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"Eine historische Chance"

Das Industriegleis führt einspurig mitten durch Stade, quert u.a. mehrere Straßen im Stadtteil Campe (Foto: tp)
bc. Stade. Mut sollten sie laut Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD) beweisen - und Mut haben die Ratsleute der Hansestadt Stade gezeigt. Einstimmig beschlossen sie in der jüngsten Ratsversammlung, für die Finanzierung der Teilverlegung des Industriegleises geradezustehen. Natürlich nicht mit ihrem eigenen, sondern mit Steuergeld aus dem städtischen Haushalt. 15 Millionen Euro soll das Mega-Projekt kosten, das für Stades Städtebau-Entwicklung so wichtig ist.

Denn: Wird sich der Hafen erweitern, steigt vermutlich der Güterverkehr auf der Schiene, was die Rückstaugefahr auf den städtischen Straßen und die Lärmbelastung für die Bürger erhöhen würde. Unter anderem quert das einspurige Gleis die stark befahrene Altländer Straße.

Zur Historie: Seit vielen Jahren kämpfen Bürger dafür, dass die Trasse aus der Innenstadt Stades vor die Tore der Stadt gelegt wird. Vier Bahnübergänge könnten eingespart werden. Nun bot sich laut Nieber die „einmalige Chance“, zumal die Stadt schon vor vielen Jahren 700.000 Euro in die Planung des Gleises steckte. Nach Gesprächen der Stadtspitze mit dem Land können die Gleis-Planungen mit ins Planfeststellungsverfahren für den fünften Bauabschnitt der A26 von Stade nach Drochtersen aufgenommen werden - sofern sich die Politik schnell entscheidet.

Das Zeitfenster ist eng. In der zweiten Jahreshälfte 2015 sollen die Planunterlagen ausgelegt werden. Bis Ende Mai musste demnach Klarheit herrschen.
Die Politik war sich einig, die Chance jetzt am Schopf zu packen. Mit Blick auf die 700.000 Euro Planungskosten, äußerte sich SPD-Fraktionschef Kai Holm. „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Endlich verschwänden die Gefahrentransporte aus der Innenstadt, so Holm. Andererseits verbessern sich die Entwicklungsmöglichkeiten des Seehafens und des Industriestandortes Bützfleth durch das neue Gleis, ergänzte FDP-Mann Carsten Brokelmann. Zudem ergäben sich städtebaulich neue Potenziale für die Stadt. „Wir befreien die Bürger von den Fesseln des Gleises“, sagte CDU-Ratsherr Karsten Behr.

Unisono wiesen die Politiker aber auch auf die hohen Ausgaben von 15 Mio. Euro hin - eine schwere Last für die Nachfahren im Rat. In diesem Zusammenhang werde die Stadt sicher auf einige andere Projekte in der Zukunft verzichten müssen, merkten einige Ratsleute an. Zumal es laut Behr nicht gesichert ist, dass die Stadt im Nachhinein Zuschüsse von Land und Deutscher Bahn bekommen könne. Silvia Nieber hat die Hoffnung: „Wir gehen davon aus, dass wir Mittel bekommen.“

Wann das Mega-Projekt umgesetzt werden kann, sprich wann die Stadt das Geld braucht, vermag gegenwärtig keiner mit Sicherheit zu sagen. Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms dazu: „Frühestens 2019, es kann aber auch sehr viel länger dauern.“