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Elbtunnel für die Strom-Autobahndurch den Landkreis Stade

Die Tennet-Experten Dr. Arno Gramatte (li.) und Tom Wagner standen zu kritischen Fragen Rede und Antwort
 
Volles Haus in der Eulsete-Halle

Tennet informierte in Himmelpforten über geplante Mega-Energie-Trasse / "Erdkabel sind kein technisches Allheilmittel"

tp. Himmelpforten. "Endlich Information!" Die Erleichterung war den Besuchern der Info-Veranstaltung des Netzbetreibers Tennet, auf die die Bürgermeister der nördlichen Anrainer-Kommunen, die Samtgemeinden Nordkehdingen und Oldendorf-Himmelpforten sowie die Gemeinde Drochtersen, gedrängt hatte, deutlich anzumerken. Die Tennet-Planer Dr. Arno Gramatte und Tom Wagner gaben am Donnerstagabend in der mit rund 200 Gästen gut besuchten Eulsete-Halle in Himmelpforten Auskünfte über die überwiegend oberirdische Mega-Starkstromleitung "SuedLink" von Schleswig-Holstein bis nach Bayern, die im Jahr 2022 fertig sein soll.

Die Strom-Autobahn, die im Zentrum und im Süden des Landkreises Stade durch weitere Kommunen führen wird, soll laut den Tennet-Experten in jedem Fall mit einem Tunnel die Elbe queren. Favorisiert wird eine neue Röhre bei Lühesand. Alternativ stehen riesige Kabel-Tunnel bei Drochtersen bzw. Freiburg zur Diskussion. Tennet plant die Elbquerung, bei der laut Dr. Gramatte zehn Kabel unter dem Fluss hindurchgeführt werden müssen, unabhängig von dem in Planung befindlichen Autobahn-Tunnel bei Drochtersen. Der Kabeltunnel lasse sich nicht mit dem A20-Tunnel koppeln, erklärte Gramatte und nannte in diesem Zusammenhang technische Risiken wie das Übergreifen eines Tunnelbrands infolge eines Autounfalles auf die Stromleitungen.

Doch bis auf Weiteres bleibt die genaue Stelle der Elbquerung offen. Die zuständige Bundesnetzagentur ist noch in der Findungsphase. Bei der Behörde sucht man derzeit einen ein Kilometer breiten Planungskorridor, der im Jahr 2017 feststehen soll. Innerhalb dessen wird voraussichtlich ab 2018 mit einem öffentlichen Planfeststellungsverfahren der exakte Leitungsverlauf festgelegt.

Laut vorläufiger Plan-Karten, die Gramatte und Wagner an die Wand projezierten, führen mögliche Trassenkorridore dicht an Wohnhäusern sowie über landwirtschaftliche Flächen in Nordkehdingen, Drochtersen und auf der Stader Geest vorbei, sodass einige Besucher der Info-Veranstaltung Besorgnis hinsichtlich des gesundheitsschädlichen "Elektro-Smogs" und der Verschandelung des Landschaftsbildes äußerten.

So wurde von einem kritischen Anwohner gefragt, warum Tennet statt der "im Zickzack-Kurs" über Land verlaufenden Stromleitungen nicht verstärkt Erdkabel verlegt. Tom Wagner verwies auf die nicht genau bekannten, in jedem Fall aber wesentlich höheren Kosten von Erdkabeln gegenüber der Freilandleitung, für die ca. 1,4 Millionen Euro je Kilometer veranschlagt werden. Ohnehin würde der Bund eine komplette Erdverkabelung von Nord- nach Süddeutschland ablehnen. Die Behörde fordere den Einsatz von Erdkabeln lediglich, wenn die Trasse näher als 400 Meter an einer Siedlung vorbeiführe. Zudem seien Erdkabel "kein Allheilmittel", so Wagner. Da die Kabelbahnen wegen möglicher Wurzelschäden nicht unter Bäumen verlaufen dürfen, wären Abholzungen die Folge. Und: In Mooren müssten wegen drohenden Nässe-Einbruchs Flächen trockengelegt werden.

Hinsichtlich der gesundheitlichen Risiken verwies Wagner darauf, dass Tennet die Grenzwerte für die elektromagnetische Strahlung um ein Zehnfaches unterschreite. Von den neuen, auf 65 Meter hohen Masten gespannten Leitungen, wird - gemessen an den bestehenden Anlagen - aufgrund neuer Technik eine wesentlich geringere Geräuschbelästigung durch Surren ausgehen. Wagner: "Eine Gesundheitsbelastung ist nicht zu erwarten."