreative Möglichkeiten finden, wie man künftig die Solidargemeinschaft stärken kann. Björn Carstens